Rachels Hochzeit

Die liebe Familie

Rachels Hochzeit - In dem furiosen Drama vermiest Anne Hathaway ihrer Schwester den schönsten Tag ihres Lebens.

Bei kaum einer Veranstaltung bröckeln menschliche Fassaden so schnell wie bei einem Familienfest. Das dringende Bedürfnis nach Harmonie und Frieden sorgt zu Weihnachten oder bei Geburtstagen ebenso oft für Stress, Streit und Tränen wie bei Hochzeitsfeiern. Und wenn – wie in der fast dokumentarisch gefilmten Tragikomödie „Rachels Hochzeit“ – auch noch ein Problemkind in den Schoß der Familie zurückkehrt, das kein Blatt vor den Mund nimmt, wird die Hochzeits-Location schon mal zum interfamiliären Kriegsschauplatz.

Mit „Rachels Hochzeit“ verabschiedet sich Anne Hathaway vom Image der zuckersüßen Komödien­darstellerin. Der Star aus „Plötzlich Prinzessin“ und „Der Teufel trägt Prada“ brilliert in der Rolle der aufsässigen Kym, die nach einem Drogenentzug zur Hochzeit ihrer Schwester (Rosemary DeWitt) in ihr Elternhaus kommt und gnadenlos die Schwächen und Psycho-Macken ihrer Eltern und ihrer Schwester entlarvt – ebenso wie die große, unausgesprochene Tragödie ihrer Familie. Die aufgesetzte Fröhlichkeit schlägt um, als das vermeintlich schwarze Schaf der Sippe alle zwingt, sich unbequemen Wahrheiten zu stellen …

Aber auf Streit und Tränen folgt die Versöhnung in diesem glänzend gespielten und exzellent beobachteten Drama, das mit authentischen Hochzeitszutaten wie quälend langen Tischreden und krächzend-kitschiger Festmusik von Amateurgeigern aufwartet. So bricht Regisseur Jonathan Demme („Das Schweigen der Lämmer“) seine bittere Familiengeschichte immer wieder mit durchaus komischen Momenten. Und genau das macht „Rachels Hochzeit“ so wahrhaftig.  

Kino-Start: 02. April 2009

Eric Stahl

Picture Copyright: Sony Entertainment