"Fifty Shades of Grey" im OK!-Check: Lohnt sich der Kinobesuch?

OKmag.de hat den SM-Film für euch angesehen

Können nicht voneinander lassen: Anastasia Steele und Jamie Dornan in Liebt SM und schöne Krawatten: Jamie Dornan alias Christian Grey. Dakota Johnson und Jamie Dornan feiern die Premiere ihres Films.

Ihr habt noch keines der heißbegehrten Tickets für die Romanverfilmung von "Fifty Shades of Grey" ergattern können? Seit Donnerstag, 12. Februar läuft der SM-Streifen in den deutschen Kinos - und sorgt schon jetzt für heiße Diskussionen: Hop oder Top, sexy oder seicht, lüstern oder langweilig? OKmag.de verrät, was es von dem Film hält...

Fifty Shades of negative Kritiken

Kein anderer Film hat im letzten Jahr mehr für Furore gesorgt als "Fifty Shades of Grey". Die Verfilmung des millionenfach verkauften Erotik-Romans von E.L. James mit Dakota Johnson (als Anastasia Steele) und Jamie Dornan (als Christian Grey) bricht nicht nur alle Zuschauerrekorde, er machte seine Hauptdarsteller über Nacht zu Superstars

Doch so laut die Kinokassen auch klingeln, es hagelt auch viel Kritik: So erklärt "Spiegel.de" etwa, gegen "Fifty Shades of Grey" erscheine "'Pretty Woman' oscarverdächtig komplex." Knistern würde "jede Kondompackung lauter". "Stern.de" sagt: "Jedes Rihanna-Video und jede Miley-Cyrus-Party ist versauter."

So urteilen die OK!-Redakteurinnen

Meinung 1: "Verstörende Dialoge"

"Fifty Shades of Grey" ist ein modernes Mädchen, oder nicht? Da ist auf der einen Seite die schüchterne, sich vor Scham stets auf die Lippe beißende Anastasia Steele, die hoffnungslos romantisch englische Literatur studiert. Das kann ja zu nichts führen - sie muss gerettet werden! Und da galoppiert auch schon der Traumprinz (gekettet an eine SM-Streckbank) an, um sie zu retten und mit in seinen prunkvollen Palast zu nehmen. Einer ernsthaften Beziehung steht nur ein hundertseitiger Vertrag im Weg, der die extremsten Sex-Praktiken aufführt, die man sich nur vorstellen kann. Schmacht! 

Das Gute an dem Film ist: Er kann nur besser als das Buch sein - das ich - ich gestehe, bitte bestraft mich - nicht gelesen habe. Verstörend die Dialoge - "Ich mache keine Liebe, ich f*** hart", "Wir müssen das bereinigen", "Also, XBox und so?" - klischeehaft die Szenen: Sie kann sich vor lauter Unsicherheit nicht auf den Beinen halten und stolpert durch seine Tür, Er flechtet ihr einen Zopf, Er spielt melodramatisch am Klavier... Deswegen sage ich: Chapeau vor Dakota Johnson und Jamie Dornan dafür, dass sie noch das Beste aus diesem grottigen Buch mit all seinen verstörenden Dialogen gemacht haben. Ciao ciao, Baby!

Meinung 2: "Fremdschämen am laufenden Band"

Vorab muss erwähnt werden, dass ich als Zuschauerin die Buchvorlage nicht gelesen habe. Nach den unzähligen Medienberichten und Kritiken, dass der Film mehr einer Schnulze gleicht, als einem verruchten SM-Streifen, werden in der Verfilmung deutlich mehr schlüpf(e)rige Szenen, als von mir erwartet gezeigt.

 Doch bei diesen Szenen beschränkt es sich eben auf den Schlüpfer - denn die Kamera blendet aus, sobald ein Schamansatz zu sehen ist. Der Zuschauer dürfte aus dem alltäglichen TV-Programm und Bildern aus dem Internet mehr nackte Haut gewohnt sein als er in diesem Streifen geboten bekommt. Dafür kommen Fans von Jamie Dornans muskelbepacktem Oberkörper auf ihre Kosten, den der Hauptdarsteller gefühlt in der ersten Szene ohne Zusammenhang entblößt. 

Wenn es dann zwischen den beiden Hauptcharakteren auf Tuchfühlung geht, heißt das für den Kinobesucher Fremdschämen am laufenden Band. Wenn „Christian Grey“  mit einem Eiswürfel in seinem Mund auf ihrem nackten Körper entlanggleitet oder ihr den Hintern versohlt - während all dieser vermeintlich erotischen Szenen, wird der Besucher lediglich in Unbehagen als in sexuelle Ekstase versetzt. Und im gesamten Film wird leider kein Klischee eines billigen Softpornos ausgelassen (Eiswürfelszene, er drückt sie im Fahrstuhl an die Wand). Zum Ende des Films wird die Idee immer größer, dass der Charakter von „Christian Grey“ sich lieber in Therapie begeben als die schüchterne „Anastasia Steele“ züchtigen sollte. 

Dass der Film zudem ein grenzwertiges Bild der Frau darstellt, müssen wir an dieser Stelle wohl nicht weiter ausführen.

Meinung 3: "Wie 'Der Bachelor'"

"Fifty Shades of Grey" von E.L.James wird unter "Erotikliteratur" eingeordnet und sorgte bei Millionen Leserinnen weltweit für Kopfkino, das ihnen so gut zu gefallen schien, dass weitere Bücher geschrieben werden mussten. Erotikliteratur bedeutet vor allem eins: detailliert beschriebene pornografische Handlungen. Macht man also einen Porno aus der Literaturvorlage? 

Nein, man möchte schließlich die Leserinnen (und Neugierige) in die Kinos locken, denn wie viele Sexkinos gibt es außerhalb von Rotlichtvierteln schon? Richtig, keine. Sexszenen haben noch nie gereicht, um eine interessante Story zu erzählen - aus diesem Grund wird ein (Soft)Porno es auch nie schaffen, bei den Oscars in der Kategorie "Bestes Drehbuch" nominiert zu werden. Wer sich beschwert, in dem Film gäbe es zu wenig Sex und nackte Haut zu sehen, dem empfehle ich einen Porno, das Schlafzimmer oder das Lieblingsbuch von E.L.James. Da habt ihr euren Sex! 

Ganz abgesehen von den viel diskutierten schnarchigen Sexszenen, die weder schockierend noch besonders sexy sind, ist der Film reinstes Mittelmaß und bewegt sich im Bereich einer romantischen Komödie und "Der Bachelor". Wie in der RTL-Show unternimmt Christian Grey mit Anastasia Steele erst einen Helikopterausflug, dann steigen sie in einen dieser schnellen Flugzeuge, zwischendurch gehen sie schick Essen und tanzen durch die Villa. Dakota Johnson spielt die unsichere und unerfahrene Studentin gut, Jamie Dornan ist eine Fehlbesetzung. Er gleicht eher einem Hundewelpen, als einem in der Kindheit misshandeltem SM-Controlfreak. Aus einer wenig hergebenden Vorlage wurde ein solider Film.