Als Donald Trump in Frankfurt ein Kasino bauen wollte

Make Frankfurt great again?

Als Donald Trump in Frankfurt ein Kasino bauen wollte - Bild 1 Nicht viel ist von „The Magic Donalds“ einstigem Kasino-Glanz und Prunk übriggeblieben. Als Donald Trump in Frankfurt ein Kasino bauen wollte - Bild 3 Trumps expansive Immobilienträume reichten einst bis nach Berlin, wo am Alexanderplatz ein Trump-Tower entstehen sollte.

Er konnte es nicht lassen. Eigentlich hätte er es ja besser wissen müssen, der damalige Immobilien- und Medienmogul Donald Trump, als er vollmundig seine Pläne verkündete, in Frankfurt/Oder sein mutmaßlich kleines „9. Weltwunder“ realisieren zu wollen. Bereits zu dem Zeitpunkt schwächelte das Herzstück von Trumps mittlerweile untergegangenem Kasino-Imperium in Atlantic City, der einst glanzvollen Spielmetropole im kleinen Bundesstaat New Jersey. Doch allen Unkenrufen zum Trotz wollte der jetzige 45. Präsident der Vereinigten Staaten allen Ernstes ein Spielkasino großen Stils samt Trump-Hotel in der Oder-Metropole aufziehen – doch kein vorgezogener Aprilscherz?

Erste Flecke auf weißer Unternehmerweste

Das Märchen aus 1001 Macht währte nur ein Jahr. Bereits 1991 durchzogen erste Risse das finanzielle Fundament seines Vorzeige- und Prestigeobjekts namens „Taj Mahal“: 1991, ein Jahr nach seiner medienwirksamen Eröffnung im traditionellen Spielerdorado an der Ostküste der USA, rund zwei Busstunden von New York entfernt, meldete das Kasino Insolvenz an. „The Donald“ musste sich von der Hälfte der Anteile trennen und sie den Gläubigern überlassen, um im Gegenzug geringere Zinsen und längere Laufzeiten der Kredite zu erhalten.

Doch wer geglaubt hätte, erste Pleiten, Pech und Pannen würden den Kasino-Schöpfer abschrecken, hatte nicht mit der schier unerschütterlichen Beharrlichkeit des Reality-TV-Stars in spe gerechnet.

Wie ein störrisches, unbelehrbares Kind, scheinbar unbeirrbar im festen Glauben an die Macht des menschlichen Spieltriebes und seiner Macht über jene Macht, zog Donald Trump mit seinen Hotel- und Kasino-Spielzeugen an die Börse, um es richtig krachen zu lassen. Doch auch der Schuss ging nach hinten los. Die beiden anderen seiner Kasinos in Atlantic City waren da schon pleitegegangen. Trump verlor erneut Anteile.

Trump konnte auch dann das Spiel mit dem Feuer nicht lassen, als ihm auch im zweiten und im dritten Anlauf Fortuna nicht hold war und seine Gesellschaften Bankrott anmelden mussten: Zwei weitere Male, 2004 und 2009 verbrannte er sich die Finger. 2004 stellte das "Trump Hotels and Casino Resorts" wegen andauernder Verluste den Insolvenzantrag. Nach einer weiteren Pleite zog er sich 2009 aus dem Management zurück und hielt danach noch rund zehn Prozent der Anteile, ehe er auch sie fünf Jahre später abstieß.

Dabei hatte zuvor doch die Konjunktur wieder angezogen und alles so erfolgversprechend angefangen …

Misserfolg hat einen Namen…und eine Geschichte

Nicht viel ist von „The Magic Donalds“ einstigem Kasino-Glanz und Prunk übriggeblieben.

Offenkundig Blut geleckt und strotzend vor Selbstvertrauen, kannte sein Expansionsdrang von nun an keinen Halt mehr. Parallel zu seinen New Yorker Projekten entschloss sich der junge Baulöwe, ins große Glücksspielgeschäft einzusteigen und eröffnete diverse Casinos und Hotels in der Stadt. Als das alles nicht mehr seinem Darstellungsdrang kompatibel schien, begann Trump an seinem Prestigeobjekt zu basteln. Das größte und teuerste Casinohotel der Welt sollte es werden, das „Taj Mahal“ in der nach Las Vegas größten Glücksspielmetropole der USA.

Um den gigantischen Bau – das Vorhaben sollte 200 Meter hoch werden und sich über eine Fläche von 70.000 Quadratmeter erstrecken - zu finanzieren, kaufte der Finanzjongleur Trump Ramsch-Anleihen mit einem Zinssatz von 14 Prozent. Bereits Mitte der Neunziger kontrollierte Trump so rund ein Viertel des Casino-Geschäfts in Atlantic City. Doch begann die schillernde Fassade des hastig aus dem Boden gestampften Imperiums bereits zu der Zeit zu bröckeln. Fehlender Realitätssinn seines Schöpfers hatten maßgeblich zur Misere beigetragen.

Zeichen der Zeit nicht erkannt

Gigantismus, kombiniert mit hohen Schuldenlasten – das Zinsaufkommen betrug zeitweise bis zu 95 Millionen Dollar pro Jahr - hätte sich vielleicht auf längere Sicht doch noch ausgezahlt, hätte ihm und dem klassischen Offline-Spielbetrieb in zahllosen Kasinos und Spielstätten nicht eine stetig wachsende Bedeutung der neuen Medien rund um Internet und Co. einen Strich durch die Kasino-Rechnung gemacht.

Das Kasino-Geschäft begann sich mehr und mehr in das Netz zu verlagern, wo neu programmierte Online-Versionen etwa der klassischen Slot-Spiele von einst den Spieltrieb einer neuen Klientel vergleichsweise komfortabler zu bedienen wussten. Rund um die Uhr Book of Ra spielen zu können, ohne Dresscode bequem von zu Hause zu zocken und dabei nicht notwendigerweise jedes Mal einen riskanten Geldeinsatz tätigen zu müssen, wurde allzu verlockend.

Hinzu kamen durchschnittliche Auszahlungsquoten von attraktiven 96 Prozent, die immer mehr Gambler vor heimischen PCs, Tablets und Laptops fesselten. Und: Online-Casinos boten längst auch Apps an, mit denen es sich einfach und bequem von unterwegs auf der ganzen Welt spielen lässt. Spieler konnten nun jederzeit auf ihr Spielerkonto selbst zugreifen und die Slots spielen.

Nicht nur, dass die maximale Gewinnquote von 1.000 Euro der Spielhallen und Spielotheken kaum noch so recht Spielfreude und Nervenkitzel in der Spielergemeinde aufkommen lassen will.

Mit gefühlten 20 bis 30 Prozent Auszahlungsquote scheint die Branche keinen Stich mehr gegenüber einer stark wachsenden Online-Konkurrenz machen zu können. Und auch wer umsonst spielen möchte, ist mittlerweile auf Online-Angebote angewiesen. Auf all das schien Trump bei seinen kühnen Plänen nicht vorbereitet.

Und obwohl ihm sein Vater durch frische Finanzspritzen Beistand leistete, erwies sich das gepumpte Geld als Tropfen in ein Fass ohne Boden. Trump musste Bankrott anmelden, die Pleite brachte ihn an den Rand persönlicher Zahlungsunfähigkeit. Obwohl er vermutlich zähneknirschend Yacht und zahlreiche seiner Immobilien verkaufen oder beleihen musste, kehrte er trotzig und unbelehrbar den Spieß um, und pries sein Aussteigen in zahlreichen Verlautbarungen als gekonnte und legitime Manager-Entscheidung.

Noch mal davongekommen

Angesichts des Scheiterns seiner drei Kasinos - dem Trump Taj Mahal, Trump Plaza und Trump Marina -  die insgesamt vier Mal Insolvenz anmelden mussten, ehe es zum letzten Abgesang 2014 kam, scheint sich die Odermetropole Frankfurt mehr als glücklich schätzen zu dürfen, dass der Kelch am ostdeutschen Standort noch einmal vorübergegangen ist.

2004 hatte „The Donald“ in Erwägung gezogen, ein Kasino mit Blick über die Oder zu bauen. Von geplanten Investitionen in Höhen von 60 Millionen Euro war die Rede gewesen, die für den Kasino-Bau inklusive Trump-Hotel bereitgestanden hätten – für den milliardenschweren Bauherrn ein Griff in die Portokasse.

Trumps expansive Immobilienträume reichten einst bis nach Berlin, wo am Alexanderplatz ein Trump-Tower entstehen sollte.

Trumps Deutschland-Fantasien hatten in einer von ihm selbst gegründeten TD Trump Deutschland AG bereits zu dem Zeitpunkt konkrete Gestalt angenommen. Und schon vier Jahre zuvor war aus Kreisen des New Yorker Immobilienkönig verlautbart worden, einige Trump-Tower jetzt auch in Deutschland bauen zu wollen. In Berlin sollte der Anfang gesetzt werden. Auf der Suche nach einem geeigneten Standort für den Turm mit Shopping-Meile, Hotel, Büros und Appartements schien die Wahl bereits auf den Alexanderplatz gefallen zu sein.

Obwohl nicht wenige angesichts der geplatzten Immobilienträume – Trump selber war mittlerweile aus der TD Trump Deutschland wieder ausgestiegen - scheinbar vertanen Chancen nachtrauerten, gaben die weiteren desaströsen Entwicklungen um Trumps gescheitertes Immobilien-Imperium den Zweiflern von damals nachträglich Recht.

„Damit habe ich nichts zu tun. Da steht nur mein Name drauf“

Denn: Mittlerweile hat Trump seine drei Kasinos verkauft und übt sich unverdrossen in Behauptungen, er habe mit Casinos nichts zu tun. Da stehe nur sein Name drauf. Allein im Jahr 2014 machten vier Casinos dicht. 2014 war auch das Jahr, in dem Trump seine letzten Anteile an seinem Prestigeprojekt Taj Mahal verkaufte. Danach gehörte das Taj Mahal dem bekannten Investor Carl Icahn. Mittlerweile ist das Kasino geschlossen, die Mitarbeiter arbeitslos und die einst glanzvolle Casino-Stadt an der Ostküste pleite – nicht zuletzt auch dank Trumps Missmanagement.