Silbermond - Hits mit Haltestelle

Nichts passiert

Drei Jahre war es still um die Kultband aus Bautzen. Jetzt meldet sich Silbermond zurück. Doch was taugt ihr neues Album "Nichts passiert"? Wir machten die Hörprobe.

Stillstand bedeutet heute eigentlich Rückschritt. Trotzdem haben Silbermond ihr neuestes Werk „Nichts passiert“ genannt. Warum? „Der Titel zielt auf  die vielen Polittalkshows, in denen man immer die gleichen Floskeln hört“, erklärt Frontfrau Stefanie Kloß den Albumtitel. „Gemeint sind all die Versprechen, die da gemacht und dann nicht gehalten werden.“ Im Klartext: Auf dem ersten Silbermond-Album nach dreijähriger Pause geht es betont gesellschaftskritisch zu. Das heißt jedoch nicht, dass die Band in Schwarzmalerei verfällt. „Songs wie ‚Alles Gute‘ sollen Mut machen. ‚Alles bis hierher zählt ab ­heute nichts mehr, alles Gute liegt vor dir‘, lautet eine Textzeile. Sie beschreibt das Gefühl, dass man erstmals wieder Hoffnung schöpft“, so Gitarrist Thomas Stolle.

Der viel zitierte Silberstreif am Horizont bleibt musikalisch dabei größtenteils leider aus. Keine Frage: Die 14 Tracks sind nett anzuhören und absolut eingängig – so wie man das von Silbermond gewohnt ist. Die Single „Irgendwas bleibt“ schnellte auf Anhieb von null auf Platz eins der deutschen Charts. Rocksongs mit bestechenden Gitarrenriffs wie im Titelsong „Nichts passiert“ sorgen für ­Power. Die mit Chor und Orchester pathetisch aufgeblasenen Balladen zehren dagegen mitunter etwas an den Nerven.

Spannende neue Impulse? Fehlanzeige! So entsteht der Eindruck, dass man das alles schon einmal gehört hat. Doch wenigstens haben Silbermond von sich selbst und nicht von anderen geklaut. „Alles Gute“ etwa erinnert stark an ihren Live-Hit „Zeit für Optimisten“ und „Nach Haus“ an den größten Erfolg der Band – „Symphonie“. Auch gelegentlich eingeschobene Elektrosamples können an dieser Tatsache nichts ändern. Bleibt das Fazit: In der langen Kreativpause ist bei Silbermond tatsächlich nichts passiert.

Anna-Julia Meyer