Conchita Wurst: "Ich wünsche mir eine Woche mit Putin"

Die Travestiekünstlerin möchte den russischen Präsidenten verstehen

Für Conchita Wurst geht ein Erfolgsjahr zu Ende. Im Mai schaffte sie es mit ihrem Song "Rise Like A Phoenix" auf den ersten Platz beim Eurovision Song Contest. Ihre stimmgewaltige Hymne gleicht einer Kampfansage an alle Kritiker des Travesitiekünstlers, der mit bürgerlichen Namen Thomas Neuwirth, 26, heißt. Auch im Europaparlament hat die Sängerin bereits für mehr Toleranz geworben. Was für 2015 auf ihrer Wunschliste steht: ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, 62. 

"Ich möchte Putin verstehen"

Was für ein Jahr für Dragqueen Conchita Wurst. Vom belächelten vollbärtigen Reality-Sternchen avancierte die 26-Jährige zu einer ernst genommenen Verfechterin der Schwulenrechte, rund um den Globus predigt sie für mehr Toleranz und Gleichberechtigung. Wie sie zum Jahresende nun in einem Interview mit dem österreichischen "Kurier" preisgab, würde sie sich als nächsten Schritt ein Treffen mit Russlands umstrittenen Präsidenten wünschen. "Allerdings möchte ich eine Woche mit Putin verbringen. Einfach, um ihn zu verstehen", so erläutert Conchita. 

Was bedeutet es, Wladimir Putin zu sein? Welcher Druck lastet auf ihm? Damit entschuldige ich nicht seine diskriminierenden Gesetze. Aber durch dieses Verständnis würde ich ihm gerne sagen: 'Du weißt schon, dass es anders besser wäre.' Denn am Ende des Tages möchte Putin nur respektiert werden. Dieses Verlangen nach Respekt teilt Putin mit Minderheiten.

Ab Frühjahr im Tonstudio

Conchita will sich auch künftig für Menschenrechte starkmachen. Erst im Oktober trat sie vor dem Europaparlament auf und traf auf den UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. Zudem wird sie im Frühjahr ihr erstes Studioalbum aufnehmen, in dem sie nicht davor zurückschreckt, ihre gesellschaftskritischen Texte zu verarbeiten. 

 

I still can't believe it! Meeting Mr. Secretary General Ban Ki- Moon! It was incredible! Thank you! #theunstoppables

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Das, was ich mache, kostet mich keine Anstrengung, ist auch keine Selbstaufgabe. Alles, was ich sage, sage ich, weil ich es muss. Das ist nicht immer klug, manchmal unhöflich oder vielleicht auch vorlaut. Ich serviere vielen eine Wahrheit, die sie nicht hören wollen. Deswegen ist es mir so wichtig, Inhalte zu transportieren. Alle, die es hören wollen, lade ich ein, meine Songs zu konsumieren. Für alle anderen gibt es andere Künstler.

"Am Ende des Tages will ich glücklich sein"

Erfolgsdruck würde Conchita nur noch anspornen, verrät sie weiter: "Diesen Druck verspüre ich natürlich. Aber nicht von außen, sondern weil man sich den Erfolgsdruck selbst auferlegt. Das bremst mich nicht, es motiviert mich. Ich habe aber auch die Einstellung: Am Ende des Tages will ich glücklich sein. Wenn man Misserfolg hat, dann kann man sich im Mitleid suhlen, oder man steht auf und macht weiter."