Liebe auf den zweiten Blick

Die letzte Chance

Für die große Liebe ist es nie zu spät. Das zeigen Emma Thompson und Dustin Hoffman in der wunderbar altmodischen Romanze "Liebe auf den zweiten Blick".

Müssen es eigentlich immer die Jungen und Schönen sein, die sich publikumswirksam und leinwandtauglich verlieben? Der New Yorker Harvey (Dustin Hoffman) ist um die 60, die Engländerin Kate (Emma Thompson) geht auf die 50 zu – und ihre Liebes­geschichte zählt zu den rührendsten und ­witzigsten roman­tischen Komödien der letzten Jahre.

Mitten in einer beruflichen Krise muss der vom Leben gebeutelte Musiker Harvey nach London zur Hochzeit seiner Tochter. Am Flughafen fällt ihm prompt die spröde und schüchterne, aber attraktive Kate auf, die dort Passagierumfragen durchführt. Auch sie schleppt ihren seelischen Ballast mit sich herum – und trotzdem nähern sich die beiden sanft und vorsichtig einander an …

Kleine Episoden voller großer Schauspielkunst: Mit Charme und Nonchalance lassen sich die beiden großartigen Hauptdarsteller durch die hoch sympathische und im besten Sinn altmodische Story treiben. Sie erwecken ein Drehbuch zum Leben, das gekonnt Witz und Tragik, Herz und Hirn ausbalanciert. Und die raue Romantik Londons tut ihr Übriges, um die Liebesgeschichte anzukurbeln. Es mag sein, dass „Liebe auf den zweiten Blick“ einen Hauch zu vorhersehbar ist. Aber das verzeiht man dem Film dank seiner beiden zutiefst liebenswerten Stars gern.

„Last Chance Harvey“ – das ist der Original­titel des Films. Und indem Harvey diese letzte Chance auf so charmante Weise nutzt, zeigt er, dass man als Mann um die 60 in Sachen Flirten und großer ­Liebe noch lange nicht zum ­alten ­Eisen gehört.

Eric Stahl