0-Punkte-Blamage beim ESC: Reaktionen aus dem Netz

Häme, Spott, Unverständnis und die immer selben Sprüche

0 Punkte für Deutschland: Ann Sophie konnte beim ESC nicht überzeugen.  Das niederschmetternde Ergebnis geht der Kandidatin offensichtlich an die Nieren.  Bei der ESC-Party in Hamburg freut man sich für den Gewinner aus Schweden. 

Es ist eine Niederlage, ein Scheitern – und daran gibt es nichts schönzureden: Nicht einen einzigen Punkt konnte Ann Sophie Dürmeyer beim 60. Eurovision Song Contest für Deutschland nach Hause tragen. Die Enttäuschung steht der 24-Jährigen nach der Show deutlich ins Gesicht geschrieben – dennoch nimmt sie das Ergebnis tapfer auf. Doch wie so oft in der Geschichte des ESC kehrt sich die anfängliche Frustration in eine Welle der Entrüstung und nimmt im Netz schnell politische Dimensionen an. 

"Building Bridges": zumindest in der Theorie.

Der 60. Eurovision Song Contest stand zum runden Geburtstag unter einem politischen Motto: Brücken bauen anstatt verhärtete Fronten festigen. Die wohl längste symbolische Brücke entstand dabei zwischen Österreich, wo der ESC nach dem Sieg von Conchita Wurst, 26, im vergangenen Jahr ausgetragen wurde und Australien, das in diesem Jahr erstmals am eigentlich europäischen Musikspektakel teilnehmen durfte. Doch auch, wenn man sich während der Austragung um ein politisch korrektes Miteinander bemühte, im Internet wurden ganz andere Stimmen laut.

Waren wir wirklich so schlecht?

Dass im Falle einer Niederlage ein Sündenbock gefunden werden muss, liegt wohl in der Natur des Menschen. Unter dem Schutz der Anonymität des Netzes ist es heutzutage ein Leichtes, seinem Ärger wie im Falle des 0-Punkte-Debakels in den unterschiedlichen sozialen Medien Luft zu machen. Und so surft man heute morgen gleich auf einer ganzen Welle von politisch zugespitzten Kommentaren, die so ganz und gar nicht zum versöhnlichen Thema passen wollen, unter dem der Eurovision Song Contest gestern ausgetragen wurde.

Die ewig alte Leier

„Da waren weitaus schlechtere Lieder und Auftritte beim #ESC2015. Aber vielleicht muss man einfach akzeptieren, dass die Welt uns hasst?“, „Deutschland ist eben nur bei der Einreise beliebt“, „Aber wenn es um finanzielle Unterstützung geht, dann ist Deutschland gut genug“. Die Diskussion um die Punkteverteilung ist keine neue – es ist immer dieselbe alte verstaubte Platte, die aufgelegt wird, sobald Deutschland wieder einen der hinteren Ränge belegt. Dass Lena Meyer-Landrut, 24, erst vor fünf Jahren den ersten Platz belegte wird dabei gerne vergessen. Auch die Kritik, dass sich die Staaten Osteuropas die Punkte gegenseitig zuschieben würden, erweist sich bei einem Blick auf die Sieger der vergangenen 20 Jahre als haltlos, zumindest aber als nicht entscheidend für den Ausgang: Immerhin haben seit 1995 gerade mal fünf Staaten der ehemaligen Sowjetunion den Titel nach Hause getragen.

Dass der Auftritt von Ann Sophie, der qualitativ nicht schlecht war, offenbar einfach nicht den Geschmack Europas getroffen hat, diese einfache Erklärung erscheint einem Großteil der aufgebrachten Zuschauer auf einmal völlig unplausibel. Dennoch: Es gibt auch Kommentare, die fernab von jeglicher politischer Diskussion zum Schmunzeln anregen. Wir haben die lustigsten zusammengefasst.