Milla Jovovich im Interview

Erotik findet im Kopf statt

Milla Jovovich fühlt sich in vielen Bereichen zu Hause. Ob Topmodel, Designerin, Schauspielerin oder Musikerin, Milla Jovovich scheint alles zu gelingen. OK! verrät Milla was sie mit ihrem Mann Paul Anderson verbindet und warum das Paar erst im

Hat sich Ihr Leben seit der Geburt Ihrer Tochter Ever Gabo sehr verändert?

Das kann man wohl sagen! Bei mir dreht sich seit dem 3. November alles um sie. Aber ich habe mich bereits während der Schwangerschaft verändert. Mir wurde immer mehr bewusst, dass nun ein Lebensabschnitt zu Ende geht und ein ganz neuer beginnt.

Heißt das, Ihr wildes Leben ist nun vorbei?

Wie das klingt – wildes Leben! Diese Phase hatte ich schon länger hinter mir. Als Teenager und mit Anfang 20 habe ich es öfter krachen lassen. Zugegeben, dabei bin ich einige Male übers Ziel hinaus geschossen …

Das war nach Ihrem Durchbruch als Model?

Genau. Ich war mit 15 immerhin schon vier Jahre als Model im Geschäft. Plötzlich hatte ich jede Menge Geld und wurde von Starfotografen wie Herb Ritts umworben. Dazu noch die vielen ­Partys und First-Class-Flüge – das kann einem ziemlich zu Kopfe steigen. Irgendwann wurde mir zum Glück klar, dass ich mit diesem Lebensstil aufhören muss, wenn ich mit 25 nicht die Schlankeste auf dem Friedhof sein wollte.

Ihre zwei Ehen (Anm. d. Red.: Die Ehe mit Schauspieler Shawn Andrews wurde 1992 nach einem Monat annulliert, mit Regisseur Luc Besson war sie von 1997 bis 1999 verheiratet) gaben Ihnen anscheinend nicht den richtigen Halt …

(lacht) Ja, sieht ganz so aus.

Und wie war das mit den vielen Affären?  

Moment mal! Zwei Ehen haben nicht funktio-niert, das stimmt. Aber dass ich reihenweise Affären gehabt hätte, ist nicht wahr. Wenn ich mich einmal verliebe, bin ich eine treue Seele.

Es sieht tatsächlich so aus, denn sonst wären Sie wohl kaum wieder mit dem Vater Ihrer Tochter, dem Regisseur Paul Anderson, zusammen.

Manchmal spielt einem das Leben schon seltsam mit. Paul und ich haben während unserer Trennung gespürt, dass wir uns immer noch lieben. Jetzt haben wir sogar eine wunderbare Tochter, ein echtes Wunschkind. Seit es sie gibt, habe ich mich keine Sekunde mehr allein gefühlt. Für die nächsten Jahre wird das Wichtigste in meinem Leben meine Kleine sein. Ich werde sie überall hin mitnehmen. Und wenn sie mit vier Jahren in die Vorschule kommt, hat es mit dem Herumreisen erst mal ein Ende.

Wie haben Sie Paul kennengelernt?

Das war vor gut sieben Jahren beim Dreh zum ersten Teil von „Resident Evil“. Paul hat mich unter vielen Schauspielerinnen ausgesucht, das hat mich umgehauen! Nichts ist erotischer, als wenn ein Mann einen bewusst wählt. Ich hatte schon beim ersten Date Schmetterlinge im Bauch. Da wusste ich: Es wird ernst.

Mal dazwischengefragt: Käme Sex ohne Liebe überhaupt für Sie infrage?

Für einen One-Night-Stand war ich nie zu haben, ich muss bis über beide Ohren verliebt sein. Ein Mann, der mich anspricht, muss etwas Spezielles haben, vor allem Humor! Intelligenz schadet sicher auch nicht. Und wenn er mich überraschen kann, hat er schon fast gewonnen. Erotik findet zuerst im Kopf statt. Und ganz ehrlich: Das Aussehen ist mir am wenigsten wichtig. Es gibt da etwas, das ich gerade in letzter Zeit viel mehr zu schätzen gelernt habe: Vertrautheit. Vertrautheit wächst mit der Liebe – und umgekehrt. Das hat mir schon meine Mutter immer gesagt.

Sie sind schon ziemlich lange verlobt. Wann werden Sie endlich heiraten?

Wenn wir die Zeit dazu finden! Mit einem ­dicken Bauch wollte ich nämlich nicht vor dem Altar stehen. (lacht) Und als frischgebackene Mutter habe ich jetzt einfach anderes zu tun.

War Ihre Mutter Ihr Vorbild, als Sie jung waren?

Ja, immer noch. Sie war und ist eine außerordentliche Künstlerin und Schauspielerin.

Und im richtigen Leben?

Auch – und natürlich mein Vater. Ich war gerade fünf Jahre alt, als ich mit meinen Eltern (Anm. d. Red.: ein jugoslawischer Arzt und eine ukrainische Schauspielerin) aus Kiew nach Los Angeles auswanderte. Das war ein sehr großer Schritt, der uns als Familie sehr zusammengeschweißt hat. Wenn das Geld mal wieder nicht gereicht hat, ist sie einfach putzen gegangen und hat mir so Tanz- und Schauspielunterricht ermöglicht. Das werde ich ihr nie vergessen.

Haben Sie jetzt Ihren Platz in der Welt gefunden?

Ich hoffe doch sehr! Ich spüre sehr deutlich, dass ich angekommen bin. Ich habe eine Familie, einen Mann und eine Tochter, die ich über alles liebe. Ich bin sehr, sehr gern Mutter. Das Schicksal meint es gut mit mir.

Vermissen Sie nichts?

Wenn man älter wird, verliert man etwas von seiner Unschuld. Man ist nicht mehr so naiv, so offen. Das vermisse ich manchmal.

Und was vermissen Sie überhaupt nicht?

Ich hoffe, dass ich nie wieder Tampon-Werbung machen muss! (lacht) Früher lebte ich in einer Fantasiewelt, heute bin ich ein Fan der Realität. Ich bin eine richtige Leseratte. In meinem Haus in Beverly Hills habe ich eine riesige Bibliothek. Ich sammle vor allem kostbare Erstausgaben. Zurzeit stehe ich total auf Charles Dickens. Ich kann es kaum erwarten, meiner Tochter all die schönen Geschichten vorzulesen.

Werden Sie denn weiterhin Filme machen?

Aber ja, warum denn nicht? Es gibt doch viele Schauspielerinnen, die Beruf und Privatleben gut unter einen Hut bringen. Natürlich werde ich ein bisschen kürzer treten, aber ans Aufhören habe ich, ehrlich gesagt, nie gedacht.

­Ulrich Lössl