Auf den Spuren von 'Die Eiskönigin' in Mittelnorwegen

Ein Bericht über das Winterwunderland Trøndelag

Disneys "Die Eiskönigin - Völlig unverfroren" ist stark inspiriert von norwegischer Folkore und den atemberaubenden Winterlandschaften des skandinavischen Landes, in dem nur etwa 5,1 Millionen Einwohner leben. Als hätte ich den Film nicht toll genug gefunden, durfte ich Anfang Dezember 2013 mit Disney und Innovation Norway zu den Original-Schauplätzen reisen und mir ein Bild von dem märchenhaften Mittelnorwegen machen, das auch unter dem Namen Trøndelag bekannt ist.

Ich war noch nie zuvor in Skandinavien gewesen, so waren meine ersten Gedanken, beeinflusst von Jahren Discovery-Channel und Erdkunde-Leistungsfach, an die bevorstehende Reise:

Kalt! Schnee! Dunkel! Hilfe! Am Trondheim Airport (Scandinavian Airlines fliegt günstig aus mehreren deutschen Städten) angekommen bestätigte sich mein Verdacht.

Es war Donnerstag der 5. Dezember, 15 Uhr, die Dämmerung brach gerade an und Anfang Dezember lag eine dicke Schneedecke - in den letzten Tagen hatte es unaufhörlich geschneit, erklärte unsere Reiseleiterin Kirsten Schultz. Ich persönlich liebe Schnee ja und hätte mich am liebsten sofort darauf geworfen und einen Schneeengel nach dem anderen gemacht, musste mich aber (noch) zusammenreißen, denn es sollte in das Ringve-Museum gehen.

Ringve ist Norwegens einzigartiges nationales Museum für Musik und Musikinstrumente. Wer sich den Soundtrack von "Die Eiskönigin - Völlig unverfroren" genauer anhört (Nicht nur 'Let it goooooo' in Dauerschleife hören!), erkennt deutlich Einflüsse traditioneller norwegischer Musik; einige Titel wurden sogar in Trondheim vom norwegischen Frauenchor Cantus eingesungen.

Ringve, ehemals ein Bauernhof, bot eine authentische Reise durch die Geschichte der Musik. Zu so gut wie jedem Instrument, ob es aus den frühen 80ern stammt oder mehrere hundert Jahre alte ist, gibt es eine Hörprobe und eine spannende Geschichte. Die Sammlung stammt aus dem Privatbesitz der russischen Migrantin Victoria Bachke und ihrem Ehemann Christian Anker Banke; das Paar konnte keine Kinder haben und widmete sich stattdessen ihrer gemeinsamen Liebe für Musikinstrumente. 

Nach dem Museum geht es in das riesige Clarion Hotel & Congress, das wohl das exakte Gegenteil von hübschen norwegischen Holzhüttchen ist - spektakuläre, riesige Decken zeigen uns hier erst einmal das moderne Norwegen, bevor wir viel über eine wichtige, feucht-fröhliche Tradition Norwegens lernen:

Aquavit. Im Disney-Film wird Aquavit, der mindestens 37 % Alkohol in sich haben muss, um den Namen Aquavit zu verdienen, natürlich nicht viel Screentime gewidmet, aber tatsächlich ist die Kümmel-Spirituose ein fester Bestandteil der norwegischen Trink-Kultur. Übrigens mag keiner den Schnaps mehr als die Deutschen. Kein Land importiert mehr Aquavit als Deutschland!

20:00 Uhr: Angeheitert vom Aquavit geht es in die City. Das Fisch-Restaurant Havfruen gefällt mir schon beim Eintreten. Eisblaues Licht, ein Fenster direkt am Wasser und ich darf mich durch beliebte, mir unbekannte norwegische Gerichte testen. Juchu! Lutefisk ist vergorener Stockfisch, der in Lauge und Wasser eingelegt und dann im Ofen gekocht wird. Dadurch entsteht eine ganz ungewöhnliche weiche Konsistenz, die man vielleicht am besten mit Gelee vergleichen kann. Dazu gibt es Erbsenpüree, Kartoffeln, Senf und Speck. Ich beiße rein - mhhh, komisch, so noch nie probiert! Die Norwegen sind verrückt nach Lutefisk - hier im Restaurant kommt es schon mal zur Lutefisk-Knappheit, erzählt man uns. Eigentlich ist Lutefisk ein traditionelles Weihnachtsgericht, aber die Saison verlängert sich dank der Nachfrage immer mehr. Wer in "Die Eiskönigin - Völlig unverfroren" genau aufpasst, wird in einer Szene auch dieses Nationalgericht entdecken. 

Zurück im Hotel falle ich in das gemütliche Hotelbett und schlummer die ganze Nacht friedlich durch.

Freitag, 06. Dezember: Guten Morgen, es hat die ganze Nacht geschneit! Das ist nur ein Grund mehr, die Studentenstadt Trondheim (Von ca. 172 000 Einwohnern sind 30 000 Studenten) entdecken zu gehen.

Es geht nach Solsiden, das ehemalige Hafenviertel, wo heute neben alten Gebäuden viel moderne Architektur steht - ein bisschen wie zu Hause in Hamburg! Ich fühle mich pudelwohl, aber noch schöner wird es im Bakklandet-Viertel. Ich glaub zunächst, ich bin im Ikea-Katalog gelandet! Die perfekte Winterwunderlandschaft mit Schneemännern und überall stehen bunte Holz-Häuschen mit enzückenden Lampen im Fenster, die warmes Licht werfen. Die Norweger behalten im Winter gerne mal den ganzen Tag lang das Licht an, um ihre Umgebung gemütlicher zu machen. "Da gab es mit meinem Mann schon mal Streit", erklärt Kirsten, die für die Liebe nach Norwegen zog.

In Trondheim verbirgt sich neben zahlreichen Restaurants und Museen auch ein richtiger royaler Schatz: Die norwegischen Kronjuwelen liegen in der "The Crown Regalia"-Austellung in der Nähe des Nidarosdoms. Leider dürfen hier keine Fotos gemacht werden, aber ich habe noch nie im Leben so viel pompöse Schönheit auf einmal gesehen. Ein Foto könnte der Königskrone sowieso niemals gerecht werden! Ich verspüre plötzlich das Bedürfnis, ein Royal zu sein.

Ein Royal werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr, aber in der Skistua werde ich trotzdem empfangen wie einer und setze mich sogleich an den warmen Kamin. Die Skistua ist ein Restaurant in den Wäldern der Bymarka, einem Erholungsgebiet, das nur 15 Minuten von Norwegen entfernt ist. Hier kann man im Sommer wandern gehen, oder im Winter Ski-Fahren und Schlittenfahren.

Und man kann hier auch Rentierfleisch probieren! Eine weitere norwegische Spezialität. Ich zögere nicht lange und probiere. Würziger als normales Fleisch! Deftig! Lecker! Eine willkommene Stärkung, vor dem Ski-Fahren, wovor ich als unsportlichster Mensch der Welt etwas Bammel habe. Vorsichtig wage ich mich aber in die Ski-Schuhe rein und wir stürmen raus in den Schneesturm. Mein Gesicht tut weh, der Schnee peitscht meine feuchtigkeitsmaskenverwöhnte Haut aus und ich ahne, ich könnte Ski-Fahren lieben, wenn ich denn sportlich wäre. Wenn! Stattdessen bin ich erstaunt, wie schwierig das tatsächlich ist; endlich verstehe ich die Begeisterung für die Winter-Olympiade. Gedankenversunken plumpse ich hin und freue mich über meine Bolle, ein leckeres süßes norwegisches Brötchen mit Rosinen und einen warmen Kakao.

Puh, war das ein anstrengender Tag! Zur Erholung geht es in das Kongesalen-Kino in Trondheim. Ich bin irritiert. Ist das ein Süßigkeitladen oder ein Kino? In Norwegen gibt es zwar auch Popcorn und Cola, aber in dem Kino ist eine riesige Abteilung mit allerlei bunten Bonschis, die man sich in Tüten zusammenstellen kann. Toll, diese Art Kulturschock! Geschaut wird, selbstverständlich, "Die Eiskönigin - Völlig unverfroren". Beim zweiten Mal und nach einigen Stunden in Norwegen fällt mir umso mehr auf, was für eine gute Arbeit die Filmemacher geleistet haben - die Stimmung des winterlichen Norwegens ist hervorragend eingefangen. Im Kino anwesend sind auch einige der Sängerinnen aus dem Chor, die mit viel Applaus belohnt werden. 

Nach dem Kino wird es richtig fancy! In unserem Hotel gibt es die Skybar & Restaurant, die einen Blick auf den wunderschönen Trondheimfjord gewährt. Beseelt geht es ins Bett, die nächsten zwei Tage werden aufregend...

Samstag, 7. Dezember:

08:00 Uhr: Frühstück im RICA Hotel Nidelven steht auf dem Plan - ein Frühstück, das zum 8. Mal in Folge als bestes Frühstück Norwegens ausgezeichnet wurde. Jetzt bin ich, Frühstücksmuffel, aber gespannt. Im Hotel angekommen merke ich schon: Ich bin im Frühstücksparadies gelandet Smoothie-Shots! Pancakes! Frisches Brot! Frisch gepresster Orangensaft! Rührei! Spiegelei! Pochiertes Ei! Bacon! Obstsalat! Marmeladen aus allen Früchten der Welt! Ich möchte hier einziehen! Dieser Tag verändert mein Leben für immer - ich bin jetzt eine leidenschaftliche Frühstücksverteidigerin. 

Gegen meinen Willen müssen wir die Smoothie-Shots irgendwann leider verlassen und machen einen kurzen Spaziergang zum Bahnhof: Es geht nach Røros, UNESCO-Welterbe, eine Bergstadt nahe der schwedischen Grenze und eine der kältesten Städte Norwegens. Von hier aus geht es zu Røros Rein, einer süd-samischen Familie, deren Leben sich um Rentiere dreht.

Hier kann man sich auf einen Schlitten setzen, das von einem Rentier gezogen wird. Genau das machen wir! Ich freunde mich kurz mit dem süßen, zahmen Rentier an, das nicht seinen besten Tag zu haben scheint und dann müssen wir zu zweit, unerfahren und alleine auf den Schlitten und dem launischen Rentier (genau wie Sven!) vertrauen. Im Gegensatz zu mir weiß das Rentier ganz genau was es tun soll und fährt mich über das schneeweiße Feld. Ich kann es kaum glauben, aber ich habe gerade das erste Level meiner Weihnachtsmannausbildung geschafft. Yay! Wer Kinder hat und gerne Urlaub macht, wird es hier lieben. 

Nach dem kleinen Abenteuer geht es schließlich in das Zentrum von Røros, wo gerade ein kleiner Weihnachtsmarkt ist. Roros hat sich in den vergangenen Jarhunderten kaum verändert; überall sind extrem gut erhaltene hölzerne Gebäude, die in bunten Farben angestrichen sind. In Norwegen dürfen nur bestimmte Farben für Gebäude benutzt werden, dafür bekommt man die Farbe aber auch bezahlt. Interessant, oder? 

So langsam wird mir den dauerhaften - 14 Grad doch kalt, aber es wird noch besser! Wir fahren zum Vauldalen Fjellhotel, das so nah an der schwedischen Grenze ist, dass mein Handy glaubt, ich sei in Schweden. Vauldalen Fjellhotel ist ein familienbetriebenes Hotel nahe der dichten Wälder; der Besuch dort fühlte sich an wie eine Zeitreise.

Die Zimmer sind so urig, dass man sich einen Fernseher hier nur schwer vorstellen kann und eine Jeans hier aussieht wie eine Verkleidung. Nach einer kurzen Verschnaufspause geht es zum wohl schönsten Erlebnis der ganzen Reise (Sorry, Frühstück!): Auf einem Pferdeschlitten geht es durch die eiskalte, mondbeschiene Nacht durch die stillen und dunklen Wälder. Nur ein kleines natürliches Feuer lodert in einer Laterne. Ist das schön!

Zum Abschluss gibt es Dinner im Vauldalskoja-Restaurant, das zum Vauldalen Fjellhotel gehört.

Sonntag, 8. Dezember

Schon ist der letzte Tag da! Wieder steht etwas sehr Aufregendes auf dem Programm: Eine Schlittenfahrt mit Huskys! Alaskan Husky Tours wird von Ketil Reitan betrieben, ein erfahrener Hundetrainer, der seit mehreren Jahren mit den Tieren arbeitet und an internationael Hundeschlittenrennen teilgenommen hat. Wir sind also schon mal in guten Händen. 

Die wunderschönen Tiere erweisen sich auch tatsächlich als sehr zahm und freundlich; ohne Probleme lassen sie sich abketten und zum Schlitten führen, warten gespannt und verspielt auf die Fahrt durch den Schnee.

Als es los geht, bin ich für eine halbe Stunde einfach erstaunt, was für eine Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer die Tiere haben; Tierfreunde und Abenteuerlustige werden es hier lieben.

Ich bemerke langsam, dass so viele neue Eindrücke auf die Dauer nicht nur sehr glücklich, sondern auch sehr müde machen. Wie passend, dass auf dem Rückweg schon der Flieger wartet, der mich zurück nach Hamburg bringt... 

Ein herzlicher Dank geht an alle in Mittelnorwegen, die diese Reise zu einem einzigartigen Erlebnis gemacht haben. "Die Eiskönigin - Völlig unverfroren" erscheint am 4. April auf DVD und Blu-ray.