Bill Kaulitz: "Aus Scham habe ich es oft niemandem erzählt"
Für viele ist Bill Kaulitz (36) ein echter Superstar, der von allen Seiten umschwärmt wird. Doch das war nicht immer so, gesteht der Sänger im Interview mit "Stern". Queerfeindliche Übergriffe gehörten in seiner Jugend zum Alltag. "Damals gab es Situationen, in denen mir die Hose runtergezogen wurde oder mir im Schwimmbad zwischen die Beine gefasst wurde", erinnert sich der Zwillingsbruder von Tom Kaulitz. So habe man "prüfen" wollen, ob er ein Mädchen sei. "Das war für mich fast normal, und aus Scham habe ich es oft niemandem erzählt", gesteht der Tokio-Hotel-Frontmann. "Ich trage diesen Schmerz immer noch in mir."
"Ich weiß, dass ich mich wehren kann"
Dank seines Umfelds und seiner Wahlheimat Los Angeles könne Bill Kaulitz nun auch über diese Übergriffe sprechen. "Weil ich ein anderes Selbstbewusstsein habe, das es mir ermöglicht, meinen Schmerz von damals einzuordnen", erklärt der Musiker. "Vielleicht sogar zu vergessen."Zudem müsse er sich gefährlichen Situationen in U-Bahn oder im Supermarkt nicht mehr aussetzen.
Ich kann heute mit meinen Haaren und meinen 'Penisschuhen' hier sitzen, weil ich weiß, dass ich mich wehren kann. Aber ich weiß, dass das für viele andere nicht die Realität ist,
so Bill Kaulitz weiter. An andere Homosexuelle appelliert er daher: "Seid mutig, traut euch, ihr selbst zu sein. Nichts ist schwieriger, aber es lohnt sich." Die Vergangenheit habe er inzwischen hinter sich gelassen und reiste für "Kaulitz & Kaulitz" sogar zum Klassentreffen in seine frühere Heimat. "Für mich war das sehr heilend", sagte Bill. "Ich mag nicht gerne so einen Groll mit mir rumtragen."
Verwendete Quellen: Stern, dpa






