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Neurodermitis: Wichtige Tipps zum Umgang mit der Hauterkrankung

Eine Betroffene spricht über ihre chronische Krankheit

25.01.2021 12:50 Uhr
Mehr als 3,6 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Neurodermitis, Medine ist eine von ihnen.

Eine Neurodermitis kommt selten allein

Die Ursache einer Erkrankung zu verstehen, kann helfen, besser mit ihr umzugehen. Auch die 27-jährige Medine machte diese Erfahrung. Sie hat Neurodermitis, Asthma und verschiedene Allergien. Dass das kein Zufall sein kann, wurde ihr nach verschiedenen Arztbesuchen und eigener Recherche schnell bewusst. Denn alle Erkrankungen haben einen gemeinsamen Nenner: Die sogenannte Typ-2-Entzündung.

Normalerweise stellt eine Entzündung eine natürliche und hilfreiche Reaktion des Immunsystems dar, um beispielsweise eingedrungene Bakterien zu identifizieren und unschädlich zu machen. Bei bestimmten chronischen Erkrankungen ist das Immunsystem jedoch überreaktiv und reagiert auf eigentlich harmlose Auslöser mit heftigen Entzündungsreaktionen. Eine mögliche Folge dieser Typ-2-Entzündung ist die Entstehung von Neurodermitis. Aber auch Asthma, eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung mit Nasenpolypen und verschiedene Allergien treten gehäuft auf.

Im folgenden Interview erzählt Medine von ihren Erfahrungen und ihrem positiven Umgang mit den verschiedenen chronischen Erkrankungen.

Wie macht sich die Neurodermitis bei dir bemerkbar?

"Je nach Jahreszeit und Stresspegel habe ich immer wieder Ausschläge, die teilweise am ganzen Körper auftreten können, vor allem aber an Stellen wie dem Mundbereich, die Ellen- und Kniebeugen sowie an den Händen macht sich die Krankheit meist bemerkbar. Diese Bereiche sind dann betroffen von starkem Juckreiz und manchmal anschließend von offenen oder sehr trockenen Stellen. Es gibt allerdings auch Phasen, in denen weder Ausschläge noch Juckreiz auftreten. Diese Phase bezeichne ich gerne als 'Erholungsphase' für die Haut."

Hast du neben Neurodermitis, Asthma und Nasenpolypen auch Allergien?

"Ja, ich habe Allergien wie Hausstaub-, Tierhaar- und Nahrungsmittelallergien. Bei einem kürzlich durchgeführten Allergietest wurden weitere Allergien gegen Kobaltchlorid, welches in Modeschmuck, Scheren und Reißverschlüssen verarbeitet wird sowie Perubalsam festgestellt, welches in Kosmetika oder Nahrungsmittel, insbesondere bei Schokolade, vorkommen kann."

Wann haben sich diese Erkrankungen das erste Mal bemerkbar gemacht?

"Sämtliche Allergien kamen nach und nach und traten um Jugendalter auf. Asthma hat sich ebenfalls nach der Diagnose dieser Allergien bemerkbar gemacht."

Wusstest du vor der Diagnose, das mit einer Neurodermitis häufig auch weitere chronische Erkrankungen einhergehen?

"Mit Neurodermitis bin ich ja aufgewachsen, mich gibt es also quasi gar nicht anders. Aber wenn man sich mit der Krankheit befasst und auseinandersetzt, lernt man relativ schnell, dass mit dieser Krankheit ebenfalls weitere Erkrankungen in Verbindung stehen."

Wie gehst du mit diesen Erkrankungen um? Wie beeinflussen sie deinen Alltag?

"Meiner Meinung nach spielt Akzeptanz eine sehr große Rolle. Im ersten Schritt akzeptiere ich die Erkrankung, im zweiten Schritt respektiere ich sie und im dritten Schritt schaue ich, wie ich am besten damit umgehen kann. Ich fordere sie nicht heraus, indem ich mir für mich schädliche Produkte auf die Haut auftrage. Ich komme ihr entgegen und kann damit die Krankheit 'ganz leicht' in meinen Alltag einbinden. Morgens pflege ich sie mit meinen Produkten, damit die Haut genug Flüssigkeit aufnehmen kann, trinke sehr viel, damit auch die Haut von innen gestärkt ist, und bei Bedarf schenke ich ihr mit Cremes mehr Aufmerksamkeit. Damit lässt sich mit der Erkrankung sehr gut leben."

Wenn du Neurodermitis mit einem Satz beschreiben müsstest - wie würde dieser lauten?

"Mein unsichtbarer Freund, um den ich mich kümmern muss."

Hast du Tipps für andere Betroffene?

"Ganz wichtig, egal wie sehr die Krankheit Oberhand gewinnen möchte: Lasst euch eure Lebensfreude und eure liebsten Dinge nicht nehmen."

Vielen Dank für das Interview, Medine!

Tipps zum Umgang mit Neurodermitis

Sicherlich kann man sich fragen: "Warum bin gerade ich betroffen und nicht die anderen?", aber auf Dauer belastet diese innere Einstellung sehr. Viel wichtiger ist es, zu lernen, mit der Erkrankung besser umzugehen und sie als Teil seines Lebens zu akzeptieren. Dabei hilft es meist bereits, sich gut über die Erkrankung zu informieren und einen geeigneten Facharzt an seiner Seite zu haben.

Wer versteht, was die Ursache seiner Erkrankung ist und welche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, kann Ängste und Unsicherheiten schneller abbauen. Dies führt zu einem selbstbewussten Umgang mit sich selbst und Außenstehenden. Wichtige Anlaufstellen für Informationen sind der behandelnde Dermatologe und Patientenschulungen, deren Kosten von manchen Krankenkassen übernommen werden, aber auch Internetplattformen wie www.leben-mit-neurodermitis.info.

Die Haut: Der Spiegel zur Seele

In erster Linie dient die Haut als Schutzbarriere vor Bakterien, Viren und Parasiten. Sie hilft aber auch, die Temperatur zu regulieren und dient als Sinnesorgan. Eine weitere wichtige Aufgabe ist aber auch die Kommunikation. Schließlich wird die Haut nicht umsonst als "Spiegel zur Seele" betitelt. Wir erröten vor Scham, bekommen Gänsehaut, wenn uns etwas tief berührt oder wenn wir Angst haben. Die Haut ist also ein wichtiges Organ zur Kommunikation, das bei Neurodermitis sicht- und spürbar beeinträchtigt ist. Daher ist Neurodermitis mehr als "nur" eine Hauterkrankung, sie belastet emotional und kann sich auf den Berufsalltag und Beziehungen auswirken.

Psychische Belastungen ernst nehmen

Neurodermitis kann in Schüben verlaufen. Diese Schübe kündigen sich selten an und sind meist unvorhersehbar. Sie nehmen keine Rücksicht auf geplante Freizeitaktivitäten oder berufliche Termine. Diese ständige Ungewissheit kann zu einer starken psychischen Belastung führen. Außenstehende können das nur schwer nachvollziehen. Ein Schub kann zu Schlafstörungen führen, die wiederum Reizbarkeit oder geringere Leistungsfähigkeit zur Folge haben können. Zudem meiden manche Betroffene soziale Kontakte - aus Schamgefühl oder Angst vor unerwünschten Blicken.

6 Tipps, um besser mit Neurodermitis umzugehen

  1.  Sie spielen die Hauptrolle in ihrem Leben: Haben Sie mehr Verständnis für sich und ihre Erkrankung. Sorgen Sie für sich selbst, akzeptieren Sie ihre Schwächen und Fehler. Behandeln Sie sich einfach so, wie Sie auch gute Freunde oder Familie in dieser Situation behandeln würden.
  2. Helfen Sie, andere zu verstehen: Es ist nicht immer leicht, über seine Emotionen zu sprechen, aber in diesem Fall hilft es: Sprechen Sie mit den Menschen, die ihnen wichtig sind. Erklären Sie die Erkrankung und was diese für Sie und ihren Alltag bedeutet. Wenn Ihr Umfeld weiß, wie es Ihnen geht, ist der Umgang viel leichter.
  3. Reduzieren Sie Stress: Stress kann zu vermehrtem Juckreiz und Kratzen führen. Deshalb sollten Sie sich regelmäßig Auszeiten gönnen und stressige Situationen meiden. Auch Entspannungstechniken wie zum Beispiel Yoga, Meditation, autogenes Training und Atemtherapie können Stress reduzieren.
  4. Lassen Sie sich von Profis unterstützen: Psychologische Hilfe kann für manche von Neurodermitis Betroffene sinnvoll sein, sobald die psychische Belastung überhandnimmt. Sie hilft, Schwächen zu schwächen und Stärken zu stärken.
  5. Jede Neurodermitis ist individuell: Neurodermitis ist eine komplexe Erkrankung mit unterschiedlichen Facetten, die große Herausforderungen mit sich bringen. Doch je mehr Sie die Erkrankung kennen, desto besser können Sie mit ihr umgehen.
  6. Sprechen Sie mit anderen Betroffenen: Rund 3,5 Prozent der Erwachsenen in Deutschland leben mit Neurodermitis. Neurodermitis ist also weit verbreitet. Dennoch sprechen nur wenige Menschen öffentlich über ihre Erkrankung. Dabei hilft es, sich auszutauschen, Mut zuzusprechen und sich gegenseitig Tipps zu geben. Der neue Blog auf www.leben-mit-neurodermitis.info/blog möchte genau das erreichen, indem er regelmäßig authentische Einblicke in das gibt, was Menschen mit Neurodermitis bewegt.

 


MAT-DE-2006975 v1.0 (12/2020)

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