Trotz harscher "ESC"-Kritik: Die ARD steht weiterhin zu Xavier Naidoo

Es gibt viele Menschen, die die alleinige Entscheidung nicht befürworten

Es steht fest: Xavier Naidoo vertritt Deutschland beim kommenden Die ARD steht hinter der Entscheidung für Xavier. Ralph Siegel findet die Vorgehensweise dagegen nicht optimal.

Es war die Überraschung des Tages: Xavier Naidoo, 44, wird Deutschland im nächsten Jahr beim "Eurovision Song Contest" in Schweden vertreten; das wurde ganz allein von der ARD entschieden. Diese Wahl hat allerdings nicht nur Befürworter, der Sänger muss sich harscher Kritik entgegensetzen. Der Sender selbst steht trotzdem komplett hinter dieser Entscheidung.

Eine Entscheidung mit Folgen

Auch wir finden die Entscheidung, Xavier Naidoo zu solch einem Event wie den internationalen "ESC"-Musikwettbewerb zu schicken, leicht fragwürdig. Das hat gleich mehrere Gründe:

Xavier gilt in der Branche zweifelsohne als Ausnahme-Talent, verkaufte in seiner langen Karriere Millionen Platten, begeisterte zahlreiche Fans während seiner Live-Konzerte. Doch nicht alles ist einwandfrei, wofür der Sänger scheinbar einsteht: Xavier soll eine antisemitische Einstellung haben, Verschwörungstheorien unterstützen und homophobe Züge haben.

Genau deswegen ist wenige Stunden, nachdem bekannt wurde, dass der Künstler 2016 in Stockholm auf der großen Bühne stehen wird, eine Petition gegen seinen Auftritt in Umlauf gebracht worden. Fast 4000 Menschen unterzeichneten diesen Antrag bereits, und auch ein paar Prominente scheinen mit der Vorgehensweise der ARD absolut nicht zufrieden zu sein.

Ralph Siegel äußerte sich gegenüber "Focus" mit folgenden Worten:

 

Ich finde es nicht gut, dass die ARD keinen deutschen Vorentscheid veranstaltet, bei der auch der Nachwuchs eine Chance hätte, so wie man es früher immer sehr erfolgreich gemacht hat. Das finde ich fragwürdig.

 

Xavier sei aber durch und durch ein guter Künstler. Politikerin Claudia Roth kritisiert dagegen den Sänger, nicht unbedingt (nur) den Sender. Laut "Spiegel" heißt es:

 

Dass ausgerechnet Xavier Naidoo in Zeiten von Pegida und AfD das Gesicht Deutschlands in der Welt sein soll, finde ich voll daneben.

 

Jeder macht Fehler

Einer, der vollkommen hinter Xavier Naidoo steht, ist ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber. Er fühlte sich nach der Shitstorm-Welle, die derzeit über den "Ich kenne nichts"-Interpreten hereinbricht, dazu gezwungen ganz genau zu zeigen, dass die Entscheidung gesetzt ist und daran gar nicht mehr gerüttelt werden will. Gegenüber "DPA" gab Schreiber zu verstehen:

 

Hat Xavier Naidoo keine Fehler in seinem Leben gemacht? Sicher hat er - wie wir alle - nicht nur in jedem Moment alles richtig gemacht. Dass Xavier polarisiert, wussten wir. Die Frage ist, ob alle Hassäußerungen, die es in den sozialen Netzwerken gibt, eine sachliche Grundlage haben. Zu den einzelnen Vorwürfen: Xavier steht für Toleranz allen Lebensentwürfen gegenüber, die es in dieser Republik gibt.

 

Immerhin dürfen die deutschen Zuschauer entscheiden, mit welchen Song der 44-Jährige in Schweden sein Bestes versuchen darf.