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Das sind die Vor- und Nachteile von Online-Apotheken

Schon seit über zehn Jahren können Kunden Medikamente auch über das Internet beziehen und obwohl sich dieser Möglichkeit großer Beliebtheit erfreut, herrscht teilweise auch noch eine gewisse Skepsis und die Diskussion um das Für und Wider reißt nicht ab. Laut der BVDVA Versandhandelsstudie aus dem Jahr 2013 kauften etwa 36 Prozent der Kunden von Versandapotheken dort mehr als zehn Mal in den vergangenen drei Jahren.

Der wohl größte Vorteil von Online-Apotheken liegt darin, dass die bestellte Ware per Post bis an die Haustür geliefert wird. Das ist vor allem für akut erkrankte Personen sehr bequem, denn ihnen bleibt somit der Gang zur Apotheke erspart. Kunden können im Internet die Preise vergleichen, denn dank der Aufhebung der Preisbindung für Arzneimittel im Jahr 2005 können Anbieter ihre Preise selbst festlegen, was bei Online-Apotheken meist zu deutlich günstigeren Preisen führt - zumindest bei rezeptfreien Medikamenten. Dies ist insbesondere für chronisch kranke Menschen von Vorteil, die regelmäßig oder in größeren Mengen Medikamente benötigen.

Bequem und preiswert

Wer regelmäßig einkauft, kann je nach Anbieter außerdem von Bonusprogrammen profitieren und damit zusätzliche Rabatte in Anspruch nehmen. Bei größeren Bestellungen fallen bei vielen Anbietern zudem die Versandkosten weg. Viele Online-Apotheken bieten neben herkömmlichen Medikamenten auch weitere Produkte an, etwa aus den Bereichen Naturkosmetik und Wellness. Auch homöopathische Mittel und Kosmetika sind hier zu finden. Damit bieten Onlineapotheken zusätzlich eine große Auswahl an Produkten an, die ansonsten in der Drogerie zu bekommen sind. Hier kann es sich durchaus lohnen, die Einkäufe zu kombinieren und so beispielsweise die Versandkosten zu sparen.

Neben der Bequemlichkeit, dass die Ware per Post kommt, bietet sich vor allem für Berufstätige auch der Vorteil, dass jederzeit eingekauft werden kann und sie sich so nicht an festen Öffnungszeiten orientieren müssen. Bei Bedarf können sie sich ihre Bestellung auch beispielsweise an ihren Arbeitsplatz oder den Nachbarn liefern lassen.

Nicht zu unterschätzen ist auch der Vorteil der Diskretion, denn nicht bei jedem Medikamentenkauf wünschen Kunden den persönlichen Kontakt oder möchten riskieren, dass sie beim Kauf von Bekannten angetroffen werden.

Eingeschränkte Beratung und Wartezeit

Eine häufig angebrachte Kritik ist die fehlende Beratung bei Versandapotheken. Kunden müssen hier meist selbst ihren Beratungsbedarf decken, etwa im Internet oder schon vorab bei ihrem Hausarzt. Allerdings gehen immer mehr Anbieter auf den Beratungsbedarf ihrer Kunden ein und arbeiten mit Krankenkassen zusammen oder bieten eigene Beratungsangebote. Die Medipolis Versandapotheke bietet ihren Kunden beispielsweise die Möglichkeit, in einem Gesundheitsfragebogen zusätzliche Angaben zur Medikamentenversorgung und dem allgemeinen Gesundheitszustand zu machen, sodass bei Bedarf zur jeweiligen Bestellung zu Wechselwirkungen von Medikamenten beraten werden kann.

Wo Kunden von der Lieferung bis zur Haustür profitieren können, müssen sie gleichzeitig aber auch Lieferzeiten von zwei bis vier Tagen in Kauf nehmen. Wer ein Medikament auf Rezept beziehen möchte, muss eine zusätzliche Verzögerung mit einplanen, denn das Rezept darf der Online-Apotheke nicht per Mail oder Fax zugesendet werden, sondern muss im Original per Post eingehen. Wenn es auch gering ist, so besteht hierbei immer auch die Möglichkeit, dass das Originalrezept auf dem Postweg verlorengeht. Dafür ermöglichen die meisten Anbieter den Versand des Rezepts per Freiumschlag, sodass keine zusätzlichen Kosten für Porto entstehen. 

Falls das betreffende Medikament gekühlt aufbewahrt werden muss, kommen weitere Einschränkungen hinzu, denn dieses muss in der Regel in bestimmten Kühlbehältnissen transportiert werden, sodass der Versand in der Regel nicht über das Wochenende durchgeführt wird, um die Kühlkette nicht zu unterbrechen.

Sollen rezeptpflichtige Medikamente von einer Apotheke innerhalb der EU bestellt werden, sollten Kunden sich vorher mit ihrer Krankenkasse in Verbindung setzen und abklären, ob diese die Kosten übernimmt.

Ergebnis

Online-Apotheken bieten insbesondere beim Kauf von rezeptfreien Medikamenten viele Vorteile. Neben den niedrigen Preisen bieten sie viele Annehmlichkeiten wie ein großes Sortiment, die Lieferung nach Hause oder eventuelle Rabatte und Boni für treue Kunden, was vor allem für chronisch Kranke enorme Kostenvorteile bringen kann. Gerade letztere haben auch keinen Nachteil vom eingeschränkten Beratungsangebot, denn sie wissen in der Regel über das jeweilige Medikament und die Einnahme Bescheid. Das Beratungsangebot wird bei Versandapotheken immer größer; so schließen einige Verträge mit Krankenkassen und bieten Beratung per Telefon oder Chat an. Wer allerdings Wert auf eine ausführliche und persönliche Beratung legt, ist bei der örtlichen Apotheke besser aufgehoben.

Da das Geschäft mit Medikamenten per Online-Bestellung so erfolgreich ist, finden sich auf dem Markt natürlich auch unseriöse Anbieter, die nicht immer leicht zu erkennen sind. Besondere Vorsicht ist geboten bei Anbietern mit Sitz im Ausland. Während bei deutschen Anbietern die Zulassung meist leicht überprüft werden kann, ist dies bei ausländischen Anbietern nicht immer der Fall und gerade wenn besonders niedrige Preise geboten werden, sollten Kunden hier besonders wachsam und misstrauisch sein. Ein Blick ins Impressum verrät den Sitz des Anbieters und die Angaben sollten natürlich auch vollständig sein.

Auch sehr aggressive Werbung und der besondere Fokus auf Medikamente, bei denen keine genauen Inhaltsstoffe zu finden sind, sind Anzeichen für einen unseriösen Anbieter. Generell sollte der jeweilige Anbieter ein möglichst umfangreiches Beratungsangebot bereitstellen, sei es über schriftliche Gesundheitsratgeber oder über die Möglichkeit, per Telefon, Chat oder Mail Kontakt aufzunehmen und sich individuell beraten zu lassen.