Beruf Gewinner – Mit einem Spin zum Millionär

Die ungewöhnliche Geschichte des Benno Winkel

Er liebt schöne (junge) Frauen, erlesenen Champagner, schnelle Autos, teure Anzüge, und ausgiebige Partys. Auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches für einen Millionär. Was jedoch ungewöhnlich ist, ist die Geschichte, wie er zu seinem Vermögen kam. Benno Winkel war einer der Wenigen, die durch Glücksspiel ihren Lebensunterhalt verdienten und Gewinnen als ihren Beruf bezeichnen konnten.

Das Mathematikgenie 

Benno wuchs im alten Hamburg auf, als Sohn eines Schulrektors. In der Schule zählte er zu den Besten seines Jahrganges. Seine Lehrer realisierten früh, dass der kleine Benno eine besondere Affinität zu Zahlen hatte. So entwickelter er insbesondere zu seinem Mathelehrer eine enge Beziehung. Dieser unterrichtete seine Schüler nicht nur in einfachem Rechnen, sondern ebenfalls in der Kombinatorik, die die Grundlage der Wahrscheinlichkeitsrechnung ist. Kaum ein Schüler konnte folgen, außer dem mathematisch hochbegabten Benno. Er liebte es, mit Zahlen zu Jonglieren und diese Leidenschaft führte er bis ins Erwachsenenalter fort. Es dauerte nicht lange, bis ihm das Glücksspiel über den Weg lief.

1943 spielte er sein erstes Spiel im Casino Baden bei Wien, und seine zweite Leidenschaft war gefunden. In der Nachkriegszeit investierte Winkel dann in Hamburg in einige Firmen, unter anderem auch in einen der besten Ecarté-Clubs der Stadt. Ecarté wird auch das "Spiel der Kavaliere" genannt, ein französisches Kartenspiel für 2 Personen. Doch ein Glücksspiel zog besonders Winkels Aufmerksamkeit auf sich – das Roulette. Als sogenanntes "reines" Glücksspiel hängt das Ergebnis beim Roulette der allgemeinen Auffassung nach ausschließlich vom Zufall ab. Winkel teilte diese Meinung ganz und gar nicht. Monatelang erstellte er in seiner stillen Kammer Berechnungen und Statistiken zur Wahrscheinlichkeit eines Roulette Gewinnes. Er entwickelte verschiedene Systeme, um dieses Mathematikgeheimnis zu knacken. Sein Motto war: 

Ich habe nicht nur eins, sondern jongliere mit mehreren.

Der Angeklagte

Kurze Zeit später wurde Benno Winkel wegen Betruges vor Gericht angeklagt. Warum? Winkel hatte das sogenannte Ernährungssystem entwickelt, welches "allen interessierten Roulette-Freunden mit starken Nerven und guter Konzentrationskraft" eine ständige Nebeneinnahme versprach. Es kostete lediglich 50 Mark und auf Grund des geringen Einsatzes von nur 120 Mark brachte es geringes Risiko für den Spieler mit sich. Winkel warb sogar mit einer Geld-Zurück-Garantie. Dieses System erfreute sich großer Beliebtheit in Hamburg.

Was die Ankläger zu diesem Zeitpunkt außerdem nicht wussten, war, dass sich selbst der pensionierte Kollege des Richters damit etwas Geld nebenbei verdiente. Winkel war also 100 Prozent von sich und seinem System überzeugt. So sehr, dass er sich selbst verteidigte – natürlich elegant gekleidet – um sein seriöses Erscheinungsbild zu untermalen. Er zitierte wissenschaftliche Literatur und warf mit Begriffen aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung und Gesetzen des Zufalls um sich. Am Ende konnte die Unmöglichkeit dieses Spielsystems nicht nachgewiesen werden, und Winkel wurde freigesprochen.

Der Meister des Spiels

Nach diesem Vorfall machte Winkel eine Bewährungsprobe seiner ausgeklügelten Systeme. Er war in über 50 Casinos deutschlandweit aktiv, aber sein Lieblingsort zum Spielen war das Casino Travemünde. Dort hatte er für einen Tageslohn von 20 Mark 8 Arbeiter für sich angestellt, die für ihn alle Roulette-Treffer der letzten Wochen notierten und berichteten. Mit den gesammelten Informationen stellte er Zahlenreihen zusammen, die nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit am ehesten vorkommen. Winkel erschien immer mit einem Mindesteinsatz von 50.000 Mark und innerhalb weniger Wochen erspielte er sich insgesamt 700.000 Mark im Casino Travemünde.

Wenn er nach seinem Beruf gefragt wurde, antwortete Winkel mit einem schlichten "Kaufmann", obwohl er schon seit Jahren vom Glücksspiel lebte. Nach seinem Gewinn unterbreitete er dem Casino-Direktor Henri Neid einen interessanten Vorschlag: Winkel würde mit samt seinen Angestellten nie wieder einen Fuß in das Casino setzen, wenn er ihm eine Rente von 50.000 Mark monatlich überwies, plus ihn mit 10% am Jahresgewinn beteiligte. Ein mutiger und kreativer Vorschlag, der jedoch von Neid dankend abgewiesen wurde. Schließlich war er der Direktor eines der ältesten und exklusivsten Casinos seiner Zeit, das einen Ruf zu verteidigen hatte. Da Winkel mehr als genug erspielt hatte, zog er sich nun zurück, blieb aber immer auf der Suche nach einer guten Anlage für sein Vermögen. Trotz der vielen Heiratsanfragen war dies jedoch nicht eine Ehefrau, sondern am liebsten natürlich ein Casino. Das Internationale Institut für Rouletteforschung verlieh ihm den Titel "Bezwinger der Spielbanken und erfolgreichster Spieler unseres Jahrhunderts". Er selbst nannte sich den "Roulette-König". 


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Roulette Legenden

So wie Benno Winkel gibt es noch andere Spieler, die mit dem Spiel in kürzester Zeit ein Vermögen generierten, da sie über verschiedene analytische Fähigkeiten und Geduld, oder schlicht über eine gehörige Portion Mut und Glück verfügten. Hier sind einige der besten Geschichten. 

Norman Leigh – gewann im Jahr 1966 mehr als 800.000 Französische Franken. Das war für diese Zeit so schockierend, dass er von allen Casinos in Frankreich verbannt wurde. Er selbst sagt, sein Gewinn sei "pures Glück" gewesen.

Chris Boyd – Als Software Entwickler setzte er sein erspartes Vermögen von 220.000 Dollar auf eine Drehung. Im Binion’s Horseshoe Casino in Las Vegas verdoppelte er seinen Gewinn und beendete damit auch prompt seine Roulette-Karriere.

Ashley Revell – Der Engländer wollte in Chris Boyds Fußstapfen treten, verkaufte all sein Hab und Gut und setzte die gesparten 135.000 Dollar auf einen Spin. Er verdoppelte seinen Einsatz und spielte niemals wieder.

Joseph Jagger – Der Mechaniker nutzte die Unvollkommenheit ungeeichter Rouletteräder zu seinem Vorteil. Er fand er heraus, dass einige Nummern öfter als andere auf dem Rad erschienen. Er gewann 60.000 Pfund in nur 3 Tagen – anno 1873 ein unerhörter Betrag, der die Bank von Monte Carlo sprengte.

Charles Wells – Der wohl unbeliebteste Spieler ganz Monte Carlos. Denn ihm gelang es mehrmals, das Casino von Monte Carlo zu sprengen und einen Wert von heutzutage umgerechnet 3 Millionen Euro zu erspielen. Daraufhin widmete Fred Gilbert ihm sogar einen Song.

Die Einkünfte dieser Glücksspieler können allemal mit den Einkünften der heutigen Stars mithalten. Recherchiert man die Erfolgsstories dieser Legenden, will man am Liebsten selbst am Roulette-Rad drehen. Denn was gibt es für einen besseren Beruf, als Gewinner zu sein?