Ist Gluten wirklich so gefährlich?

Neuer Körperfeind Nr. 1 im Check

Trendsetter waren – wie so oft – die Amerikaner: Stars wie Russell Crowe, 51, Miley Cyrus, 22, und Gwyneth Paltrow, 42, verkündeten via Facebook und Twitter, wie gesund und happy sie „ohne“ seien. Ohne Weizen schlafe man besser, fühle sich wohler, habe zartere Haut und obendrein eine schlankere Linie. Nach Fett und Kohlenhydraten hat auch die Gesundheitsbranche jetzt den neuen Körperfeind Nr. 1 ausgemacht: Gluten

Woher kommt der Trend?

Die Geschichte vom Schadstoff Gluten geht zurück auf den US-Präventivmediziner Dr. William Davis. Sein Buch „Wheatbelly“, zu deutsch: „Weizenwampe“, verkauft sich nach wie vor wie geschnitten Brot. Davis sieht im Weizen die Wurzel aller Zivilisationübel wie Fettleibigkeit, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ja sogar Krebs. Ein Grund, so Davis, sei das im Gluten des Weizens enthaltene Gliadin. Dieser Stoff rege nicht nur den Appetit an, er mache sogar süchtig.

Krank durch Gluten?

Ja, Gluten ist schädlich – da sind sich Ernährungswissenschaftler einig. Aber nur für Menschen, die an Zöliakie erkrankt sind. Bei denen kann das Klebereiweiß Gluten das Immunsystem derart alarmieren, dass es körpereigenes Gewebe attackiert. Die Folge: chronische Darmentzündung. Von dieser Immunschwäche sind allerdings nur 0,2 Prozent der Deutschen betroffen.

Etwas häufiger verbreitet ist die klassische Weizenallergie. Nach dem Verzehr rötet sich die Haut, es kann zu Atembeschwerden kommen. Dieses Los trifft aber auch nur weniger als ein Prozent der Bevölkerung.

Warum verzichten so viele?

Wer isst heute schon einfach so, worauf er Lust hat? Viele von uns sind verunsichert – durch Lebensmittelskandale und Ernährungsmythen. Dazu kommt der sogenannte Nocebo-Effekt (von lateinisch nocere ‚schaden‘): Wenn Menschen überzeugt sind, dass Ihnen eine bestimmte Ernährung gut tut, fühlen sie sich oft tatsächlich besser, wenn sie so essen.

Wie oft im Leben kommt es auf das richtig Maß an: Wer auf eine ausgewogene Ernährung achtet, muss in der Regel auf nichts verzichten – auch nicht auf Gluten.