Kreatives zwischen Kräuter, Kiste und Kartoffel

So wird der Garten preiswert zum Eyecatcher

Aus Alt mach Neu: Die Idee, Ausrangiertes wieder in neuem Gewand nutzbar zu machen, nicht mehr Verwendetem mit neuem Kleid neues Leben einzuhauchen ist so neu nicht. Schon der Recycling-Begriff, der in den 70er Jahren die Bühne der Welt eroberte und Einzug in die Lebenswirklichkeiten tausender Bürger hielt, setzt an der Vision an: Alles einem Wertstoffkreislauf zuzuführen, möglichst nichts wegzuwerfen und mit teilweise beträchtlichem Energieaufwand aus Altem in Endlosschleifen beständig Neues, aber in ursprünglicher Funktion herzustellen - und so ganz nebenbei dabei Müllberge reduzieren helfen.

Kunst trifft Nutzen – Eine fruchtbare Verbindung

Doch geht die alte Konzeption vielen in heutiger Zeit nicht weit genug: Das eigentlich gar nicht Neue wird etwa nicht neu aus altem recycelten Material hergestellt. Vielmehr wird Bestehendes durch einen neuen Anstrich, neue Farbe oder ergänzten Details mit wenig Energieeintrag mitunter radikal umfunktioniert und zu völlig Neuem zweckentfremdet. Dabei lässt sich auch ein gewisser künstlerischer Anspruch nicht leugnen, der beim liebevollen Umgestalten des Hobby-Schöpfers oftmals mitschwingt.

So wird aus einem Autoreifen einfach schnell eine hippe, bunt bemalte Blumenbeet-Umrandung, aus einer alten Badewanne Skulptur und Vogeltränke zugleich oder aus alten verrosteten Metallteilen originelle Pflastergestaltung – kurzum: Upcycling nennt sich der Trend, der seit wenigen Jahren auch die Gärten zwischen Kiel und Berchtesgaden erobert hat und sehr zur Freude der Umwelt und des Geldbeutels seiner Anhängerschaft beliebte Freizeitbeschäftigung so mancher selbsternannter Künstler geworden ist.

Erlaubt ist dabei grundsätzlich was gefällt, denn Upcycling im Garten soll zuallererst Spaß machen und ihre Schöpfer angesichts des neuen Kunstwerks auch mit einer gewissen Portion Stolz erfüllen.

Der Wegwerfgesellschaft sinnvoll getrotzt

Apropos Badewanne: Alte Zinkwannen etwa, die einst als willkommene Badezuber für die Kleinsten für Extra-Abkühlungen an heißen Sommertagen dienten, lassen sich kurzerhand in ausgefallene saisonale Pflanzgefäße etwa für Sonnenblumen oder Topinambur im Spätsommer oder die ganze Saison über für diverse Stauden aber auch Gemüsepflanzen neu in Szene setzen. Oder wie wäre es mit einem alten Einkaufswagen in gleicher Funktion? Als besonders vorteilhaft erweist sich hierbei, dass das ganze Ensemble – funktionierende Rollen vorausgesetzt – auch noch bequem transportabel ist.

Neu in Szene gesetzt werden können auch ausgediente, bemalte Blumentöpfe aus Ton, die mittels Kordel umgekehrt an Sträucher und Bäumen aufgehängt nicht nur originell wirken, sondern auch ökologisch wertvoll sein können. So bieten sie mit Stroh gefüllt auch willkommenen Unterschlupf für zahlreiche Nutzinsekten, die mithelfen, das Biotop Garten im ökologischen Gleichgewicht zu halten. So können auch ausgediente Handtaschen zu Hängeblumenampeln upgecycelt werden und aufgehängt ein zweites Leben geschenkt bekommen.

Dass aber auch selbst Upcycling eigentlich so neu gar nicht ist, beweisen Beet-Umrandungen gerade vieler älterer Schrebergärten, wo Opa einst instinktiv aber ohne Upcycling-Anspruch und -Bewusstsein leeren Weinflaschen neuen Sinn gab. Oder für die Kleinen große ausgediente LKW-Reifen mit Kette am Baum befestigt eine Schaukel selbst baute. Not kann eben auch erfinderisch machen, gerade auch in der Nachkriegszeit, wo es nichts gab – nur hätten die kreativen Omas und Opas dieser Welt mit dem Begriff Upcycling nicht viel am Hut gehabt.

Oder wie es wäre es etwa mit einem ausrangierten Kugelgrill, das abgedichtete Gehäuse bietet je nach Größe genügend Platz für ein kleines Feuchtbiotop, angelegt etwa mit Wasserlinsen oder Wasserpest. Die Frösche werden die kleinen künstlichen Mini-Teiche im zeitigen Frühjahr zu schätzen wissen, wenn für Nachkommenschaft gesorgt werden soll. Und eigene monetäre Ressourcen schont es auch, wenn Behältnis und Spezialfolie gespart werden. Als besonders wirkungsvoll erweist sich hierbei gleich ein ganzes Ensemble dieser winzigen Biotope in unmittelbarer Nähe, vielleicht in einem bestimmen Muster angeordnet, mit Kiesflächen dazwischen?

(Alltags-)Kunst fast zum Nulltarif

Fast schon als Klassiker in der Upcycling-Szene erweisen sich dagegen hübsch bepflanzte Gummistiefel, Schuhe, Jeanshosen aber auch Stühle. Bei geeigneten Sitzmöbeln muss lediglich dafür die Sitzplatte entfernt und etwa Maschendrahtzaun am Innenrand festgetackert werden. Anschließend das Ganze noch mit einer alten, mit Löchern versehenen Folie auskleiden und mit Blumenerde befüllen. Kies als unterste Drainageschicht hilft, Staunässe zu vermeiden. Besonders dekorativ wirken Moosmatten als oberste Lage und Verdunstungsschutz zugleich. Dazwischen kann je nach Lust und Laune so einiges an Zwiebelblumen seinen dekorativen Platz finden.

Besonders dekorativ sind auch entsprechend beschriftete alte Flaschenkorken auf Holz-Fleischspieße aufgesteckt in Kräuterbeeten oder -töpfen. Rindenmaterial der Korkeiche ist überhaupt ein vielseitig verwendbares, leicht zu bearbeitendes Naturmaterial, das etwa auch – zu Plättchen geschnitten und mit Draht verbunden - als Topfuntersetzer eine gute Figur macht.

Eine gute Figur machen auch selbstgebastelte Deko-Girlanden aus gebrauchten Kaffee-Pads für die nächste Gartenparty. Neben den Kunststoffklammern braucht es nur noch Bast und eine Schere und schon kann es mit Upcyceln losgehen.

Als Garten-Deko eignen sich auch als Marienkäfer bemalte Motorradhelme, mit Stiel versehene Fahrrad-Speichenräder als Windspiel oder auch ehemalige Stoßdämpfer-Stahlfedern als kunstvolle Stelen-Objekte – der Fantasie scheinen nahezu keine Grenzen gesetzt.

Einfach, originell und nützlich zugleich geht es auch bei angepfropften Haushalts-Saugglocken zur Abflussreinigung als Wandhaken zu, die sich in Sekundenschnelle an einer glatten Oberfläche wie etwa am Gartenhäuschen befestigen lassen. Dekorativ und nützlich zugleich können auch alte, mit Löchern versehene Schubladen als Mini-Kräuterhochbeete sein.

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