Märchenhafte Ostseeküste

Ein unvergessliches Erlebnis

Märchenhafte Ostseeküste: Warum in die Ferne schweifen? Mecklenburg-Vorpommern entwickelt sich immer mehr zum begehrten Reiseziel. Nicht nur für Wellness-Fans, die spontane Erholung suchen - jetzt im goldenen Spätherbst.

Die Einheimischen nennen die mecklenburgische Ostseeküste liebevoll Märchenwald. Weil sie, vor allem im Herbst, etwas Mystisches an sich hat – wenn der Nebel zwischen den knorrigen alten Buchen aufsteigt und die untergehende Sonne den weißen Sandstrand rot färbt. Wer hier einmal zu  dieser Jahreszeit Urlaub gemacht hat, bestätigt: „Es ist wirklich wie im Märchen. Diese Ruhe und Einsamkeit … Der Alltag ist weit weg. Und alle negativen Gedanken auch.“

Mittelpunkt ist Heiligendamm, das älteste und feinste Seebad Deutschlands. Schon in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts war es internationaler Treffpunkt der Adels-, Wirtschafts- und Kunstszene. Nur zu vergleichen mit Deauville in Frankreich, ­Knokke in Belgien und den Hamptons bei New York. Nach langem Dorn­röschenschlaf ist „die weiße Stadt am Meer“ 2004 wieder erwacht. Vergangenes Jahr wurde sie durch den G8-Gipfel weltberühmt, der im „Kempinski Grand Hotel“ abge­halten wurde – und zu dem die Staats- und Regierungschefs der acht großen Industrienationen anreisten, dazu Presse und Prominenz. Doch jetzt, im Spätherbst und Winter, lockt die Nobel­herberge mit Sonder­konditionen, die auch für den Normal­bürger erschwinglich sind.

Schon beim ersten Schnuppern der ­klaren, salzigen Meeresluft versteht man, was Besucher meinen, wenn sie von der „Erholung mit jedem Atemzug“ schwärmen. Die kann man am besten bei einem Spaziergang an einem der ausgedehnten Strände erleben. Ein Paradies für Bernsteinsammler, in dem das Gold des Meeres – vor allem nach einer stürmischen Nacht – zuhauf angespült wird. Doch gelegentlich sollte man den Blick vom Boden in die Ferne richten. Da erstrecken sich imposante Steilküsten, die mit Fichten und Buchen bewachsen sind. Eine Augenweide!
Vom Wasser aus kann man die idyllische Landschaft fast noch besser entdecken. In Sassnitz auf Rügen werden das ganze Jahr über Schiffsausflüge angeboten. Mit etwas Glück hat man dabei ein Mecklenburger Original als Kapitän. Der begrüßt auf Plattdeutsch die hübschen „Deerns“ (Mädchen) auf seinem „Schipp“ (Schiff) und „vertellt“ (erzählt), wo man typische Spezialitäten der Region kosten kann. Zum Beispiel Grünkohl mit süßen „Tüften“ (Kartoffeln). Der steht in dieser Jahreszeit in den rustikalen Gasthöfen auf nahezu jeder Speisekarte. Wer es nicht ganz so bodenständig mag, findet in Stralsund etliche Bars und schicke Lokale wie die „Cocktailbar Atlantis“ oder das edle „Fischermann’s Restaurant“, das direkt am Hafen liegt.

In der Nacht erlischt der Zauber der Städte, in denen früh Ruhe einkehrt. Dafür präsentiert sich am (nächsten) Tag wieder eine ­Kulisse wie aus „Alice im Wunderland“. In Wismar reihen sich kunterbunte Fischerhäuschen aneinander, und winzige Jollen schaukeln wie Nussschalen im Wasser. Doch auch Skurriles gibt es: Auf einer der Brücken, die über den Kanal „Frische Grube“ führt, wurde krumm und schief ein Fachwerkhaus errichtet.
Bei all den Eindrücken darf eins nicht fehlen: das Ver­wöhnprogramm! Die Natur in Mecklenburg-Vorpommern ist voller Schätze: Nach einem Besuch im Moorbad von Bad Doberan fühlt man sich wie neugeboren. Wohltuende Packungen für den Körper werden aus Heilkreide hergestellt, die sich in den Felsen von Rügen findet. Und man genießt noch heute…

Wendelin Gabrysch

OK! Travel Tipps:  

Hotels

Das Kempinski Grand Hotel Heiligendamm liegt direkt am Ostseestrand und gehört zu den luxuriösesten deutschen Herbergen. Es ist berühmt für seine Wellness- und Fitnessangebote. Eine Stunde beim Yoga-Guru Vijay Vyas, den auch schon die Frau von Bill Gates aufgesucht hat, kostet 95 Euro. Frühbucher-Angebot: fünf Übernachtungen inkl. täglichem Candlelight-Dinner, Pool und Sauna für 495 Euro, sonst EZ ab 185 Euro (www.kempinski-heiligendamm.com). Das Haus Kühlung in Kühlungsborn (nur drei Minuten Fußweg zum Strand!) bietet liebevoll ausgestattete Ferienwohnungen an (2 Zimmer, 40 Euro/Tag, www.fewo-kuehlungsborn-strandnah.de). In einer schönen Jugendstilvilla mit imposanten Erkern und romantischem Turmzimmer befindet sich das Hotel Sommer in Bad Doberan. Schnäppchen: Zwei Personen zahlen für das Doppelzimmer 60 Euro pro Nacht, inkl. Frühstück (www.hotel-villa-sommer.de).

Restaurants

Der Fischereihof Detlefsen in Hütten bei Rostock ist von jahrhundertealten Fischteichen umgeben. Der Fisch ist hier garantiert fangfrisch. Im Shop gibt es Räucherfisch aus hauseigenen Öfen, aber auch delikaten Schinken, der über offenem Feuer von edlem Erlen­holz reift (www.fischereihof.de). Im Restaurant Zum Weißen Schwan in Bad Doberan (www.zumweissenschwan.de) fühlt man sich wie im Paradies. Die Wände sind in Zartrosa gehalten, die Lederstühle weich gepolstert. Auf der Karte stehen leckere Speisen wie Zanderklops an Kapernsoße (10,50 Euro), Jakobs­muscheln auf Fenchel-Safran-Salat (12,50 Euro) oder Lammkarree mit grünen Bohnen (22,50 Euro).

Kultur-Tipps

Vier Kilometer südlich von Bad Doberan befindet sich die Glashütte Glashagen. In dem Künstlerstudio entstehen Schalen, Flaschen, Vasen und Trinkgläser. Montag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr kann man bei der Produktion zugu-
cken und in der Galerie günstig einkaufen (www.glas-hagen-huette.de). Im
Denkmalhof Retschow, acht Kilometer süd­lich von Bad Doberan, haben Besucher Einblick in das Leben der Bauern im 18. Jahrhundert. Alle Räume sind original eingerichtet – inklusive antiker Schlitten und Dreschmaschinen. Eine Holzwerkstatt und Schmiede sind ebenfalls noch erhalten (www.retschow.de). 

Tipps der Online-Redaktion:

Restaurants:

Das Gourmetrestaurant „Friedrich Franz“ gehört zum Kempinski Grand Hotel in Heiligendamm. Dort führt Sternekoch Tillmann Hahn die Regie. Er kocht ausschließlich mit Bio- und Öko-Lebensmitteln.

To`n Zägenkrog (Zum Ziegenkrug) in Wismar. Ein traditionelles Fischrestaurant in Wismar

Hotels

Friedrich-Franz-Palais - Bad Doberan, in einem 200 Jahre alten Herrenhaus, 6 Kilometer vom Strand in Heiligendamm entfernt. Zimmer ab 60 Euro pro Nacht.