REISE: Mailand

Italiens glamouröse Diva

Stars und Sternchen lieben ihr Flair und amüsieren sich regelmäßig in der Mode-Metropole: Sie verführt nicht nur mit Dom, Palazzi und Scala – sondern auch mit Dolce Vita und dem Charme ihrer Bewohner.

Willkommen auf dem größten Laufsteg der Welt! Nirgendwo sonst gibt es so viele perfekt gestylte Frauen wie in Mailand: Models prägen das Straßenbild, und die Mailänderinnen sind schon mal per se für ihren Stil berühmt. Auch außerhalb der Fashion Week im Februar und September stöckeln sie in Stilettos übers Kopfsteinpflaster und verwandeln die Einkaufsmeilen in ein „Muss ich haben!“-Mekka.

Selbst Stars können dem Flair der Stadt nicht widerstehen. Christina Aguilera, Rihanna und Lenny Kravitz kaufen regel­mäßig in der Via Verri im „DSquared2“ ein. Die Läden und ihre Besitzer sind häufig ebenso glamourös wie ihre Kundschaft: etwa das „10 Corso Como“ mit gleichnamiger Adresse, das sich in einer umgebauten Fabrikhalle über zwei Etagen erstreckt. Neben einer Boutique gibt es eine Galerie, einen Teesalon, ein Café und einen Musikshop. Den schicken Concept-Store führt Carla Sozzani, die Schwester der langjährigen Chefredakteurin der italienischen „Vogue“.

Am allerliebsten strömen die Schönen und Reichen ins Goldene Karree, Mailands Modezentrum zwischen Via Montenapoleone, Via della Spiga, Corso Venezia und Via Sant’Andrea. Hier haben sich alle großen Designer mit ihren edlen Läden angesiedelt: von Armani bis Zegna. In den Schaufenstern inszenieren sie Mode wie Kunst. Ein luftiges Seidentop hängt da auch mal allein im Glaskasten, und die Scheibe ist so blitzblank poliert, dass Staunende ständig mit der Stirn dagegenstoßen. Das Ganze nennt sich „Window Shopping“ – für Normalverdiener der einzige Weg, sich den Verlockungen zu nähern. Die Türsteher scheinen jedenfalls einen Röntgenblick für Platin-Kreditkarten zu haben. Um die nötige Diven-Aura für die Luxusmeile zu bekommen, greifen Mailänderinnen in die Trickkiste: wenigstens einen edlen Lippenstift erstehen – Hauptsache, es gibt eine Designertüte dazu.

Promi-Sichten zählt zu den Lieblingshobbys der Mailänder. Der beste Platz zum Sehen und Gesehen­werden ist die Galleria Vittorio Emanuele am Dom. Eine Einkaufspassage, prachtvoll wie ein Palast. Die Einheimischen nennen den 4 200 Quadratmeter großen Marmortraum nur ihren „Salon“. Nobelboutiquen reihen sich an Jugendstilcafés – beste Nachbarschaft für Europas erstes Siebensternehotel, das „Town House Galleria“. Ende 2007 ist es in Italiens schönste Einkaufspassage gezogen und gehört mit der Bar „Zucca“ – der Geburtsstätte des Camparis vor rund 150 Jahren – zu den „Galleria“-Highlights.

Solch Glamour hat seinen Preis: Egal, welches Ranking man sich anguckt, Mailand zählt immer zu den teuersten Städten der Welt. Bei „Peck“, dem Feinkostladen in der Via Spadari, kosten 100 Gramm Pralinen mit Goldplättchen-Dekor elf Euro. Auch die Trüffelravioli, der hauchdünne Parmaschinken oder der 50 Jahre alte Balsamico-Essig spielen in der obersten Genuss- und Preisliga. Und fürs Handeln auf den Floh- und Antikmärkten empfiehlt sich immer ein „Ma questo è un furto!“: Das ist ja Diebstahl!
Als Schnäppchen gehen dafür die öffent­lichen Verkehrsmittel durch. Für eine Fahrt mit der herrlich nostalgischen Straßenbahn zahlt man nur einen Euro, manchmal gibt’s dazu noch einen netten Plausch mit dem Fahrer. Der kommt bei einem Zigarettenstopp gern mal zu den Gästen nach hinten und versorgt sie mit einheimischen Geheimtipps.

Der Mailänder Alltag spielt sich ohnehin abseits des Einkaufsrummels ab – zwischen Palazzo und Piazza, Büro und Bar, Cappuccino und Carpaccio. Urlauber erholen müde Shopping-Füße im Parco Sempione auf schattigen Bänken, bevor sie auf Sightseeingtour gehen. Attraktion Nummer eins: der Dom. Auf seinem Dach führt eine Marmorgalerie zwischen Spitztürmen und Statuen hindurch, und bei klarer Sicht reicht der Blick bis zu den Alpen.
Wie wäre es danach mit einem Abstecher zum wohl berühmtesten Gemälde der Welt? Im Kloster der Kirche Santa Maria delle Grazie können angemeldete Besucher einen Blick auf Leonardo da Vincis „Letztes Abendmahl“ werfen – bevor am späten Nachmittag der typische Aperitivo in die Stehbars lockt. Das Prinzip: Man zahlt ein Getränk und darf dazu gratis Häppchen an der Theke naschen.

Ihre melancholische Seite zeigt die Stadt abends an den Kanälen rund ums alte Hafen­becken. Früher lebten hier die Arbeiter, heute strömt das Szenevolk in die Lokale entlang der künstlichen Wasserstraßen. Ihren ganzen Zauber entfaltet die Gegend, wenn sie der berühmte Mailänder Nebel in seinen Mantel hüllt. Galerien haben sich am Ufer angesiedelt, Kneipen und Lifemusik-Schuppen. Am urigsten: das „Scimmie“, das mit seiner Jazzbühne in den Bauch eines Lastkahns eingezogen ist. Wer’s edler mag, der sollte ins Bohemeviertel Brera. Partygänger ziehen die Gegend um Corso Garibaldi und Corso Como vor, und Opernliebhaber gehen natürlich in die Scala.

Und die Promis? Naomi Campbell liebt die Sushi des Edeljapaners „Nobu“, Paris Hilton feiert im Just Cavalli Café, das „Da Giacomo“ zählt Giorgio Armani und Sophia Loren zu seinen Gästen. Während die Spieler von AC Mailand im „Casablanca Café“ feiern, trifft sich die Musik­szene in der Disco „L’Atlantique“. Mailand verdient das Geld, Rom gibt es aus? Von wegen! Ihre Liebe zum Dolce Vita beweist die Stadt jede Nacht.

OK! TRAVEL-TIPPS:

HOTELS:
Als „Manolo Blahnik“ unter den Hotels gilt das Fünfsternehaus The Gray (DZ ab ca. 300 Euro, über www.designhotels.com) zwischen Dom und Scala. Beliebt bei Trendsettern ist auch das Town House 12 (DZ ab 239 Euro, www.townhouse.it). Models und Filmstars steigen gern in Mailands nostalgischstem Hotel ab: der Antica Locanda Solferino (DZ ab ca. 180 Euro, www.anticalocandasolferino.it). Hier wird das Frühstück ans Bett serviert. Wer möglichst günstig übernachten will, sucht sich am besten eine Pension bei B&B Italia (www.bbitalia.it). Der Zimmervermittler bietet preiswerte Unterkünfte mit Charme.

RESTAURANTS & BARS:

Das beste Schokoladeneis der Stadt – und das gleich in elf Varianten – führt die todschicke Eisdiele Chocolat (Via Boccaccio 9). Zum Abendessen empfehlen sich die Ausgehviertel Navigli und Brera. Sensationelle Kürbisravioli gibt es im Locanda dei Dü e Mès (Brera-Viertel: Ripa di Porta Ticinese 21). Wer es schräg mag, muss ins Modus Vivendi (Via Lomazzo 12). Das Restaurant ist in einer ehemaligen Kirche untergebracht und wegen der moderaten Preise sehr beliebt. Recht teuer, aber ein perfekter Ort zum Promi-Sichten, ist das Just Cavalli Café (Viale Luigi Camoens/Torre Branca). Mit Aquarien und Orchideen erinnert die Lounge an eine pompöse Dschungel-Lodge – ganz nach Paris Hiltons Geschmack, die hier gern chillt. An Stil kaum zu übertreffen ist das Armani Privé (Via Gastone Pisoni 1), in den man als Normalsterblicher kaum reinkommt. Wer aber wie Naomi Campbell vorher im Luxus-Tempel Nobu speist (im selben Gebäude) hat vielleicht Glück.

SHOPPING:
Das schicks­te Kaufhaus ist La Rinascente (Piazza del Duomo 14) neben dem Dom. Nicht günstig, aber ein Sinnenschmaus: das Feinkostgeschäft Peck (Via Spadari 8). Gourmets decken sich hier mit Parmaschinken, Trüffelravioli und erlesenen Weinen ein – oder trinken gleich ein Gläschen Champag­ner im Stehen.

Text: Heike Platow