'Der Butler'-Kritik - Star-gespicktes Stück Zeitgeschichte

Forest Whitaker und Oprah Winfrey berühren in einem gefühlvollen Drama

Forest Whitaker als Ab dem 10. Oktober im Kino: Robin Williams spielt Präsident Eisenhower (US-Präsident 1953-1961) Präsident Kennedy (James Marsden) und seine Frau Jackie (Minka Kelly) begrüßen die Mitarbeiter persönlich Gilt bereits als Oscar-Anwärterin: Oprah Winfrey als Lenny Kravitz spielt

Fast 30 Jahre lang arbeitete Eugene Allen als Butler für wechselnde Präsidenten im Weißen Haus - länger als jeder seiner Dienstherren. Nun hat Lee Daniels ("Precious") sein Leben verfilmt. Das Star-gespickte Drama „Der Butler“ zeigt den außergewöhnlichen Aufstieg eines Afroamerikaners - und ein Stück Zeitgeschichte. Der Film war in den USA ein Kassenschlager und gilt bereits als Oscar-Favorit. Promi-Fans kommen dabei auch auf ihre Kosten: Talkshow-Legende Oprah Winfrey, 59, und die Sänger Lenny Kravitz, 49, und Mariah Carey, 43, machen den Streifen noch sehenswerter.

Die Story:
Von der Baumwollplantage ins Global Office: Basierend auf der wahren Geschichte von Allen wird die Geschichte von "Cecil Gaines" (Forest Whitaker) erzählt, der von 1957 bis 1986 im Dienst der mächstigsten Männer der Welt stand.

Ob Eisenhower (Robin Williams), Kennedy (James Marsden), Nixon (John Cusack) oder Reagan (Alan Rickman): Der Afroamerikaner sieht sieben Präsidenten kommen und gehen. Er ist dabei, wenn Weltgeschichte geschrieben wird. Und am Schluss erlebt er seinen größten Triumph: Mit Barack Obama wird ein Schwarzer zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt.

Als "filmisches Wikipedia über die amerikanische Bürgerrechtsbewegung im 20. Jahrhundert" hat der "Hollyood Reporter" Daniels Film bezeichnet. Tatsächlich bekommt der Zuschauer auch ganz persönliche Einblick in die Weltgeschichte - durch die Augen eines Insiders.

Etwa wenn Ronald Reagan politische Besprechungen beim "großen Geschäft" bei offener Tür abhält - oder Jackie Kennedy (Minka Kelly) nach der Ermordung ihres Mannes mit blutverschmierter Jacke und versteinerter Miene im Foyer festgewachsen scheint.

Doch abgesehen davon berühren vor allem die inneren Konflikte von "Gaines" Familie. Während der diskrete Butler lautlos im Oval Office Tee einschenkt oder Kennedys Tochter aus Bilderbüchern vorliest, ereignen sich die wirklich emotionalen Dramen in der Familie: Seine Frau "Gloria" (Oprah Winfrey) rutscht durch Vereinsamung in die Alkohol-Abhängigkeit ab, Sohn "Louis" schließt sich der Bürgerrechts-Bewegung an, wird immer wieder verhaftet und gerät in die Fänge des Ku-Klux-Klans, Sohn "Charlie" fällt in Vietnam und reißt die "Gaines" in tiefe Trauer.

Von all diesen privaten Tragödien lässt sich "Cecil" bei seiner Arbeit nichts anmerken. Da er geradezu irritierend unpolitisch agiert, gerät er immer wieder mit Sohn "Louis" aneinander, mit dem er jahrelang kein Wort wechselt. Doch irgendwann beginnt es auch in dem Familienvater zu brodeln...

Die Schauspieler: 
In der Hauptrolle brilliert zweifelsohne Forest Whitaker mit leiser Kraft. Noch bemerkenswerter: Oprah Winfrey als seine strauchelnde Ehefrau. Sie gilt schon jetzt als heiße Anwärterin für eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin - absolut zu recht. Nicht weniger als fünf Oscar-Preisträger versammelt das Historien-Drama vor der Kamera. Von Jane Fonda als Jane Nixon über John Cusack als ihr Gatte Richard Nixon bis hin zu Lenny Kravitz als Cecils Kollege "James": Sie alle überzeugen quer durch die Bank. Selbst Mariah Carey in einer Mini-Rolle als "Cecils" vergewaltigte Mutter "Hattie" fällt nicht unangenehm auf. Bemerkenswert!

Fazit:
Absolut sehenswerte und an die Nieren gehende Geschichts-Stunde in "Forest Gump"-Manier, die zwar gelegentlich etwas zu rührselig geraten ist, aber allein schon wegen des fulminanten Casts den Kinobesuch rechtfertigt.   

Bewertung: 6 von 7 Punkten 

Seht hier den Trailer zum Film: