Elisa Schlott: So tickt der schöne Crystal-Meth-Junkie aus dem "Tatort"

In "Borowski und der Himmel über Kiel" brilliert die 20-Jährige als "Rita Holbeck"

Als Crystal-Meth-Junkie brilliert Elisa Schlott am Sonntagabend, 25. Januar, im "Tatort" "Borowski und der Himmel über Kiel". Beim trockenen Hauptkommissar aus Schleswig-Holstein weckt das kleine blonde Mädchen Vatergefühle, beim Zuschauer Beschützerinstinkte. Wer ist die 20-Jährige, die als Süchtige so überzeugt?

Axel Milberg nennt sie ein "Ausnahmetalent"

Sie ist 1,60 Meter groß, besucht seit einigen Monaten die Schauspielschule in Leipzig, und Kollege Axel Milberg bezeichnet sie als "Ausnahmetalent". Seit 2005 steht sie vor der Kamera - damals war sie gerade mal 11 Jahre alt, und hatte sich bei einem Casting eine Kinderrolle ergattert. Heimlich. Ihre Mutter fiel damals aus allen Wolken. Ihre schüchterne, schweigsame Tochter wollte Schauspielerin werden?

Doch Elisa macht ihren Weg. Beharrlich. Mit 13 Jahren ist sie an der Seite von Veronica Ferres in "Die Frau vom Checkpoint Charlie" zu sehen. Für ihre Hauptrolle als selbstzerstörerische Jessica in dem Familiendrama "Draußen am See" bekommt Schlott den Förderpreis Deutscher Film in der Kategorie "Beste Darstellerin". Auch für den "New Faces"-Award ist sie nominiert.

"Ich zweifelte an mir"

Eine erste Sinnkrise bekommt sie nach dem Abi, wie sie im "Stern"-Interview berichtet. Sie hadert mit ihrem Talent, weiß nicht, was sie tun soll.

Ich war schon ein bisschen Frau, aber auch noch ein bisschen Mädchen. Ich zweifelte an mir und fragte mich: Soll ich wirklich Schauspielerin werden? Oder nicht doch lieber Kunstgeschichte studieren?

Schlott geht nach London, besucht Schauspiel-Workshops - und kommt selbstbewusst wieder. Die meisten ihrer Filme "liefen gut auf Festivals, wurden aber nur kurz in Deutschland beachtet", sagt Schlott gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Sie erhoffe sich mit dem "Tatort" eine größere Aufmerksamkeit. Die dürfte ihr nach Sonntagabend sicher sein.

"Am Ende eines Drehtages hatte ich viele blaue Flecken"

Dennoch erzählt sie, wie die Dreharbeiten zur Grenzerfahrung wurden:

Als ich das Drehbuch las, dachte ich: Was für eine interessante und vielschichtige Rolle, da steckt viel drin. Aber am Ende eines Drehtages hatte ich viele blaue Flecken.

Auch auf ihrer Facebook-Seite zeigte sie sich nach Ende des Drehs sichtlich gezeichnet mit verschmiertem Make-Up und kommentierte: "Wohl nicht so viel geschlafen in letzter Zeit ..."

 

"Ich erkenne sofort die typischen Crystal-Meth-Macken"

Crystal Meth kennt Schlott natürlich aus Serien wie "Breaking Bad", habe vor ihrer "Tatort"-Rolle aber "keine Ahnung" gehabt, was die Droge anrichten könne. Seit der Rolle nimmt sie nun auch ihre Umwelt anders wahr, wie sie dem NDR verrät:

In meinem Freundeskreis wurden keine härteren Drogen genommen, insofern war mir das alles fern. Aber jetzt lebe ich in Leipzig-Reudnitz, und Leipzig ist ein sehr großer Umschlagort für Crystal Meth. Weil ich wahrscheinlich durch den „Tatort“ sensibilisiert bin, sehe ich in Reudnitz nur noch Crystal-Meth-Abhängige. Ich finde das extrem. Ich erkenne inzwischen sofort die typischen Crystal-Meth-Macken: Die Leute sind hibbelig, sehr wach, sehen aber trotzdem müde aus und reden völlig unzusammenhängendes Zeug. Und sie stehen immer an den gleichen Orten.

"Wir waren richtig aufgeregt, als wir uns vor der Kamera Kochsalzlösung spritzten"

Um "Rita" richtig spielen zu können, hat Schlott viel über Crystal Meth recherchiert und sich mit einer Therapiegruppe getroffen. Für den Krimi spritzten sie sich sogar tatsächlich - und taten nicht nur als ob. "Wir lernten das in einem Krankenhaus und waren trotzdem richtig aufgeregt, als wir uns vor der Kamera Kochsalzlösung spritzten."

Was sagen Oma und Opa?

Sie selbst habe zwar nur Negativerfahrungen mit Jägermeister gemacht ("erst ging es mir gut, dann kippte es") und lasse seitdem die Finger davon. Dennoch sorgt sie sich, was Oma und Opa denken, wenn sie ihre Enkelin zugedröhnt und vergewaltigt im "Tatort" sehen. Ihr Großvater hat schon einen Wunsch für ihre nächste Rolle geäußert, gibt Elisa im "Stern" zu: "Elli, das nächste Mal spielst du bitte mal eine herzensfrohe Rolle."