Reise: Südafrika

Land der 1000 Möglichkeiten

Südafrika: Kaum ein Fleckchen dieser Erde ist so vielfältig. Eine Rundreise durch das fazinierende Land birgt unvergessliche Erlebnisse.

Gemütlich reiten wir über das Gelände und genießen die Morgensonne, als wir eine Herde Gnus entdecken. Ein absoluter Glücksfall! Abrupt bleiben wir stehen, lauschen und pirschen uns langsam heran, Schritt für Schritt. Wir stoppen immer wieder, holen unsere Fotoapparate hervor und halten gespannt die Luft an. Das Herz rast. Denn diese Herde ist nicht nur wunderschön, sondern flößt einem auch gewaltigen Respekt ein. Zum Glück haben wir fachkundige Begleitung bei unserer Reitsafari. Wir schaffen es sehr nah heran, bis die Büffel Gefahr wittern und davonrennen. Wir mittendrin, die Erde bebt. Ein Wahnsinnsgefühl!

Für unsere Reise durch Süd­afrika haben wir uns als Ausgangspunkt Pongola ausgesucht, eine Kleinstadt, vier Autostunden von Durban, in der Provinz KwaZulu-Natal. Gut 15 Kilometer entfernt hat Isabella Stepski das idyllische „Pakamisa Paradise“-Reservat aufgebaut. Die Österreicherin fackelte nicht lange, als sie das Gebiet 1996 bei einer Reise entdeckte, und spezialisierte sich auf Reitsafaris. Spätestens, wenn man den Hausberg erklimmt und auf die Hochebene hinunterschaut, kann man ihre Begeisterung vollends verstehen. Bei einem traditionellen afrikanischen „Sundowner“ (man sitzt bei einem Drink zusammen und genießt den Sonnenuntergang) fühlen wir uns buchstäb­lich wie im Himmel.

Die Sonne geht zu dieser Jahreszeit in Südafrika bereits gegen 17.30 Uhr unter, danach wird es empfindlich kalt. Während der Himmel sich glutrot färbt, das Lagerfeuer prasselt und wir ein Glas Wein trinken, halten wir inne. Wir können uns kaum satt sehen an den nicht enden wollenden Zuckerrohrfeldern, mit denen ein Großteil der Bevölkerung von Pongola seinen Lebensunterhalt bestreitet. Isabella Stepski hat hier ein Paradies erschaffen. 1 200 Tiere leben in dem Areal, darunter ein Gepard und 27 Giraffen. Mit erfahrenen Guides kann man das Reservat auf einer Jeep-Safari, auf einer Wanderung oder eben auf dem Rücken eines der 27 Pferde erkunden. Wer es ruhiger an­gehen lassen möchte, kann sich im Bogenschießen probieren oder im hauseigenen Pool planschen.

Von Pakamisa aus geht es Richtung Westen zur Thonga Beach Lodge in
Mabibi. Vom Landesinneren zur Ostküste, von der kühlen 750 Meter hohen Berglandschaft zum warmen Indischen Ozean. Wir halten uns aber gar nicht lange auf den Zimmern auf, sondern steuern direkt den Strand an und werfen uns in die Fluten. Die angrenzenden natürlichen Felsenpools mit ihrem glasklaren Wasser sind ein Traum, nicht nur für Schnorchler und Taucher. Das Versprechen der Lodge-Besitzer, dass hier jeglicher Ballast von einem abfalle, wird augenblicklich wahr. Es gibt kein Fernsehen, keine Musik, keinen Handy-Empfang. Erstaunlich, wie schnell man vergisst, dass man zu Hause keinen Tag ohne dieses „Trio“ verbringt.

Mit dem Einheimischem Eugene machen wir uns im Jeep auf zum nahe gelegenen Lake Sibaya, dem größten Süßwassersee im Süden Afrikas. 18 verschiedene Fischarten leben darin und etwa 300 Krokodile. Wir hoffen indes, ein paar der 180 Nilpferde zu sehen. Eugene kennt die Gegend wie seine Westentasche. Der Weg ist, typisch für Afrika, sehr holprig. Wir müssen uns gut festhalten, manchmal geht es gar durch den See. Wir haben erneut Glück und sehen aus der Nähe eine Nilpferdmama mit ihrem Kleinen. Unbeschreiblich schön, aber auch riskant, denn Nilpferde sind die kraftvollsten und daher gefährlichsten Tiere Afrikas. Wir genießen die Stille und später am Ufer des Sees wieder einen atemberaubenden Sonnenuntergang. Nirgendwo sieht man eine derartige Farbenvielfalt wie in Südafrika – nicht nur, wenn der Tag weicht.

Am Morgen wartet schon das nächste Abenteuer auf uns. Unser Ziel ist die Kosi Forest Lodge. Auf dem Weg zur weiter nördlich gelegenen Kosi Bay geht es vorbei an endlosen Eukalyptuswäldern. Alle sieben Jahre werden die riesigen Bäume geschnitten und zu Papier verarbeitet – ein großer Wirtschaftszweig in Südafrika, ebenso wie die Ernte von Cashewnüssen. Wir passieren afrikanische Dörfer, bestehend aus kleinen runden Holzhütten, und landestypische Kleinstädte. Dort gibt es Barbershops und Minigeschäfte, die meisten Händler jedoch bieten ihre Waren, Kleidung oder Früchte direkt auf der Straße an. Angekommen an der Lodge, zeigt sich uns wieder eine ganz andere Seite Afrikas. Wir wohnen in luxu­riösen Zelten, allerdings ohne Elektrizität. Petroleumlampen spenden Licht, die Dusche befindet sich draußen unter Bäumen. Während wir uns eine Erfrischung gönnen, hören wir in der Ferne Nilpferde röhren. Nachts zuckt gelegentlich einer von uns zusammen, wenn ein Affe über das Zeltdach klettert. Tagsüber entscheiden wir uns zunächst für eine Tour durch den Raffia Palm Forest, wo man an jeder Ecke etwas Neues entdeckt. Unsere Begleiter erklären uns, welche Pflanze den Medizinmännern wozu dient und welchen Baum wir besser nicht anfassen. Danach schippern wir in Kanus über eine der vielen Mündungen des Sihadla-Kanals. Wir wissen gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollen: zu den vielen Vogelarten, den Echsen oder den exotischen Pflanzen. Morgens, wenn sich die Blüten der unzähligen Seerosen öffnen, ist es, als gleite man durch ein Blumenmeer. Einen Garten Eden, den man nie mehr verlassen möchte.

Doch die Neugier treibt uns weiter. Letzte Etappe: Kapstadt! Die pulsierende Metropole, die alles hat, was Urlauber begehren. Eine traditionelle Amüsiermeile namens „Long Street“ mit Antiquitäten-, Kunsthandwerk-, Bücher- und Musikläden, Galerien, Boutiquen, Restaurants, Bars und Clubs. Sight­seeing-Highlights wie den Tafelberg mit atemberaubendem Ausblick über die Stadt oder die „Victoria und Alfred Waterfront“ am Hafen zum Shoppen, Schlemmen, Staunen. Weiße Strände, wunderschöne Hotels. Im „12 Apostels“ leisten wir uns eine Massage im renommierten Wellnessbereich und fallen in das berühmte „Kap Koma“, wie augenzwinkernd die relaxte und sympathische Lebenseinstellung der Einheimischen genannt wird. Entsprechend gut gelaunt brechen wir zum Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Südafrikas auf, bevor der Rückflug ansteht. Der Anblick der Klippen, die sich halsbrecherisch ins Meer stürzen, entschädigt für den heftigen Wind. Nur so viel: Wir kommen wieder! Denn wer einmal in Südafrika war, wird immer die Sehnsucht nach diesem atemberaubenden Land im Herzen tragen.

Tanja Fritzensmeier

OK! Travel Tipps: 

Hotels & Restaurants

Zur Gruppe der „Isibindi African Lodges“ gehören auch die Kosi Forest Lodge und die Thonga Beach Lodge. Dort weht direkt am Indischen Ozean ein Hauch von Karibik. Man wohnt in romantischen Holzhütten mitten im Grünen (170 Euro pro Person/Nacht, inklu­sive Vollpension und Aus­flügen). In Kosi sind die Zelte rustikaler, aber nicht weniger luxuriös (125 Euro pro Person/Nacht, inklusive Vollpension und Ausflügen). Die Lodges können auch im Paket gebucht werden – ebenso wie ein Ausflug zum Krüger Nationalpark. Mehr Infos unter www.isibindi
africa.co.za.

Im Landesinneren nahe Pongola liegt die Lodge
Pakamisa Paradise. In den kleinen Bungalows mit luxuriösem Bad kann man
zusätzlich eine der besten Küchen des Landes genießen (140 Euro, pro Person/Nacht, inkl. 2 Ausflügen, www.pakamisa.co.za).

Das Hotel The Twelve Apostels in Kapstadt verspricht Luxus der Extraklasse. Die Zimmer und Suiten sind im klassisch-eleganten Kolonialstil gehalten. Feinste afrikanische und europäische Küche wird im „Azure Restaurant“ oder im Café geboten. Außerdem verfügt das Hotel über ein kleines Kino und einen preisgekrönten Wellnessbereich (DZ ab 290 Euro/Nacht).

Wer den Geldbeutel schonen will, steigt am besten in einem Bed & Breakfast wie dem Parker Cottage in Tamboerskloof (DZ ab 45 Euro) ab. Für das leibliche Wohl am Abend bietet sich das Nyoni’s Kraal in der Long Street an. Hier werden typisch afrikanische Gerichte serviert, etwa Springbok-Carpaccio oder Curry nach Cape-Malay-Art.

Kultur & Ausflüge

Der Besuch eines typischen Zuludorfs in der Provinz KwaZulu-Natal ist Pflicht. In Thonga Beach unbedingt an der Ocean Experience teilnehmen. Mit einem
Boot geht es rauf aufs Meer, wo Korallenriffe, Delfine und mit viel Glück von Juni bis November sogar Wale zu sehen sind. Wer zur Kosi Forest Lodge aufbricht, sollte auf jeden Fall an der Rocktail Bay stoppen. An dem wunderschönen Küstenabschnitt kann man die Brutzeit der fas­zinierenden Meeresschildkröten erleben. In Kapstadt ist eine Tour entlang der Constantia-Weinroute – 
inklusive Besuch von fünf Weingütern – zu empfehlen. Hier erfährt man nicht nur viel über Weine, sondern auch viel über die Geschichte der Stadt. 

Tipps der Online-Redaktion:

Auf jeden Fall sollte man in Kapstadt an der Victoria & Alfred Waterfront entlang bummeln und Fish & Chips essen und mit dem TablMountain Cable Car den Tafelberg hinauf fahren. Dort kann man super Mittagessen mit einen unglaublichen Blick über Kapstadt

Ein Ausflug nach Durban ist alle mal einen Ausflug wert, am Hafen ist immer was los und die endlosen Sandstrände laden auch zum Surfen im Indischen Ozean ein. Hier machen auch viele Südafrikaner Urlaub

In Kwa-Zulu Natal sollte man unbedingt einen der vielen Wildparks besuchen, der Greater St. Lucia Wetland Park gehört sogar zum Weltnaturerbe ebenso wie der uKhahlamba-Drakensberg Park