Adele Neuhauser über den "Tatort" und Gewalt unter Jugendlichen
Bald ist Schluss für Adele Neuhauser (67) als "Tatort"-Kommissarin Bibi Fellner. Doch bevor es soweit ist, wird ihr in ihrem vorletzten Fall noch einmal alles abverlangt. Im "Tatort: Gegen die Zeit" musste sie den Mord an einem Heimleiter aufklären und gleichzeitig das Vertrauen der tatverdächtigen Jugendlichen gewinnen. Ein Drahtseilakt!
Hebt der "Tatort: Gegen die Zeit" noch einmal die Stärken von Bibi Fellner hervor?
Adele Neuhauser: "Unser neuer Fall zeigt auf eine spannende Art und Weise, was man in Krimis interessanterweise selten sieht: die Recherche der Kommissare. Sie versetzen sich in das Geschehen wenige Stunden vor der Tat, in das Erlebte der Jugendlichen und ihrer Betreuer."
Ihre Rolle ermittelt in einer Wohngemeinschaft für Jugendliche. Wie bewegt sie sich dort?
Adele Neuhauser: "Zurückhaltend und mit Bedacht. Und das Wichtigste: Sie und ihr Kollege hören erst einmal zu."
Nimmt Bibi Fellner dieses Mal also besonders viel Rücksicht?
Adele Neuhauser: "Die Kommissare wissen, alle Bewohner der WG haben ihr Päckchen zu tragen, sie sind nicht gefestigt in ihrer Psyche, sondern labil und emotional aufbrausend. Aber die Kids stehen nun einmal in Verdacht, den Leiter ihrer Einrichtung erschlagen zu haben. Und es ist ihr Job als Kommissare, jeden Einzelnen aus der Gruppe abzuklopfen.
Empfinden Sie persönlich eine große Wertschätzung für die Arbeit von Sozialpädagogen?
Adele Neuhauser: "Absolut. Man darf Kinder mit ihren Sorgen nicht allein lassen. Ihre psychische Belastung ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Die Corona-Pandemie hat bei vielen seelische Spuren hinterlassen, es folgt eine weltpolitische Krise auf die nächste."
Inwiefern zeigt sich das im Verhalten der Kinder?
Adele Neuhauser: "Bei Kindern und Jugendlichen schürt das Zukunftsängste. Eine psychologische Betreuung ist enorm wichtig, weil die Kinder diese Krisen noch nicht so einordnen können und in große Emotionalität, auch aggressives Verhalten, umsetzen. Die Gewalt unter Kindern und Jugendlichen nimmt zu, die Hemmschwellen werden immer niedriger. Leider wird der Wert der Sozialarbeit für die Gesellschaft oft unterschätzt."
Dieses Interview erschien zuerst in der aktuellen Ausgabe der "Viel Spaß" - jede Woche neu am Kiosk!





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