Miami Beach - Hier feiern die Promis

Boulevard der Eitelkeiten

Miami Beach - Aum dem legendären Ocean Drive treffen sich seit Jahrzehnten die Reichen und Schönen. Doch Miami Beach hat mehr zu bieten. OK! brauchte nur ein paar Straßen weiter.

Den Privatjet lässt er jetzt stehen. Wegen der Finanzkrise. Doch deshalb gleich das Feiern lassen? Nicht, wenn man Sean „P. Diddy“ Combs heißt. Dann setzt er sich mit seiner Entourage eben in einen herkömmlichen Flieger und jettet dorthin, wo die Nächte zum Tag gemacht werden: nach Mia­mi Beach. Dort trifft er dann Naomi Campbell und feiert mit ihr im angesagten Club „Space“. So ausgelassen, dass die US-Presse aus beiden am nächsten Tag sofort ein Paar macht …

Die meisten Menschen kennen SoBe (South Beach), wie die Einheimischen liebevoll den Stadtteil von Miami Beach getauft haben, als Kulisse von „Miami Vice“. In der US-Serie aus den 80ern wimmelte es in der Stadt nur so von Drogendealern und korrupten Polizisten. Doch diese Zeiten sind vorbei. Genauso wie der große Umzug vieler Stars aus Kalifornien in das „Holly­wood der Ostküste“. Miami Beach hat sich neu erfunden.  

Statt Stars und Sternchen regiert heute in Floridas Hauptstadt die (bildende) Kunst. Die Art Basel Miami Beach (ABMB) – die zweitwichtigste Kunstmesse der Welt – ist das Aushängeschild dieses Sinneswandels. Dinner-, Preview-, Skylounge-, Pool-, Rooftop- oder Chill-out-Partys – wenn die Kunstbranche sich trifft, wird Miami Beach seinem Ruf als ultimative Feier-Hochburg mehr als gerecht. Brodelndes Zentrum dieses bunten Treibens ist neben SoBe der Design District, etwas nördlich von Downtown. Vormals als „Dealer District“ verschrien, beherrschen heute Designer und Kunsthandlungen die Szenerie und bitten hier regelmäßig zu Kanapees und Champagner. Zeitenwechsel hin oder her – Miamis Stadtväter wachen dennoch sorgsam über so manches Erbe der Vergangenheit: die blitzblanken Art-déco-Fassaden – sie strahlen stolz in  pastelligen ­Bonbonfarben – und der Strand, er ist immer noch schön, lang und schneeweiß. Dazu die Lincoln Road, seit Jahrzehnten Mia­mis Flaniermeile Nummer eins, und natürlich das berühmte „News Café“ am Ocean Drive, das gerade seinen 20. Geburtstag feierte. Urlaub in Miami Beach ist noch heute das, was es immer war: die Quersumme aus Strandleben und Nightlife.

Dabei ist Beach nicht gleich Beach. An der Collins Avenue zwischen 16. und 20. Straße besetzt ein eher besser betuchtes Volk die Bade­laken. Schließlich befindet sich der Strand hier direkt vor dem „Delano“, dem „National“ und dem „Shore Club“, allesamt besonders exklusive Art-déco-Hotels. Jüngste Bastion in dieser Aneinanderreihung des schönen Wohnens ist das elegante „Ritz Carlton“. Hier gönnt man sich ganz mondän die Dienste eines sogenannten „Tanning Butler“ – ein in knappe Shorts gehülltes Muskelpaket, das Sonnencreme auf der Haut blasser Nachtschwärmer verteilt. Im Strand­abschnitt zwischen 2. und 3. Straße sonnt sich ein fröhliches Durcheinander aus Einheimischen, Touristen, Models, und Surfern … Sehr amüsant: Letztere dümpeln oft stundenlang im badewannenwarmen Wasser, um irgendwann triumphierend eine Welle abzureiten, die nicht höher als 50 Zentimeter ist. Miami Beach ist viel, nur ein Surfparadies ist es nicht. Nach dem Sonnen geht’s dann auf die Lincoln Road, genauer gesagt ins „Segafredo“.

Eigentlich nicht viel mehr als ein Drunter und Drüber von Stühlen – doch genau hier macht die Karawane der Schönen halt, genießt die großzügig ausgeschenkten Cuba Libres und blickt gelassen auf die bunten Menschenmassen, die links und rechts vorbeiziehen. An Samstagnachmittagen ist auch der Strandclub „Nikki Beach“ eine gute Adresse. Sonntags geht man dann gern ins „The Raleigh“ und aalt sich bei Mojitos am schönsten Art-déco-Schwimmbecken der Stadt. Oder aber man pilgert in die ultimative Hochburg von Stil und Luxus: das „Setai“. Lenny Kravitz hat in diesem Hotel sogar ein eigenes Tonstudio, Jay Z und ­Beyoncé sind Dauergäste im angeschlossenen Restaurant …

Miami Beach lohnt sich. Für Neuankömmlinge sowieso, denn reichhal­tiger kann ein Angebot an Strand, Sport und Nachtleben mit Schönwettergarantie kaum sein. Genauso aber für diejenigen, die es von früher her kennen und überrascht sind, mit welcher Gelassenheit ­Miami Beach den Wandel nicht nur ­erträgt, ­sondern auch in die richtigen Richtungen vorantreibt.

Jens Fritzenwalder

OK! Travel Tipps:

… Schlafen

Der Hotelklassiker mit dem wohl ele­gantesten Pool ist The Raleigh Hotel (DZ ab 200 Euro, www.raleighhotel.com). Unbedingt vorbeischauen, wenn auch nur auf einen Drink, sollten Sie im The Setai (DZ ab 800 Euro, www.setai.com). Ebenfalls sehr angesagt, aber um einiges günstiger: The Standard (DZ ab 150 Euro, www.standardhotels.com). Cheap-Chic erwünscht? Wir empfehlen das Aqua (DZ ab 75 Euro, www.aqua
miami.com): Im Minipool dümpeln Nachwuchsmodels, im lauschigen Innenhof dösen junge Individualtouristen. Die Zimmer sind eher kleine Apartments.

… Essen

Derzeit einer der hellsten Fixsterne am Gastrohimmel: das Prime 112
(112 Ocean Drive). Die üppigen Fleisch­gerichte geraten fast zur Nebensache, wenn sich die Promis die Klinke in die Hand geben. Kulinarischer Evergreen am Ocean Drive ist das News Café (800 Ocean Drive). Wenigstens einmal hier zu sitzen ist ein Muss: Das Essen ist einfach, die Bedienung (manchmal) kompliziert, aber der Blick auf die vor­beiflanierenden Massen sensationell. Groß essen für ganz kleines Geld?†ˆNirgends geht das besser als bei Oliver’s (959 West Avenue). Und im Tiramesu (721 Lincoln Road) gibt es schnörkellos inszenierte, flink servierte italienische Köstlichkeiten. Ganz abgesehen von der erstklassigen Location.

… Einkaufen

Seit 40 Jahren eine Institution: Die Bal Harbour Shops (9700 Collins Avenue) – eine Mini-Luxus-Mall für Frauen mit Kreditkarten in den Farben Gold und Platin. In dieser Open-Air-Einkaufsoase finden sich neben den einschlägigen Labels wie Hermès, Gucci und Marc Jacobs auch diverse Restaurants. Das Base (939 Lincoln Road) dagegen ist ein quirliger Concept-Store mit allem, was zum South-Beach-Lifestyle gehört: Klamotten, Sonnenbrillen, Schmuck, Magazine sowie ausgewählte CDs mit Lounge-Sound. Auf der Suche nach dem perfekten Vintage-Look?†ˆOder nur nach einem Kostüm für die Silvesterparty? Im Recycled Blues (1507 Washington Avenue) finden Sie Retro-Textilien-Schätze für wenig Geld.

… Ausgehen

Zwischen der Mynt Lounge (1921 Collins Avenue) und dem hoffnungs­frohen Gast steht eine Horde gestrenger Türsteher. Schafft er es an ihr vorbei, gehört er genauso dazu wie Boris Becker …

… Silvester feiern

Zum Jahreswechsel locken die angesagtesten Clubs der Stadt mit glamourösen Partys und hochkarätigen Gästen: So hat sich z. B. für die Silvester­party im Mansion (1235 Washington Avenue) Lindsay Lohan samt ihrer DJ-Freundin Samantha Ronson angesagt. P. Diddy lässt in diesem Jahr selbiges im Nachtclub Liv im Nobelhotel Fontainebleau (4441 Collins Avenue) enden. Und Nicky Hiltons Miami-Dependance ihrer Beachclubs Nikki Beach (1 Ocean Drive) lädt ebenfalls zur großen Jahres­abschlusssause. Genauso wie das Set (320 Lincoln Road) – wo man eine „very sexy“ Party verspricht. Mangels Tanzboden wird im dort ohnehin schon immer auf den Tischen getanzt …

Tipp der Online-Redaktion:

Schön sind in Miami viele, aber sie tun (meistens) auch viel dafür. Wenn Sie auch ein bisschen was für Teint & Co. tun wollen, sind Sie in Brownes & Co.Apothecary (841 Lincoln Road) bestens aufgehoben: Neben betörenden Düften, findet sich hier Exklusivstes aus dem großen Kosmos feinster Kosmetik-Produkte.

Praktischerweise gehört zum stilvoll eingerichteten Shop gleich noch die  Browne's Beauty Lounge, wo die kosmetischen Kostbarkeiten hautnahe Verwendung erfahren.