Richard Ashcroft meldet sich zurück

Comeback eines Genies

An Selbstbewusstsein hat es dem ehemaligen The-Verve-Frontmann noch nie gemangelt. Jetzt meldet sich Richard Ashcroft eindrucksvoll zurück.

Vor genau 13 Jahren war der Song „Bitter Sweet Sym­phony“ der Brit-Pop-Hit des Jahres. Zu der Zeit war Richard Ashcroft, 38, noch Frontmann der Band The Verve. Nach turbulenten Jahren und einem gescheiterten Comeback-Versuch hat sich die Band Ende letzten Jahres endgültig aufgelöst. „Ich komme mit Bands langfristig einfach nicht klar“, resümierte er damals. Jetzt will er es doch noch einmal wissen und sich als Team­player beweisen – unter dem etwas hochtrabenden Namen RPA & The United Nations Of Sound.

„Ich weiß, das alles klingt verrückt. Aber mit der neuen Band gibt es keine langen Diskussionen. Ich bin der Chef im Ring“, erzählt der charismatische Musiker. „Eine Band braucht einen klaren Anführer. Einer, der sagt, wo es langgeht.“ Das scheint zu funktionieren: Mittlerweile wirkt der Brite wieder ausgeglichen und voller Tatendrang. Noch vor drei Jahren litt Ashcroft unter Depressionen, nahm das umstrittene Medikament „Prozac“ ein. „Ich war schon immer ein depressiver Typ“, gibt er ehrlich zu. Krea­tive Arbeit und die Musik hätten ihm allerdings geholfen, damit fertigzuwerden.

Doch nicht nur sein Sound ist reifer geworden – er selbst ebenfalls. „Inzwischen nehmen Dinge wie Familie und mein Privat­leben einen höheren Stellenwert ein“, so Ash­croft. Aber keine Sorge: Der wilde Verve-Frontmann von damals kommt immer noch manchmal durch. Seiner Meinung nach ist das auch dringend nötig, da die heutige Musik­szene einfach nur noch langweilig sei. Sein Vorwurf: „Es scheint so etwas wie eine Anleitung zum perfekten Pop-Act zu geben: Je mehr Leute darauf mitgearbeitet haben, desto besser. Eigenständigkeit sucht man vergebens.“ Wie gut, dass es noch so aufrich­tige Musiker wie Richard Ashcroft gibt …

Niklas Starnitzky