Geox Portrait

Das Label aus Italien

Geox- das Kultlabel aus Italien: Der Erfinder hatte eine geniale Idee - die atmende Sohle. Heute ist Geox die erfolgreichste Schuhmarke Europas. Und nun?

Angelina Jolie kann ihre Schuhe selbst bezahlen“, sagt Signor Pole­gato streng. Reese Witherspoon und Julianne Moore vermutlich auch. „Stephen Spielberg hat uns mal um einen VIP-Pass gebeten, aber Geox kauft keine Stars ein, die mögen unsere Schuhe auch so.“ Der 56-jähri­ge Tüftler mit einem Hang zu selbst entworfenen Brillen ist der fünftreichste Mann Italiens und entsprechend selbstbewusst. 1989 bohrte er mit dem Taschenmesser ein paar Löcher in seine Turnschuhe, als es ihm in der Wüste von Nevada zu heiß wurde. Daraus entstand erst ein Patent, dann „der Schuh, der atmet“ und schließlich ein weltweiter Siegeszug durch 68 Län­der. 22 Millionen Paar Schuhe verkaufte er letztes Jahr an Geox-Fans von Paul ­McCartney bis zum Papst. Schuhkäufer, die kein Avant­garde-Design, aber schicke italienische Fußbekleidung mögen und den Vorteil der luftdurchlässigen Innenmembran zu schätzen gelernt haben.

150 Mitarbeiter kümmern sich bei Geox um Design und Entwicklung. Und Mario Polegato ist am liebsten unter ihnen, denn hier in Montebelluna in der venezianischen Provinz fern von Mailand werden die Schuhe, Jacken und Mäntel von morgen entworfen. „Alles, was wir machen, muss technologisch überlegen sein“, sagt er. Denn nach den Schuhen wandte er sich längst der atmenden Oberbekleidung zu. Luftdurchlässige Schultermembranen, Outdoor-Bekleidung, die regensicher, aber gut ventiliert ist – was noch nicht atmet, wird in Montebelluna zum Atmen gebracht. Ein Klaps auf den Po, und das Baby wird schon wachsen.
In dieser Saison stehen unglaublich schöne Stiefel und Ankle Boots auf dem Programm. Und wer von Kopf bis Fuß auf Geox setzt, findet scharf geschnittene Lederjacken mit Kaninchenfellkragen und lässige Trenchcoats aus Wollstoff in der Kollektion. „Wir machen Mode mit Hightech-Appeal“, sagt Polegato und verzichtet ganz bewusst auf das Lizenzfeuerwerk anderer Fashion-Labels: „Wir machen keine Parfums, keine Sonnenbrillen, kein Trallala.“ Doch auch in Neuland will er jetzt vorstoßen: Die erste Kollektion von Sportschuhen ist fertig. Lange hatte er das Terrain gemieden – zu groß schien ihm die Konkurrenz von Nike, Puma & Co. Und: Erst wollte er ein Patent für seine neueste Erfindung sichern, das „Net System“, eine Art Netzmembran für Sportschuhe, in denen die Füße schließlich Höchsttemperaturen produzieren. Und so garantiert Polegato auch Leistungssportlern trockene Füße. Laufschuhe gibt es schon, Trainingsschuhe für Indoor-Sport sind in der Entwicklung, und eine Golfkollektion wird folgen. Doch auch Tiger Woods wird sich seine Geox-Treter für den Rasen vermutlich selbst kaufen müssen …

Klaus Dahm

Im Uhrzeigersinn:

doppelreihiger Wollmantel, ca. 200 Euro

Lackpumps, ca. 110 Euro

hohe Lederstiefel, ca. 190 Euro

Jersey-Shirt mit Kapuze, ca. 100 Euro