Arlberg - Österreichs schönstes Skiparadies

Für Bretter, die die Welt bedeuten

Arlberg - Der Berg ruft! Österreichs schönstes Skifahrerparadies lockt mit Pisten, Pulverschnee und Partys, die selbst den coolsten Promi auftauen lassen.

Neulich war Ernst August wieder mal da. Ohne seine Prinzessin – Caroline weilte in New York. Dennoch amüsierte sich der Prinz fürstlich. Morgens um halb sechs war er einer der Letzten, der die Party zum 20-jährigen Jubiläum der „Hospiz Alm“ in Richtung des gegenüberliegenden „Arlberg Hospiz Hotel“ verließ. Hier nächtigen auch regelmäßig die Mitglieder der meisten europäischen Königshäuser, allen voran Juan Carlos von Spanien und Kronprinz Felipe.

Das hat nicht nur damit zu tun, dass die legere Luxusherberge zu den besten im Alpenraum gehört: 1901 wurde dort auch einer der ersten Skiclubs gegründet und vor über 600 Jahren die „Bruderschaft St. Christoph“, die größte karitative Organisation der Welt. Sie unterstützt jedes Jahr mit über 800 000 Euro unverschuldet in Not geratene Familien mit Kindern und hat mittlerweile über 17 000 Mitglieder. Darunter jede Menge Prominenz, der die Mitgliedschaft im Hospiz angetragen wird. „Den wahren Arlberg-Fan“, lächelt Hotelchef Florian Werner, „erkennt man an den Anstecknadeln des Skiclubs Arlberg und der Bruderschaft.“
Weltweit ist der Arlberg ein Synonym geworden. Für eines der schönsten und facettenreichsten Skigebiete. Und für „die Wiege des Skisports“.

Dabei gibt es ihn streng genommen gar nicht, den Arlberg. Gemeint ist die Passstraße, welche die österreichischen Bundesländer Tirol und Vorarlberg miteinander verbindet: St. Anton und St. Christoph auf der einen, Zürs und Lech auf der anderen Seite. Wir bleiben in Tirol, und dies nicht nur, weil ein gewisser Hannes Schneider 1907 in St. Anton den ersten Skiunterricht gab und die berühmte „Arlbergschule“ gründete. Auch nicht, weil die Galzigbahn 1937 die erste Winterseilbahn der Alpen war oder Karl Schranz, jüngst 70 geworden, als mehrfacher Weltmeister und Olympiasieger eine lebende Skilegende ist. Eher, weil St. Anton und St. Christoph ohne Luxusshopping und Schickimicki auskommen und geblieben sind, was sie immer waren– ein Paradies für Skifahrer.

Jeden Winter fallen sie in Scharen ein, aus Australien, Neuseeland, Nordeuropa. Arbeiten als Hilfskräfte in Hotels und Gaststätten und haben in ihrer Freizeit nur eins im Sinn – die ersten im Tiefschnee zu sein. „Skibumps“ nennen sich die jungen Wilden, die St. Anton kurzerhand „Stanton“ getauft haben. Klingt irgendwie lässiger auf Englisch. Morgens gehört ihnen die erste Fahrt auf die umliegenden Gipfel von Valluga, Kapall, Gampen, oder Albona. Aber was macht das schon bei 180 Kilometern Tiefschneeabfahrten im gesamten Skigebiet, denen über 280 Pistenkilometer ­gegenüberstehen? Da bleibt für alle genügend Pulver übrig, und wer einmal bis zur Hüfte in Schöngrabern, Maroi oder Mattun in weiße Watte gepackt war, der träumt ein ganzes Skifahrerleben davon. Da werden St. Anton und der Arlberg dem Ruf als sogenanntes „Schneeloch“, in dem im Winter durchschnittlich sieben Meter der weißen Pracht vom Himmel fallen, mehr als gerecht.

Das Schöne an St. Anton ist, dass dort wirklich jeder sein Bretterglück findet. Wer im Tiefschnee nicht zurechtkommt, lebt seine Pisten­träume. Ein Klassiker ist die Abfahrt vom Vallugagrat über die Ulmer Hütte nach St. Anton: Sie ist 10,2 Kilometer lang, anspruchsvoll und wunderschön. Oder die legendäre Strecke des „Arlberg-Kan­dahar-Rennens“ vom Kapall, wo 2001 auch die Skiweltmeisterschaft stattfand. Das Rennen bekam seinen Namen tatsächlich von der 4 960 Kilometer entfernten Stadt in Afghanistan. Sonnenhungrige interessiert das allerdings kaum. Sie sind auf der anderen Talseite zu finden, auf dem Rendl, wo die Liegestuhlreihen in 2 100 Metern Höhe deutlich machen, warum dieser Ort von Insidern „Rendl-Beach“ genannt wird. Im „Fly-In Rendl Park“ haben Snowboarder und Freestyler ihr Revier. Es ist bezeichnend für St. Anton, dass die wahren Party-Highlights nach einem Skitag auf der Piste zu finden sind. Auf der Abfahrt vom Galzig lockt gleich dreimal der Einkehrschwung. Ur­tirolerisch in der „Sennhütte“, anglo­phil im „Krazy Kanguruh“, völlig verrückt beim „Mooserwirt“. Wie dort abgefeiert wird, glaubt keiner, der noch nie dort war.

Womit nahtlos der Bogen zum „Feier­prinzen“ gespannt wäre. Am Tag danach wurde Ernst-August nicht auf der Skipiste gesichtet. Aber das mag damit zusammenhängen, dass auch den teuersten Bordeaux-Weinen, die auf der „Hospiz Alm“ serviert werden, eine gewisse Schwere nachgesagt wird. Risiken und Nebenwirkungen sind nicht ausgeschlossen.

Markus Boden

OK! Travel Tipps:

Hotels & Unterkünfte
Das Arlberg Hospiz Hotel in St. Christoph (DZ ab
470 Euro, www.hospiz.com) mit seinen 54 Zimmern und 35 Suiten gehört zu den bes­ten Wintersporthotels der Alpen. An dessen „Wall of Fame“ sind Mitglieder euro­päischer Königshäuser, Spitzenpolitiker, Film- und Sportstars verewigt. Klein und fein ist das Hotel-Garni Bergschlössl (DZ ab 148 Euro, www.bergschloessl.at) in zentraler Lage neben der Galzigbahn in St. Anton. Zehn mit anti­ken Möbeln eingerichtete Zimmer, tolles Frühstück. Eine preiswerte Unterkunft ist die Pension Strolz (DZ 64 Euro, kein Internet, Tel. 00 43-54 46-301 19): ein Bauern­hof in ruhiger Lage in St. Jakob, zum Frühstück gibt’s hofeigene Produkte.

Restaurants
Drei mit zwei Hauben vom Gourmetführer „Gault Millau“ geadelte Restaurants: Die Verwallstube in 2 185 Metern Höhe in der Gipfel­station der Galzigbahn (abends nur freitags, aber dann mit Feuerwerk und Pianospieler). Das ben venuto (Hannes-Schneider-Weg 11) mit Schauküche und einem hervorragenden Asia-Fondue (jeden Do.) sowie die Hospiz Alm in St. Christoph mit acht urgemütlichen Stuben (Tipp: Tiroler Bauern­ente). Österreichische Küche gibt es im Museum (Rudi-
Matt-Weg 10) – dort ist auch das Skimuseum untergebracht. Mexikanische Spezialitäten werden bei Bobos (Dorfstraße 60) serviert, das Lokal ist auch für seine Karaokeshows bekannt.

Bars & Clubs
Die heißeste Partymeile von St. Anton ist die Ski­piste, die vom Galzig ins Dorf führt – vorbei an drei Après-Ski-Locations. Wenn die One-Man-Show Didi Diesel in der Sennhütte aufspielt, singt (besser: grölt) das Publikum mit, dass die Balken wackeln. Und zwar relativ textsicher, die Liedstrophen sind in der Speisekarte abgedruckt. Englischsprachiges Publikum fühlt sich im Krazy Kanguruh am wohlsten, wo es – obwohl falsch geschrieben – ziemlich crazy zugeht. Das freilich ist alles nichts gegen die sensationelle Stimmung in der „wahrscheinlich schlechtesten Skihütte am Arlberg“: Der Mooserwirt ist legendär. DJ Gerhard heizt hier täglich von 18.30 bis 20 Uhr ein, und die letzten Skiläufer können froh sein, dass es ins Dorf nur noch ein paar Meter sind. Zu späterer Stunde ist St. Anton kein Ort von schicken Discos, aber wer es hemds­ärmelig-rustikal mag, ist in der Postkeller-Bar (Walter-Schuler-Weg 2) richtig.
 
Nicht verpassen!
Nachtrodeln (Di. und Do.), 4,3 Kilometer unter Flutlicht vom Gampen ins Tal. Romantische Pferdeschlittenfahrt ins Verwall-Tal
(Tel. 00 43-54 46-23 80). Und zum Saisonausklang der Weiße Rausch (25. 4.): Wer sich’s zutraut, ist unter den 500 Skifahrern, die sich bei diesem Jedermann-Rennen von der Valluga ins Tal stürzen und nach neun Kilometern in St. Anton durchs Ziel fahren.

Tipps der Onlineredaktion:

Unterkunft:

Gasthof Valluga, St. Christoph Hnr. 17, 6580 St. Anton
in St. Christoph, nur zwei Gehminuten von den Skiliften entfernt. Die Zimmer sind großzügig ausgestattet, mit separatem Wohn- und Schlafbereich, Bad/Dusche und WC, Telefon und Kabel-TV, Minibar, teilweise mit Balkon. Ebenfalls inklusive: Sauna und Tiefgarage. Ab 135 Euro pro Person/Nacht

Restaurants:

Restaurant Alpenhof, Arlberg Straße 7, 6580 St. Anton
Rustikales Restaurant mit Fondue und Raclette auf Bestellung. Dazu: die  Kellerbar mit Livemusik am Wochenende.

Restaurant ROBI'S RODEL-STALL, Nassereinerstraße 112, 6580 St. Anton
Am Ende der Rodelbahn gelegenes, uriges Restaurant mit offenem Kamin. Spezialitäten: Käse-Fondue und Käsespätzle

Ausflugsziel:

Wellnesspark Pettneu am Arlberg, Pettneu am Arlberg 235 c, A-6574 Pettneu
Hier gibt’s Saunen, Dampfbäder, Hallenbad, Massagen und mehr
www.wellnesspark-arlberg.at