Kino-Tipp: Black Swan

Oscarverdächtig

Mit ihrer quälerischen Performance als ehrgeizige Tänzerinschwebt Natalie Portman schnurstracks Richtung Oscar.

Achtung, dies ist eigentlich ein Anti-Tanzfilm. Wer ihn gesehen hat, dürfte jedenfalls kaum noch von einer Karriere als Ballerina träumen. Unter der raffinierten Regie von Darren Aronofsky („The Wrestler“) entwickelt sich dieser Wunsch für Nina (Natalie Portman) nämlich zu einem Albtraum aus Schinderei, Perfektionswahn und Paranoia. Sie will unbedingt die Doppelrolle als weißer und schwarzer Schwan in einer neuen Prestige-Produktion von „Schwanensee“ tanzen. Doch der künstlerische Leiter Thomas (Vincent Cassel), der zwar ihre technische Perfek­tion lobt, wirft ihr mangelnden Sex-Appeal vor. Für den Part des verruchten schwarzen Schwans sei sie viel zu brav. Verbissen setzt Nina alles daran, die Rolle trotzdem zu meistern, und verliert zunehmend den Boden unter den Füßen …

Nach dem Film muss man erst mal durchatmen. So überwältigend sind die Bilder. So wuchtig die Story, die rasant zwischen Horror-Elementen, Psycho-Drama und atemberaubenden Tanz­szenen angelegt ist, wobei sich „Schwanensee“ geschickt in der Geschichte der von Ehrgeiz zerfressenen Nina widerspiegelt. Während sie sich buchstäblich immer mehr in den schwarzen Schwan verwandelt, wittert sie überall Missgunst, angefangen bei ihrer sexy Konkurrentin Lilly (Mila Kunis) bis hin zu ihrer Mutter (Barbara Hershey)… 

Natalie Portman spielt so umwerfend, dass sie sich berechtigte Hoffnungen auf den Oscar machen darf. Aber auch privat hat sich die Arbeit für die 29-Jährige gelohnt. Seit dem Dreh ist sie mit ihrem Tanzcoach, dem französischen Balletttänzer Benjamin Millepied, liiert und erwartet ihr erstes Kind.

Regie: Darren Aronofsky
Mit: Natalie Portman, Mila Kunis, V. Cassel, Winona Ryder
★★★★★

Olaf Schneekloth