Nova Meierhenrich verrät, wo es in Indien am schönsten ist

Abenteuer Indien

Abenteuer Indien! Für OK! schrieb Moderatorin Nova Meierhenrich ein Reisetagebuch. Immer dabei beim Trip von Mumbai bis Goa: eine Kamera - und ihre beste Freundin Marta Jandová, Frontfrau der Rockband Die Happy.

Dieses Land macht was mit dir! Diesen Satz hörten wir im letzten Jahr oft. Die Gründe, Indien zu bereisen, sind verschieden und zahlreich: Interesse an Land und Leuten, die Suche nach sich selbst, eintauchen in die Welt des Aryuveda, des Yoga oder schlicht und einfach Abenteuerlust. Bei uns war es vor allem die unbändige Neugier auf ein Land, von dem wir so gut wie nichts wussten.

Tag 1 - Ankunft in Mumbai
Auf den Straßen herrscht um zwei Uhr ­morgens mehr Betrieb als in Berlin zur ­Mittagszeit. Übervolle Rikschas, Mopeds mit bis zu vier Personen. Hell erleuchtete Hütten und Verschläge rechts und links der Fahrbahn, in denen verkauft, repariert und gehandelt wird. Dazu ein ohrenbetäubender Lärm und fremde Gerüche. Ein Erlebnis für alle Sinne. Hunderte Menschen ziehen an uns vorbei, jeden Alters, barfuß. „Oft laufen sie stundenlang“, erzählt unser Taxifahrer, „nur um einmal in der Woche, an diesem speziellen Tag, ihrem Gott Ganesha die Ehre zu erweisen.“ Dazu lacht er in den Rückspiegel und beendet jede seiner ­Ausführungen mit einem munteren Kopfwackeln, gepaart mit dem obligatorischen „No problem“. Das ist, wie wir bald feststellten, weder Frage noch Aussage, und vor allem keinerlei Hinweis darauf, dass wirklich kein Problem besteht. Marta ist sofort fasziniert und nimmt sich vor, bis zum Ende der Reise eine perfekte „Kopfwacklerin“ zu werden. Nach einer Stunde Fahrt taucht majestätisch unser Hotel vor uns auf, das „Taj Mahal Palace“. Ein Wahrzeichen Indiens. Wir sind sprachlos.

Tag 2  - Der erste Morgen
Von unserem Fenster aus sehen wir, wie sich die Sonne über dem honigfarbenen Tor­bogen „Gateway of India“ hervorwagt und wie das Leben auf den Straßen erwacht. Nach dem Frühstück treffen wir Vinita, ungefähr 50. Sie ist unsere Reiseführerin und erklärt uns jedes Haus, jede ­Gasse, jede Eigenart, die wir erblicken. ­Äußerst auffällig: ­Verkehrsregeln ­spielen eine eher untergeordnete Rolle. Recht hat, wer am lautesten hupt. Einzige Ausnahme bilden hier die Kühe – auf die nimmt man Rücksicht, denn bei den Hindus gelten sie als heilig. Wir bahnen uns den Weg ins Innere eines Slums. Über uns ein Gewirr aus Leinen und Kabeln. Der Geruch von Seife liegt in der Luft, und nach wenigen Schritten liegen sie vor uns – die unzähligen Becken aus Beton. Der Dhobi Ghat ist das Wäschereiviertel Mumbais. Gewaschen wird nicht nur die Wäsche der bessergestellten Familien, sondern auch gern mal der Wäscher (Dhobi) selbst. Ein kleines Mädchen – höchstens 2 – stolpert vor uns fröhlich durch den Dreck. Es wohnt unter einer Plane auf einem Stück Pappkarton. Ihr Bruder sucht ein paar Meter weiter in einem Berg Müll nach Brauchbarem. Wir sind verlegen, trauen uns kaum, unsere Kameras herauszuholen. Was in diesem Moment kaum vorstellbar ist: In Mumbai leben mehr Millionäre als in der gesamten Bundesrepublik. Wir besuchen den „Kamala Nehru Park“ – auch „Hanging Gardens“ genannt – und erfahren von einer für uns sehr speziellen Art der Bestattung. Die Parsen bahren ihre Toten auf den „Türmen des Schweigens“ auf, um sie hier dem Wetter und den Geistern zu überlassen. Zur Mittagszeit ­beobachten wir das hektische Gewusel der „Dabbawallahs“, der „Essensbringer“, die unzählige silberne Töpfe, Tiegel und Säckchen mit Essen durch das Großstadtgewusel befördern. Am Morgen holen sie einzelne Mahlzeiten bei den Ehefrauen und Müttern ab und sorgen dafür, dass die Männer echte Hausmannskost bekommen.

Tag 3  - Bollywood trifft Hollywood
Heute machen wir uns auf in den Norden der Stadt, um hinter die Kulissen einer Bollywood-Produktion zu schauen: nach Bandra. Etwas weniger wuselig als im südlichen Colaba, wo wir uns niedergelassen haben. Hier wohnen die, denen es besser geht: Familien, Studenten und einige von Indiens größten Bollywood-Stars. Wir passieren Shahrukh Khans Haus – ein moderner Bungalow inmitten eines Gewirrs aus Häusern. Zurück im „Taj Mahal Palace“, bekommen wir eine Führung. Hier waren sie alle schon – Marilyn Monroe, Alfred Hitchcock, die Beatles … und vor Kurzem Brad Pitt und Angelina Jolie. Wir machen es uns in „ihrer“ Suite gemütlich, stellen uns vor, wie das wohl so war – Angelina in Seidenlaken auf dem majestätischen Bett, rundherum drei Kinderbetten für die Kleinsten.

Tag 4–5  - Ein guter Fang
Soeben sind wir in Kerala im Süden Indiens gelandet und werden von unserer Gastmutter Neema herzlich begrüßt. Zwei Tage bleiben wir in ihrem „Bungalow Homestay“ in Kochi. Kerala ist grün, es gibt weniger offensichtliche Armut, dafür mehr Elefanten … Am Ufer von Vypeen ziehen sich die sogenannten „chinesischen“ Fischernetze wie Perlenschnüre entlang. Mit langen Seilen werden sie bis zu 300 Mal am Tag auf- und niedergeholt. Wir dürfen auch mal Fischer spielen – uns geht sogar was ins Netz.

Tag 6–8  - Auf dem Wasser
Es ist noch früh, als wir uns wieder verabschieden müssen. Heute machen wir uns auf in die Backwaters. Ein grünes, 1 900 Quadratmeter großes Labyrinth aus Kanälen, Flüssen und Lagunen im Süden Keralas. In Allepey besteigen wir unsere zu einem Hausboot umgebaute Barke – für drei Tage unser Zuhause. An Bord nur wir zwei und drei Crewmitglieder. Schnell wird klar, dass Hände und Füße in den nächsten Tagen als Mittel der Kommunikation herhalten müssen. Wir beobachten das Leben am Ufer: Kinder, die früh am Morgen am Fluss ihre Zähne putzen, Frauen, die samt Sari im Wasser stehen, um Geschirr und Wäsche zu waschen. Indien pur.

Tag 9  - Abenteuer Zugfahren
Heute geht es nach Goa – 20 Stunden Zugfahrt liegen vor uns. Das Chaos beginnt schon vor der Fahrt – beim Versuch, ein Ticket zu ergattern. Zum Glück hilft uns ein Einheimischer. Wir machen drei Kreuze, als wir endlich in unserem Abteil sitzen. Die ersten Reisenden machen es sich auf den obersten Liegen bequem, hier und da ragen uns nackte Füße entgegen. Ein Mikrokosmos für sich – und wer aufs Klo muss, hat ein Problem. Wichtig für „Westler“: niemals das eigene Toilettenpapier vergessen!

Tag 10 –16  - Ausklang in Goa
Goa ist ist anders – sauberer, aufgeräumter, west­licher. Für den Rest unserer Reise haben wir uns für das „Ashiyana“ in Mandrem Beach entschieden, ein kleines Yoga Resort wo wir ab sofort den Tag mit Yoga begrüßen und verabschieden werden. Es ist dieser Ort der Stille an dem wir von den Terroranschlägen in Mumbai erfahren, dem brennenden „Taj Mahal ­Palace“, Flammen, die aus den Fenstern schießen. Die Vorfälle prägen unsere letzten Tage in Indien. Eine stille Woche. Wir machen lange Schweigemärsche, denken nach. Ob Indien etwas mit uns gemacht hat? Sehr viel! Und wir wollen unbedingt zurück. Zurück an die Strände, in die engen Gassen, die verdreckten Städte, zu den Kühen, Tempeln, Fröschen, Kobras und Ratten. Zurück zu den Farben, den Gerüchen und der Freundlichkeit, die wir jeden Tag erfahren haben. Indien ist ein Abenteuer für die Sinne – aller Sinne!

Nova Meierhenrich