Wenn Skifahren nicht genug ist

Wintersport für Verrückte

Die Wintermonate stehen vor der Tür. Das bedeutet für viele Freunde der extremen sportlichen Betätigung den vorläufigen Abschied von ihrem Lieblingshobby. Den Anhängern verrückter Sportarten wie Schachboxen, Frauentragen oder Käserennen stellt sich daher die Frage, wo der nächste Adrenalinkick zu bekommen sein könnte. Aber normaler Wintersport? Manchmal reicht der Nervenkitzel einer Schussfahrt einfach nicht aus. Manchmal darf es auch gerne ein wenig mehr sein. Wem der Gedanke an ein gemütliches Weihnachtsfest in trauter Runde doch eher die Nackenhaare aufstellen lässt, der ist vielleicht bereit für eine ordentliche Verrücktheit im Schnee.

Wenn schon auf die Piste, dann richtig

Klar, Skifahren und Snowboarden sind nach wie vor die Klassiker auf den winterlichen Skipisten. Das wird sich auch nicht mehr ändern, heißt aber noch lange nicht, dass sich Pistenaktivitäten darauf beschränken müssen. Tatsächlich sind nicht einmal die rudimentärsten Kenntnisse oder Erfahrungen in Sachen Wintersport nötig, um sich die Berge in Tal hinunterzustürzen. Wie das? Weil Schnee-Zorbing zum Beispiel auf jegliche Gerätschaften verzichtet, die auch nur im Entferntesten an altmodisches Abfahrtslaufen erinnern. Stattdessen gibt es eine große transparente Plastikkugel, in der es rollenderweise den Abhang hinuntergeht. Ein Mindestmaß an Vorsicht ist dennoch geboten: Das unfallfreie Einhalten des Kurses erfordert einiges an Kraft, wegen des potenziellen Verletzungsrisikos bleibt Zorbing auf ungefährlichere Pisten beschränkt.

Wem das Rumkugeln zu umständlich und Schlittenfahren zu langweilig ist, darf sich gerne am Airboarding versuchen. Was zunächst wie eine unangenehme Foltermethode klingt, ist das neue Rodeln für Tempo-Junkies. Statt auf dem Schlitten geht es kopfüber auf einer Art aufblasbaren Luftmatratze den Berg runter. Gebremst wird – wenn überhaupt – mit den Beinen. Sicherheitshalber sollte ein Helm der ständige Begleiter eines Airboarders sein.

Nahezu klassisch kommt dagegen das Nacktrodeln daher. Wie in Kindertagen wird die Piste mit dem Schlitten unsicher gemacht – nur eben ohne Klamotten und lediglich mit einer Unterhose ausgestattet. Kälteempfindliche Wintersportler sollten hier also lieber passen und sich stattdessen an einem Böckl versuchen. Das ungewöhnliche Wintersportgerät stammt aus Südtirol und besteht aus nicht viel mehr als einer mit Handgriffen versehenen Sitzplatte auf einem einzelnen Ski. Die Abfahrt erfordert dementsprechend etwas Übung und ungleich mehr Gleichgewichtssinn. Wettbewerbsorientierte können sich über diverse Abwandlungen des ursprünglichen Böckl freuen, die vom Renn-Böckl bis zum Doppelsitzer reichen.

Auch für passionierte Radfahrer gibt es mittlerweile das passende Sportgerät: Snowbikes sind selbst für Anfänger einfach in der Handhabung, erlauben zügige Abfahrten genauso wie gemütliches Carven und sind denkbar gut geeignet für das berühmte Bauch-Bein-Po-Training.

Natürlich gibt es auch für Skeptiker, die nichts mit den neumodischen Geräten anfangen können, eine Möglichkeit den Skiurlaub aufzupeppen. Und zwar in bester James-Bond-Manier. Anders jedenfalls lässt sich Helicopter Skiing kaum umschreiben. Nicht mit dem Skilift, sondern mit dem Hubschrauber geht es für die Skifahrer und Snowboarder, die ausreichend Mut aufbringen können, auf den Berg. Oben angekommen geht es dann jenseits der normalen Pisten durch den unberührten Schnee zurück, meist in Begleitung des Helikopters. Neben der Gefahr für die Teilnehmer besteht durch das Fahren abseits der eigentlichen Routen unter Umständen Lawinengefahr. Eine gute Portion Erfahrung und ein ausreichend geschulter Führer sind daher ein Muss für diejenigen, die den Höhenflug wagen wollen.

Der Berg ruft, aber nicht jeden

Was tun, wenn es einen so gar nicht auf die Skipisten zieht, aber auf ein Wintersporterlebnis der anderen Art nicht verzichtet werden soll? Wenn man eigentlich eher der Typ sommerlicher Wassersportler ist, aber draußen nun mal der Winter herrscht? Ist alles gar kein Problem mehr, denn Sportarten, die sonst nur auf Meeren, Seen oder Flüssen möglich sind, lassen sich ohne weiteres auf Schnee und Eis austragen. Noch dazu muss auf den Genuss der Geschwindigkeit wie bei der Pistenabfahrt gar nicht verzichtet werden.

Im Gegenteil. So erlaubt das Snowfen, also das Surfen auf dem Eis, durchaus auch mal ein Tempo von bis zu 80 km/h, was erfahrene Windsurfer wahrscheinlich nicht abschrecken, aber doch zumindest freuen dürfte. Wer also sonst nur auf dem Surfbrett steht und kein Geld für ein Snowboard ausgeben möchte, der kann theoretisch einfach Kufen unter sein Bord packen, das Segel in den Wind drehen und abdüsen.

Ähnlich funktioniert das Ganze beim Skijöring. Diese skandinavische Trendwintersportart hat den Umweg vom Skifahren über das Wasserskifahren zurück in den Schnee gemacht. Da Boote leider nicht auf Schnee und Eis manövrieren können, müssen eben andere Fortbewegungsmittel herhalten. Der Fantasie sind hier im Grunde keine Grenzen gesetzt, egal ob vorne ein Motorrad, ein Pferd, ein Hundeschlitten oder irgendetwas anderes am Seil zieht. Hauptsache, der Gezogene am hinteren Ende hat seinen Spaß. Und ausreichend Vertrauen zum Fahrer vorne, denn das ist eine absolute Voraussetzung für ein unfallfreies Fahrvergnügen ist.

Es geht auch härter – muss aber nicht

Abschließend noch zwei Trendsportarten in den Härtegraden „extrem“ und „beschaulich“. Letzteres bezieht sich auf eine vergleichsweise entspannte Runde Winter-Golf. Zugegeben, das ist nicht übermäßig verrückt, aber immer noch eine lohnende Alternative für diejenigen, die während der Wintermonate ihre geliebten Grüns allzu sehr vermissen sollten. Zwar ist die Zahl der bespielbaren Löcher meist etwas kleiner als beim normalen Golf und die Kurslängen reduziert. Aber dafür ist es im Grunde überall spielbar, wo Schnee liegt. Vom Gletscher bis zum zugefrorenen See ist nahezu alles denkbar.

Mehr als nur ein bißchen extremer ist das Unterwasser-Hockey. Das ist einigen vielleicht schon ein Begriff, hat allerdings mit der im Schwimmbecken ausgetragenen Variante nur bedingt zu tun. Das liegt schon daran, dass die winterliche Alternative draußen gespielt wird, beispielsweise in einem See. Unter einer Eisdecke. Ohne Atemgeräte. Die Jagd nach dem Styropor-Puck ist somit eher für geübte Schwimmer und Taucher geeignet, auch wenn selbstverständlich für eine ausreichend große Zahl von Atemlöchern gesorgt ist.

Egal also ob Sommer oder Winter, wer sein Adrenalin beim Sport braucht, der kann das in jedem Fall bekommen. Bei einer ausreichend großen Versorgung der Blutbahn mit dem Hormon sind dann sicherlich auch die knackigen Außentemperaturen kaum noch ein Thema.