Bekleidung als Auslöser für Mobbing

Schuluniform als Lösung?

05.01.2021 14:24 Uhr

Mobbing in der Schule ist ein Phänomen, das auf dem Vormarsch ist. Zwar gab es Hänseleien unter Kindern und Jugendlichen natürlich schon immer, aber das Ausmaß und die Konsequenzen befinden sich heutzutage traurigerweise auf einem erschreckend anderen Niveau. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Umfragen zufolge wird heute in etwa jeder sechste Schüler Opfer von Mobbing. Man spricht über durchschnittlich zwei Mobbingfälle pro Klasse. Doppelt so viele Schüler haben Angst, eines Tages Opfer von Mobbing zu werden und fürchten sich vor unangenehmen Situationen in der Schule oder auf dem Schulweg. Die Schulform spielt dabei keine Rolle. Auch sind Mädchen und Jungen gleichermaßen betroffen.

Was sind die Gründe für Mobbing?

Die Schule ist ein Abbild der Gesellschaft, also ist es auch hier am wahrscheinlichsten, dass Mobbing diejenigen direkt betrifft, die in irgendeiner Art und Weise anders sind. Das kann bei Bagatellen anfangen wie dem Tragen einer Brille, etwas Übergewicht oder einem seltsamen Dialekt. Auch familiäre Situationen, finanzielle Möglichkeiten oder Hobbies, die sich abseits des "Normalen" befinden, können Gründe dafür sein, warum Kinder zur Zielscheibe von Mobbing werden. Mit am häufigsten beobachtet man allerdings Mobbing aufgrund von "falscher Bekleidung". Besonders im Teenageralter, in dem es immer wichtiger wird, sein eigenes Styling zu finden und sich dadurch von anderen abzuheben, nehmen Klamotten vermehrt die Rolle eines Statussymbols ein.

Viele Jugendliche glauben, dass das Tragen von Markenklamotten ihre Persönlichkeit ausdrückt. Es entsteht relativ schnell ein elitäres Gefühl, wenn ein Teil der Klasse Markenklamotten trägt und man selbst zu diesem erlauchten Kreis gehört. Der andere Teil der Klasse wird dann eher als unterprivilegiert wahrgenommen. So entwickelt sich sehr schnell ein Gruppenzwang, denn gerade in diesem Alter ist es für die Jugendlichen besonders wichtig, dazuzugehören. Dies ist deswegen so gefährlich, da der Grund für fehlende Markenkleidung fast immer das fehlende Geld ist. Somit wird den Betroffenen zum einen auf eine grausame Art vorgeführt, dass sie zur Unterschicht gehören und andererseits erleben sie tagtäglich ein Gefühl der Ausgrenzung.

Interessanterweise funktioniert diese Art von Mobbing auch in die umgekehrte Richtung. Gerade in sozial schwachen Stadtvierteln mit hohem Anteil an Migranten und Beziehern von Sozialleistungen ist es eher die Regel als die Ausnahme, kein Geld für Markenkleidung zu haben. In Klassen solcher Viertel besteht die Gefahr, gerade durch das Tragen hochwertiger Sneaker und Bekleidung den Unmut und den Neid der anderen zu erregen und damit selbst zum Opfer zu werden.

Schuluniformen als Teil der Lösung:

Unabhängig davon, dass natürlich die Ursachen bei den Tätern selbst zu suchen sind, müssen die Opfer in jeder erdenklichen Weise geschützt werden. Ein mögliches Szenario ist es, die Unterschiede hinsichtlich des Bekleidungsstils durch das Verordnen einer Schuluniform einfach auszuradieren und damit einem der Hauptgründe für Mobbing den Wind aus den Segeln zu nehmen. In verschiedenen Modellversuchen konnte bereits festgestellt werden, dass das Tragen einer einheitlichen Uniform positive Resultate bringt. Soziale Unterschiede würden abgebaut, es entstünde sogar eine Art Zusammengehörigkeitsgefühl.

Dem gegenüber steht natürlich das im Grundgesetz verankerte Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung. Das Verordnen von Schuluniformen ist also ohne weiteres gar nicht möglich - und auch wenn es erfreuliche Auswirkungen auf das Zusammenleben in der Klasse hat, wird dies allein das Mobbingproblem nicht lösen.