Reise: Kopenhagen

Hip und hyggelig

Kopenhagen: Die Dänen sind das entspannteste Volk der Welt. Beim Besuch der skandinavischen Metropole bekommt man Ahnung, warum...

Der perfekte Urlaub beginnt in Kopenhagen am Nyhavn, auf der Promenade des schnuckeligsten Viertels der Stadt. An dem kleinen Kanal, der im 17. Jahrhundert zur Hafenerweiterung angelegt wurde, trifft sich ab Sonnenuntergang zwischen alten Holzkuttern und urigen Seemannskaschemmen alles, was hip und „hyggelig“ (dt. gelassen, gut drauf) ist. Von den kunterbunten, dicht aneinander gedrängten Häuschen bewohnte der einheimische Dichter Hans Christian Andersen gleich drei.

Hier nimmt es einen sofort gefangen, dieses unvergleichliche, unbeschwerte Flair der dänischen Metropole, in der die Königsfamilie residiert und sich eine Attraktion an die nächste reiht. Zum Beispiel Schloss Christiansborg, der Sitz des Parlaments. Oder das Staatliche Kunstmuseum, das neben seiner klassischen Sammlung wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Künstler zeigt. Und der Tivoli-Vergnügungspark, wo im Sommer zwischen Blumenbeeten und Springbrunnen Konzerte stattfinden und im Winter Schlittschuhläufer ihre Bahnen ziehen. Nach Einbruch der Dunkelheit, wenn die Fahrgeschäfte zu blinken beginnen und Feuerwerksraketen in den Himmel schießen, funkelt das Areal in allen Farben.

Kitschiger geht es kaum, aber auf ihren Rummel lassen die Kopenhagener, sonst von anspruchsvollen Star-Designern wie Poul Henningsen oder Arne Jacobsen auf eher schmucklose Ästhetik getrimmt, nichts kommen. Einen Steinwurf von der Hafen­promenade entfernt, wird es noch mal richtig romantisch. Im Hotel „71 Nyhavn“, einem umgebauten Speicher aus roten Back­steinen, mieteten sich früher Matrosen mit leichten Mädchen ein, heute können Liebespaare unter baumdicken Holzbalken kuscheln – mit Blick auf den Öresund, die Meerenge zwischen Dänemark und Schweden.  

Um in einem der besten Restaurants der Stadt zu speisen, muss man nur mit dem Aufzug nach unten fahren. Im Kellergewölbe des „Parhuskaelderen“ kommt frischer Fisch auf den Teller und der Koch, der ein bisschen wie Brad Pitt aussieht, persönlich an den Tisch. Die Flyvefisk-Fähre, die ganz in der Nähe ablegt, bringt Klassikfans nach dem Dinner zum Opernhaus gegenüber. Unter dem scheinbar schwebenden Dach des hochmodernen Baus aus Naturstein, Glas und Metall empfängt ein lichtdurchflutetes Foyer die Besucher.  Die überwältigende Panorama-Aussicht über den Hafen raubt einem den Atem, noch bevor die erste Arie ertönt. Wer keine drei bis vier Stunden stillsitzen will, geht ins „Vega“ (Enghavevej 40). Prince, Björk, DJ Aphex Twin – sie alle standen schon auf der Bühne des Live-Clubs. Und Robbie Williams feierte nach seinem Auftritt in der hauseigenen Lounge-Bar gleich bis zum Morgen durch.

Noch berühmter als für seine Clubs ist Kopenhagen für seine Jazz-Szene. Jedes Jahr im Juli findet das Jazzfestival (www.festival.jazz.dk) statt, bei dem internationale Stars neben Newcomern zehn Tage lang ihr Bestes geben. Ganzjährig erklingen Tubas und Saxofone im „Copenhagen Jazzhouse“ (Niels Hemmingsens Gade 10): Wenn nach den Konzerten die kleinen schwarzen Tische mit den roten Lämpchen beiseitegeräumt sind und Soul-, Funk- oder R ’n’ B-Scheiben aufgelegt werden, erobern die Tanzwütigen das Feld.

Ausgetobt? Dann kann man sich beruhigt zu einer Einkaufstour aufmachen. Mit etwas Glück begegnet man dabei dem ein oder anderen Star. Paris Hilton, die in Kopenhagen ihre Handtaschen-Kollektion für das dänische Label PH Europe präsentierte, bummelte anschließend mit ihrem Freund Benji Madden durch die Fußgängerstraße Strøget. Auch Lenny Kravitz wurde schon hier gesichtet. Europas längste autofreie Einkaufsmeile schlängelt sich kilometerlang durch die Innenstadt – vorbei an edlen ­Designergeschäften und flippigen Boutiquen.

Die neueste Mode ist gut, aber es gibt noch etwas Besseres: ein ordentliches Smørrebrød! Das berühmte dänische Butterbrot wird mit allem belegt, was Land und Meer kulinarisch hergeben: mit Entenleberpastete, Kaisergarnelen, Hummerfilets … „Ida Davidsen“ in der Store Kongensgade hat 250 (!) Schnittchen-Varianten im Angebot. Wer sich nach dem Essen außerstande sieht, weiterzuspazieren, kann sich an einer der 125 Stationen ein knallrotes „City Bike“ leihen – zum Nulltarif. Man wirft eine 20-Kronen-Münze als Pfand ein, entsichert das Rad und bekommt sein Geld bei Rückgabe wieder. Für eine Tour zum Louisiana Museum of Modern Art im angren­zenden Humlebæk sollte man aber doch lieber die U-Bahn nehmen – zumal die Statio­nen aus Glas, Stahl und Beton so futuristisch anmuten, dass man sich ins Jahr 2050 versetzt fühlt. Die Fahrt entlang der Küstenstraße Strandvej ist ein optischer Hochgenuss. Genau wie das Museum selbst, das sich in mehreren Komplexen und Parkflächen bis hinunter an den Strand zieht – und die Werke bedeutender Nachkriegskünstler zeigt.

Der Geist der Boheme weht im Freistaat Christiana. Das 1971 von Hippies besetzte Gelände wurde nie geräumt und genießt Kultstatus. Promis wie Helena Christensen outen sich mit „Bevar Christiania“-Shirts als Unterstützer des schrägen Kleinststaats. Vor Kurzem verfasste das Topmodel, gebürtige Kopenhagenerin, einen offenen Brief an Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen. Ihre Forderung: Die Dänen sollen sich für das bedrohte Hippie-Paradies stark machen und einmal mehr beweisen, wie tolerant und weltoffen sie sind.

Claudia Thesenfitz

OK! Travel Tipps:  

Hotels

Für Langzeit-Touristen geeignet: Die mit gemütlichen dänischen Möbeln eingerichteten Zimmer im 9 Små Hjem, auf Deutsch: „neun kleine Zuhause“ (DZ mit Frühstück ab 93 Euro, www.9smaahjem.dk), haben Zugang zu Gemeinschaftsküche, Wasch­maschine und Wäschetrockner und wirken mit Essküche und großem Wohnraum teilweise wie Ferienapartments. Ungleich romantischer wohnt man im 71 Nyhavn Hotel am alten Nyhavn (DZ ab 160 Euro, www.71nyhavnhotel.com). Für frisch Verliebte gibt es ein ganz besonderes Ange­bot: ein Wochen­ende (2 Nächte im DZ ab 470 Euro) mit stilvollem Ambien­te, Candlelight-Dinner und Champagner.

Snacks & Dinner

Ausschließlich nordische Zutaten verarbeitet das Noma (Strandgade 93, www.noma.dk): Hummer von den Färöer-Inseln, Wildlamm aus Island, schwarzer Heilbutt aus Grönland. All das wird fast täglich frisch geliefert und von den Küchenchefs auf traditionelle Weise gepökelt, geräuchert, eingelegt oder getrocknet – und zu Getreide- und Gemüsegerichten serviert. In dem hellen, modernen Kellerlokal Delicatessen (Vesterbrogade 120) wird alles von A(ioli) bis Z(abaione) handgemacht. Im Barcelona (Fælledvej 21) hilft der DJ nach dem Essen im Lounge-Bereich, Kalorien abzutanzen. Und im Café Sommersko
(Kronprinsensgade 6, www.sommersko.dk) gibt’s leckere Cookies und Sandwiches im französisch inspirierten Bistro-Ambiente mit roten Ledersofas.

kunst & shopping

Aus vier baugleichen Rokoko-Palästen besteht Schloss Amalienborg. Und wenn man Glück hat, winkt beim Besuch vom Südost-Balkon Königin Margrethe II. herab. Im Nachbarflügel residiert Kronprinz Frederik mit der stets perfekt
gestylten Mary. Anders anregend ist das Museum Erotica (Kobmagergarde
24, www.museumerotica.dk) mit seinen erotischen Exponaten von der Antike bis zur Gegenwart, in dem auch Liebesszenen nachgestellt werden. Beim Stöbern auf dem samstäglichen Flohmarkt am Israels Plads findet man schönen Kitsch oder Antiquitäten wie ­Porzellan der königlich-­dänischen Manufaktur. Und im Designer Zoo (www.dzoo.dk) gibt’s tolle Mitbringsel – Keramik, ausgefallenen Schmuck, duftende Kerzen – von dänischen Designern. 

Tipps der Online-Redaktion:

Übernachtung

Opern-Arrangement: Die netten Damen von www.culturekick.dk sorgen nicht nur für die Hotelübernachtung und erstklassige, sonst oft schon Jahre im Voraus ausgebuchte Opern-Sitzplätze, sondern auch für die Flyvefisk-Fähre, die Gäste vom Hotel abholt und auf dem Wasserweg direkt zum Opernhaus bringt.

Restaurant

Barcelona: In diesem Restaurant im Studentenviertel Norrebro wird zuerst geschlemmt und danach zu DJ-Musik im Loungebereich gechillt.
Faelledvej 21, www.restaurantbarcelona.dk

Feiern

Ideal Bar: Gleich neben der Konzertbühne im Veranstaltungszentrum Vega können Nachtschwärmer in der Ideal Bar Poetry Slams lauschen.
Enghavevey 40.

Anschauen & Unternehmen

Schloss Amalienborg: Vom Südost-Balkon der insgesamt vier baugleichen Rokoko-Palais winkt die kettenrauchende Königin Margarete II. gelegentlich ihrem Volk zu. Im Nachbar-Flügel residiert Kronprinz Frederik mit seiner Familie. Gegen Eintritt kann das Museum im Erdgeschloss besichtigt werden.
Amaliengade/Amalienborg Plads, www.rosenborgslot.dk

Amagener Strandpark: Die Insel Sjelland, auf der Kopenhagen liegt, bietet zahlreiche Strände, an denen man baden, surfen und fischen kann. Bequem aus der City mit dem Fahrrad zu erreichen ist der fünf Kilometer lange Amagener Strandpark.

Museum Erotica

Auf über 1000 Quadratmetern werden Exponate von der Antike bis zur Gegenwart gezeigt, Filme vorgeführt und nachgebaute Schlafzimmer- und Liebesszenen dargestellt. Købmagergade 24, www.museumerotica.dk