Lifestyle Trinken - Die klassischen Szenegetränke Bier und Wein

Vom Imagewandel der ältesten alkoholischen Getränke der Welt

Lifestyle Trinken - Die klassischen Szenegetränke Bier und Wein - Bild 1 Lifestyle Trinken - Die klassischen Szenegetränke Bier und Wein - Bild 2 Lifestyle Trinken - Die klassischen Szenegetränke Bier und Wein - Bild 3 Lifestyle Trinken - Die klassischen Szenegetränke Bier und Wein - Bild 4

Beliebt sind sie seit eh und je – und alt. Sehr alt. Die Rede ist von Bier und Wein, den ältesten alkoholischen Getränken der Welt. Und Deutschland trinkt mit. 

Nicht nur beim Fußball, bei dem wir ohnehin Weltmeister sind. Nein, auch im Bierkrüge-leeren feiern wir Rekorde. Seit den 70er Jahren liegt der Pro-Kopf-Konsum ungebrochen über der 100-Liter-Grenze. Jeder deutsche Fußballweltmeister trinkt fast weltmeisterliche Hundert Liter pro Jahr und hängt damit den Rest der Welt ab? Nein, nur fast, aber der Vize-Weltmeistertitel nach Tschechien (144 Liter 2014 gegenüber 107 Liter in Deutschland) steht den Deutschen auch gut zu Gesicht, oder? Und die Qualität ist dabei auch Weltspitze.

Und Wein? Nun ja, der Deutsche jedenfalls trinkt etwa nur ein Fünftel der Menge an Bier im Jahr, aber mit 20 Millionen Hektoliter schrammten wir 2013 und 14 nur knapp hinter Italien am Podium vorbei. Und dennoch: Im Riesling ist Deutschland nach wie vor Weltspitze und legt bei Blauburgunder & Co kontinuierlich zu. Deutschland – Dein Bier- und Weinland. Und dazu gibt es noch Neukreationen auf Bier- und Weinbasis, die als Szenegetränke hip sind – einem Imagewandel von Bier und Wein der letzten Jahre und Jahrzehnte sei Dank.
 

Du bist was du trinkst – Vom Imagewandel von Bier und Wein

Bier - Vom klassischen Arbeiter-Getränk zum neuzeitlichen Image-Träger

Wer erinnert sich noch ernsthaft an die Zeit, als Bier als traditionelles Getränk der Werktätigen und „Arme-Leute-Gebräu“ im Ausschank der Arbeiterkneipen ein Nischendasein fristete? Noch bis in die 80er Jahre hinein wurden mit dem Gerstensaft Klischees wie Seelentröster, Zungenlöser oder zünftiges Stammtischrundengebräu bedient.

Die Vornehmen und Intellektuellen, oder die, die was auf sich hielten – nein, die würden doch nie zu dem alkoholhaltigen Getränk aus Hopfen, Malz und Wasser greifen. Niemals. Außerdem: Wo war der Lifestyle- und Fitnessgedanke in den 70ern? Auf Bier nach der Maloche verzichten und nicht auf der allabendlichen Couch abhängen – wohl noch der Fitness und Gesundheit zuliebe? Nein, das kam nur den Wenigsten in den Sinn. Aber dann wurde vieles anders.

Ein Umdenken setzte allmählich in den 70er und 80er Jahren ein. Junge, forsche Werbestrategen, oftmals noch frisch von der Uni begannen das Getränk neu zu erfinden und versuchten dem Ganzen in Werbespots oder auf Plakatwänden einen neuen (Edel-)Anstrich zu verpassen – und der Bierkonsum sank dennoch: Wurden 1976 noch 150,9 Liter Bier pro Kopf getrunken, waren es im vergangenen Jahr nur noch 107,2 Liter.

Mit der erwachenden Fitnesswelle wie auch dem sich verändernden Bier-Image verlor das allgegenwärtige flüssige Seelenpflaster an Boden.

Die Werbestrategen bemühten sich redlich, mit dem an sich simplen Getränk Werte wie „schick“, „cool“, „interessant“ im wahrsten Wortsinn „anzudichten“. Demensprechend wandelten sich auch die Werbeslogans.

Bier war plötzlich nicht mehr einfach nur Bier, sondern jedes hatte seinen eigenen „Charakter“, seine „Seele“… seine eigene Daseinsberechtigung eben.

Und heute? Bier wird statt Prosecco als Aperitif bei Empfängen gereicht, es werden Edelbiere gebraut. Und jeder sogenannte Bier-Sommelier, der etwas auf sich hält, behält sich vor, zu beraten und zu entscheiden, welches Bier denn am besten zu einem bestimmten 5-Gänge-Menü passt.

Alles nur Wein – oder was? Wein und seine Lifestyle-Varianten

Es ist wohl immer noch hauptsächlich eine Geschmacksfrage, ob jemand lieber Wein oder Bier trinkt. Beide Getränke stehen weniger in Konkurrenz zueinander, sondern ergänzen sich eher je nach Anlass, als dass sie sich ausschließen. Im Gegensatz zum schleichenden Imagewandel von Bier war Wein seit je her ein Genussmittel, das tendenziell eher den besonderen Augenblicken im Leben vorbehalten war und ist: Bei feierlichen Anlässen etwa oder beim gemeinsamen Essen mit Freunden und Bekannten.

Der Rebensaft wird nicht nur seiner vergleichsweise weitaus vielfältigeren Aroma- und Geschmacksperspektiven von über 600 Varianten wegen bewusster konsumiert – beim Bier sind es an die 150 Variationen. Letztlich lässt auch der mehr als doppelt so hohe Alkoholgehalt die Entscheidung über das Öffnen einer Flasche Wein zwangsläufig bewusster ausfallen.

Und dennoch: Was der Gerstensaft im Großen seit den 80er Jahren erlebt, gilt im Kleineren für Rebensaft auch: Eine enorme qualitative wie marketingstrategische Aufwertung. Tatsächlich vollzog sich auch beim Wein ein Imagewandel vom auf-gezuckerten, dünnen Massenprodukt der 50er bis 80er Jahre hin zum qualitativ hochwertigen, leidlich unverfälschten Naturprodukt für den besonderen Anlass. Dahinter steht das Credo einer jungen, aufstrebenden Winzergeneration, nur durch Qualität verloren gegangenes Terrain an Vertrauen durch Restsüße und nun vor allem trockene, weiße wie auch rote Prädikatsweine zurückzuerobern.

Sinnbild für jenen Wandel steht der Riesling, der inzwischen seine internationale Fangemeinde gefunden hat. Nicht von ungefähr sind die USA Exportmarkt Nummer eins, gefolgt von Großbritannien, den Niederlanden und Norwegen, wo bereits jede dritte Flasche Weißwein aus Deutschland stammt.

Wein steht mehr denn je für einen Lifestyle mit seinem Mix aus Freude am Genuss, Geselligkeit und Feierlaune - mit einem Hauch von Luxus allerdings, der ihn immer noch vom Gerstensaft abhebt. Dabei lassen sich jüngere Weingenießer eher von ihrem eigenen Geschmack leiten. Statt stur nach althergebrachten Konsummustern zu verfahren, die seit jeher zu diktieren versuchen, zu welcher Gelegenheit beziehungsweise zu welcher Speise welcher Wein zu trinken ist. Ein Abschneiden der alten Zöpfe ist im Gange, denn: auch zu Fisch kann ein Rotwein genauso schmecken, wie ein Weißwein zu Käse… oder etwa nicht?

Szene-Getränke - nicht einfach nur ein Schluck Flüssigkeit

Bier + Wein – Genussmittel – oder doch mehr?

Markus Sailer, seines Zeichens Deutscher Meister der Biersommeliere 2015 hat dazu eine klare Aussage: Wie Wein schon länger ist auch Bier mittlerweile im Wandel von einem reinen alltäglichen Getränk hin zu einem Genussmittel begriffen, Stichwort Weinglaskultur: Statt ein simpler, berauschender Schluck Flüssigkeit, im klassischen Römer eingeschenkt und kredenzt wie anno dazumal, wurden seit den 80er Jahren edle, elegante Gläser für den Wein entwickelt, die nie voll eingeschenkt werden dürfen. Ein Weinglas vollschenken ist mittlerweile No-Go. Das ist auch für das Bierglas im Kommen.

Szene-Ins sind laut Sailer mittlerweile Craft-Beere, die klare Kante zeigen und Charakter haben - und am besten noch aus der Region kommen. Regionalität steht für eigene Identität und gilt als hip. Wie auch neuartige Geschmacksstile abseits des Mainstreams, die irgendwie anders sind und sich vom Einheitsgebräu abheben. Was in den USA schon gang und gäbe ist, liegt auch in Deutschland im aktuellen Trend. Bier wird langsam zum edlen Design-Produkt, schon heute werden Biere im Premium-Segment produziert, für die charakteristisch sind:

  • monatelange Gärprozesse in klassischen Holzfässern

  • Abfüllung in edlen Champagnerflaschen

  • dreistellige Europreise für ein Bier

  • Ausgabe spezieller, hochpreisiger Editionen

Bier ist zunehmend nicht mehr gleich Bier, der Trend wird sich verstärken und dem Trend bei Wein nachziehen. So sind trotz Beachtung des Reinheitsgebots Biere mit exotischen Geschmackssorten wie Schokolade, Apfel oder Kirsche angesagter denn je – ob für den besonderen Augenblick oder einen besonderen Event. Die Bierlandschaft wird vielfältiger und lebendiger: Neben dem klassischen Feierabend-Bier für den eher undifferenzierten Genuss wird es das Craft-Bier im Premium-Segment für den besonderen Anlass geben.
 

Bier und Wein sind immer angesagt – aber bei welcher Temperatur?

Dabei kommt es für den optimalen Genuss auch auf das optimale Handling mit den Lifestyle-Getränken an, um das Bestmögliche aus den Aromen herauszuholen; wie die Frage nach der besten Temperatur, oder besser: Bei welcher Temperatur schmeckt Bier am besten?

Besonders im Sommer bei heißen Temperaturen geht nichts über eine sogenannte „Gerstenkaltschale“ im einstelligen Temperaturbereich – so irgendwo zwischen sieben und neun Grad sollten es schon sein. Bei Kölsch, Alt und Hefeweizen darf es schon etwas kälter sein, um das volle Aroma zu entfalten, um die fünf Grad bis acht Grad gelten als optimal. Starkbiere ab zehn Prozent Alkoholgehalt und mehr werden zwischen zehn und 15 Grad gezapft.

Aber wie so oft ist alles Geschmacksache, am Detail scheiden sich bekanntlich die Geister. So weist ein Craftbeer-Blog beispielsweise darauf hin, dass es bei einer Party doch eigentlich gar nicht so drauf ankommt, die ideale Trinktemperatur exakt zu erreichen. In geselliger Runde ginge es doch meist eher um Mengenverarbeitung als um korrekten Genuss. Recht hat der Beitrag, verweist aber noch auf Experten, welche die Ansicht vertreten, dass Bier grundsätzlich bei 15° C getrunken werden sollte, weil dann die Fehlaromen am deutlichsten würden.

Das mag bei Sensorik-Tests oder professionellen Verkostungen zutreffen, geht aber dann doch am Konsum-Alltag vorbei. Schließlich will der Bierliebhaber ja sein Getränk einfach nur genießen und nicht auf Fehlaromen analysieren. Wer möchte schon ein Pils bei 15 Grad trinken?

Es gilt die einfache Faustregel: Je höher der Alkoholgehalt liegt und je dunkler das Gebräu daherkommt, umso wärmer schmeckt es am besten. Je aromatischer es ist, umso eher verträgt es ein, zwei Grad höhere Trinktemperaturen. Bei den gängigsten Bierstilen jedoch ist man im einstelligen Temperaturbereich am besten aufgehoben.
 

Lager- und Ausschanktipps für optimalen Trinkgenuss

Bei Wein ist das vom Prinzip nicht viel anders. Für leichte, frische Weißweine darf die Temperatur schon unter zehn Grad liegen. Als Grundregel gilt: Je höher der Alkoholgehalt und die Aromadichte, umso höher die Serviertemperatur. Leichte Rotweine liegen idealerweise um 14 bis 16 Grad, volle Rotweine noch darüber.

Jeder Laie kann dabei hinreichend einschätzen, welchen Einfluss die Temperatur auf das Genusserlebnis Wein hat und wie schmal der Grat zwischen Genuss und Enttäuschung ist. So verliert der zu kalte Weißwein um fünf Grad seine aromatische Identität zu Gunsten einer dominanten Säure. Bei etwas höherer Temperatur jedoch umschmeicheln feine Aromen die Nase, Eleganz und Frische des Weins des Weins kommen jetzt zum Vorschein. Umgekehrt kann ein zu warmer Rotwein allzu alkoholisch mit dominierender Fruchtsäure daherkommen, und Brennen beim Schlucken im Rachen verursachen. Die kühlere Temperatur brächte den Wein in Balance.

Um an die richtige Grad-Zahl für den jeweiligen Wein zu kommen, gilt Folgendes:

  • Je kühler ein Wein ist, desto weniger bietet er der Nase.

  • Je wärmer der Wein ist, desto mehr „riecht“ der Wein.

  • Je niedriger die Ausschank-Temperatur, desto stärker sind Säure, Tannine und Bitterstoffe betont.

Für die Lagerung eignen sich überhaupt nur circa drei bis zehn Prozent aller Weine, für den großen Rest gelten maximal zwei Jahre, je nach Lagerbedingungen. Weine mit langer Lagerfähigkeit müssen über besondere Eigenschaften verfügen, sie sollten

  • eine hohe Qualität mitbringen (Prädikatsweine)

  • von älteren Rebstock-Beständen stammen

  • Einen höheren Tannin- und Alkoholgehalt aufweisen.

Weine werden heute generell so kultiviert und verarbeitet, dass sie oft schon im Erntejahr ihre optimale Trinkreife besitzen. Für Biersorten gilt grundsätzlich das Gleiche. Jedoch: Da Bier nicht gleich Bier ist, gibt es auch hier Nuancen. Das „Standardbier“ mit vier bis fünf Prozent Alkoholgehalt, egal ob Pils, Kölsch oder Altbier, verfällt irgendwann, verliert an Geschmack und Kohlensäure, wird schal und sauer. Je qualitativ höherwertiger das Bier gebraut wurde, umso länger kann es unbeschadet über das Mindesthaltbarkeitsdatum gelagert werden.

Entscheidend für die Haltbarkeit ist die verarbeitete Hopfenmenge, da Hopfen antiseptisch wirkt und Keime abtötet. Das Prinzip gilt auch für den Alkoholgehalt. Beginnend beim Bockbier und viel stärker bei den unter Craft Beer zusammengefassten neuen Braustilen sind Alkohol- und Hopfengehalt (häufig sechs bis neun Volumenprozent Alkohol) so hoch, dass das Bier faktisch nicht mehr schlecht werden kann.
 

Vegane Getränke? Vom veganen Trend auch bei Getränken

Das deutsche Reinheitsgebot – Eine Garantie für vegane Biere?

Schwach gehopfter Gerstensaft mit geringerem Alkoholgehalt kann schon nach drei bis sechs Monaten deutlich an Geschmack verlieren. Eine dunkle und kalte Lagerung bei Temperaturen zwischen fünf und 15 Grad verlangsamt den Zersetzungsprozess, kann ihn aber nicht aufhalten. Hochwertige Craft-Biere dagegen haben eine nahezu unbegrenzte Haltbarkeit und werden monatelang in Holzfässern gelagert, bevor sie überhaupt in den Handel kommen – Stichwort Barrel Aging.

Der letzte Schrei der US-Craft Beer Szene als trotziges Aufbegehren gegen das vermeintliche „Allerwelts-Gebräu“ der Braukonzerne bedient sich auch junger, unkonventioneller Methoden, Bier vegan herzustellen, um gerade eine junge Zielgruppe anzusprechen. Denn: Besonders jüngere Konsumenten lassen sich nicht mehr so sehr von herkömmlichen Bieren ansprechen wie ihre Eltern.

Das Produkt „Bier“ als solches ist nach dem geltenden Reinheitsgebot von 1516 vegan und darf nur beinhalten:

  • Wasser

  • Hopfen

  • Malz

  • Hefe.

Der daraus im Gärungsprozess entstehende Alkohol wird von vielen Veganern konsumiert, da er grundsätzlich vegan ist. Das Reinheitsgebot ist für alle in Deutschland hergestellten Biere verpflichtend, die keine künstlichen Aromen oder andere Zusatzstoffe enthalten dürfen.

Allerdings: Die rund um die Erzeugung und Abfüllung zum Einsatz kommenden Techniken verwenden nicht unbedingt immer nichttierische Hilfsmittel. Sie konzentrieren sich vor allem in den Bereichen Filterung und Etikettierung.

So umgehen neuartige Braumethoden, die mehr dem aktuellen Zeitgeist entsprechen sollen, konsequent den Einsatz von tierischen Produkten bei Herstellung und Verarbeitung: So etwa die Vermeidung von tierischen Klärmitteln wie Kasein oder Gelatine aus getrockneten Fischblasen zur Filterung der Schwebstoffe bei Bier und Wein. Alternativ wird dafür schon seit Jahren in einigen deutschen Brauereien Kieselsol oder Kieselgur verwendet.

Tierische Produkte sind nicht deklarationspflichtig, da sie keine Hauptbestandteile des eigentlichen Bierproduktes sind. Da die Brauvorschriften im Ausland oftmals laxer gehandhabt werden, ist bei einem ausländischen Bier nicht immer davon auszugehen, dass es auch wirklich vegan ist.

Etikette werden in Deutschland – im Gegensatz zu vielen ausländischen Brauereien - auch immer seltener mit tierischem Leim aufgeklebt. Sie können für eine Kaufentscheidung einer konsumbewussteren Klientel ausschlaggebend sein, die lieber auf Alternativen zurückgreift. Das ist beispielsweise der Fall, wenn der Kleber nämlich noch auf Kasein, also Milcheiweiß, basiert und nicht durch eine vegane Alternative ersetzt wurde.

So gelten als tierfreundliche Klebemittel Leime auf Harz-, Kunststoff-, oder synthetischer Basis. Alternativ kommt auch eine auf Maisstärke hergestellte Leimbasis bei der Etikettierung zum Einsatz.

Übrigens: Puristen wehren sich auch gegen einige englische Biersorten, die dem Gebräu traditionell Honig zusetzen und so als Ale vermarkten.
 

Wein – nur vergorener Traubensaft?

Vegane Ernährung ist mehr denn je angesagt, weshalb sich auch einige Winzer so manches haben einfallen lassen, um vom Trend zu profitieren. Einige witterten die Chance und bieten jetzt auch veganen Rebensaft an.

Wein ist zwar vergorener Traubensaft, aber als solcher nicht immer vegan. Problematisch aus Veganer-Sicht wird’s dann, wenn er gefiltert und geklärt werden muss. Denn dazu werden häufig Eiklar, Kaseine, Albumine, Gelatine oder Hausenblase (vom Fisch) verwendet. Das Problem: Für den Ausbau von veganen Weinen dürfen aber keine Hilfsmittel verwendet werden, die in irgendeiner Weise aus der Tierhaltung stammen - also auch keine Milch- und Eiprodukte zur optischen Aufbesserung.

Um also einen markt- und imageträchtigen Vegan-Hinweis auf einem Flaschenlabel drucken zu können, unternehmen viele Winzer einiges an Anstrengungen:

So haben bereits viele auf den traditionellen Zuschlag von tierischem Eiweiß im Wein verzichtet und auf pflanzliche Proteine aus Erbsen oder Weizen umgesattelt. Hühner-Eiweiß aber auch Gelatine wurde seit Jahrhunderten verwendet, um Trübstoffe zu binden, die sich nach dem Prozess absetzen und leichter herausgefiltert werden können.

Um den Gerbstoffgehalt bei Rotweinen zu mindern, wurde dem Wein traditionell Eiklar zugesetzt. Dazu wurden und werden pro 100 Liter Wein ein bis drei vom Dotter getrenntes Hühnereiklar oder eine entsprechende Menge getrocknetes Hühnereiweiß eingesetzt. Der darin enthaltene Wirkstoff Albumin bildet dann mit den Gerbstoffen einen feinkörnigen Niederschlag, der später etwa durch Filtration entfernt wird. Und tierische Gelatine wird eingesetzt, um alle gröberen Partikel im Wein zu binden.

Obwohl seit einem EU-Gesetz von 2012 allergieauslösende Stoffe wie Lysozym, Albumin und Casein ab einem Grenzwert von 0,25 Milligramm pro Liter auf dem Etikett in Form von Piktogrammen angegeben werden müssen, sind Fischgelatine oder -blase nicht deklarationspflichtig.

Als Klär-Alternativen werden von innovativen Winzern mittlerweile natürliche, nichttierische Stoffe wie Mineralerden, Aktivkohle oder pflanzliche Gelatine verwendet – oder teilweise gar auf sedimentierende Stoffe komplett verzichtet und eine Naturtrübung in Kauf genommen. Aktivkohle kann zudem Farb-, Geruchs- und Geschmacksfehler beseitigen.
 

Aktuelle Trends bei Bier und Wein

Besonders Bier- und Wein-Mischgetränke liegen seit wenigen Jahren voll im Trend. Dabei werden Bier & Wein mit Erfrischungsgetränken, wie Limonaden, gemischt. Solche Getränke bestehen in der Regel aus 50 Prozent Bier und Wein. Der Rest wird dann mit nicht alkoholischen Getränken aufgefüllt. Der Alkoholgehalt liegt insgesamt meist zwischen 2,4 Prozent und 2,5 Prozent bei Bier, und zwischen vier und fünf Prozent bei Wein. Dass eine Mischung jedoch auch anders geht, zeigen Slushies, Sneaks & Co.
 

Wein-Slushies – Eiskalt genießen

Wein-Slushies sind ein halbgefrorener Mix aus Wein, Trinkeis und Früchten, der zu Hause ganz einfach selbst gemacht werden:

  1. Früchte schneiden und einfrieren

  2. zusammen mit Wein in den Mixer geben oder

  3. mit dem Pürierstab zerkleinern

  4. Alternativ Eis hinzufügen.

Die fruchtige Note bekommt das erfrischende Sommergetränk mit dem aktuellen Obst der Saison, egal ob Melonen, Kirschen, Citrus- oder Beerenfrüchte. Entsprechend leuchtet der Drink dann auch in der jeweiligen Farbe und macht optisch was her. Als Basis kommt an heißen Sommertagen junger, frischer Weißwein besonders lecker, in Kombination mit den diversen gefrorenen Früchten. Ein Schuss Kokoslikör kann dem Ganzen noch eine exotische Note verleihen.

An kühleren Herbsttagen ist ein temperierter süffiger Rotwein, beispielsweise gemixt mit Schokoeis und Heidelbeeren ein Traum. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt, gefragt sind lediglich Experimentierlaune und Kreativität.

Ein gern getrunkener Beinahe-Klassiker ist der Melonen-Slushie, bestehend aus gefrorener Wassermelone, Minze, Limetten und einem trockenen Weißwein.
 

Sneaks - Wein-Bier-Mischgetränke

Auf die simple wie für viele abwegige Idee, die jahrhundertealte Bierkultur mit der Weinkultur quasi in einem Glas zu vereinen, sind schon so manche Winzer und Braumeister gekommen und warten mit ihren überraschenden Kreationen auf. Da wird die Bananennote von Weißbier mit dem Ananasaroma von Weißburgunder gemixt. Rote Sneaks– so etwa eine Mischung aus Dornfelder und Landbier – sind ebenso Szene-Geheimtipp wie auch ein Produkt einer führenden Weinkellerei, das seit weniger Jahren bereits im Handel ist: Das Kult-Gesöff ist ein Wein-Bier-Mischgetränk aus 56 Prozent Weißwein und 15 Prozent Bier (Pils), ohne zusätzliche Aromastoffe – das Ganze bei einem Alkohol-Gehalt von schlanken 5,5 Volumenprozent. Laut Testfazit schmeckt das Kultgetränk frisch und spritzig - ein absolutes Must Have für laue Sommerabende, Partys und gemeinsame Abende mit Freunden.

Ein neuartiges Hybrid-Getränk wurde auf der diesjährigen Messe „Kulinea“ in Zeil am Main unter dem Namen „Cervinia“ präsentiert. Die Erfindung der unterfränkischen Getränkepioniere besteht aus jungem, trockenem Silvaner und dunklem, höherprozentigem Bockbier. Dabei werden beide Bestandteile nicht einfach nach dem Herstellungsprozess vermischt, sondern bereits beim gemeinsamen Gärprozess vereint.
 

Selbst Bier mischen – die Sodastream Beer Bar

Ein neuer, verrückter (Bier-)Trend macht seit Anfang des Jahres auf sich aufmerksam: Bier zum Selbersprudeln. Ein findiges Unternehmen kam auf die Idee, dem allseits bekannten Wassersprudler jetzt auch einen Biersprudler auf den Markt zu bringen, der zum Bier-Selbermachen einladen soll. Das Ganze benötigt Bierkonzentrat als Basis, das für die Herstellung einer dreifachen Menge an Bier dient. Herauskommen soll standardmäßig ein Pils mit 4,5 Prozent Volumen-Alkohol. Und: Der „Bierbrauer aus dem Wohnzimmer“ hat dabei die Kontrolle über Geschmack und Stärke seines Gebräues selbst in der Hand und kann beliebig variieren. Neben dem Konzentrat bedarf es lediglich eines herkömmlichen Wassersprudlers.

Das Konzentrat kam pünktlich zur Fußball-Europameisterschaft und zur Hauptbiersaison auf den Markt und verspricht, bald mehr als ein Geheimtipp gerade unter einer jüngeren, experimentierfreudigen Kundschaft zu werden.

Allerdings ein Nachteil für Puristen: Neben den obligatorischem Brauwasser, Hopfen und Gerstenmalz findet sich noch artfremdes Glukosesirup im Konzentrat, das wohl für den leichten, malzigen Geschmack verantwortlich sein dürfte.

Laut Tester verspricht das Sirup-Bier, ein netter Gag für die nächste Party zu werden. Eingefleischte Bierkenner und passionierte Biertrinker werden sich jedoch eher dem klassischen Bier oder seinen Craftbeer-Raritäten wie auch neuesten Biermisch-Cocktails widmen.
 

Kurioses und Raritäten - Was es sonst noch so gibt

Dazu zählen neben dem Radler-Klassiker in der Partyszene gängige Kompositionen wie

  • Berliner Weiße (50 Prozent Bier + Himbeer- oder Waldmeistersirup)

  • Diesel (Bier mit Cola)

  • Energy-Weizen (Dreiviertel Weizen und ein Viertel Energy-Drink)

  • Heller Moritz (Weizenbier mit Sekt)

  • Monaco (Bier mit Grenadine)

  • Schuss (hälftig Pils und Malzbier)

  • Affenbier (Weizenbier mit Bananensaft)

  • Russ (Weizenbier mit heller Zitronenlimonade)

Der neueste Szene-Schrei sind Ginger-Biere (Bier plus Ginger Ale), Caipirinha- oder Mango-Mojito-Biere und sogar Biere mit Kaffee-Geschmack (Bier und Cappuccino). Zum echten Szene-Getränk hat sich „Grape“ entwickelt, ein Biermischgetränk aus Vollbier und kalorienarmer Grapefruit-Limonade, das besonders auch von Frauen geschätzt wird.

In der bayerischen Kneipenszene hat sich, inspiriert von der amerikanischen Craft-Beer-Bewegung, abseits der Großbrauereien eine Reihe von Kleinstbrauereien entwickelt, die mit besonderen Kreationen aufwarten. Da finden sich neben Champagner- und Honigbieren auch Blaue Biere (60 Prozent Bier, 40 Prozent Beerenlimonade) und Schoko Biere.

Besonders salzig kommt das Münchener Gurken-Bier daher, das seinem Namen alle Ehre macht: Frische Gurke kommt nämlich beim Gärprozess mit rein.

Bier mit Bourbon-Geschmack, mit Rum, Cognac oder Obstler-Touch runden die kuriose Angebotspalette ab. Beim Obstler-Bier wird helles Bock mehrere Monate in einem französischen Limousin-Eichenholzfass gelagert, bevor es zum Ausschank kommt.

Themen