Anastacia im großen Interview

Die Sängerin lebte mit einer Lüge

Sängerin Anastacia im großen Interview: Sie lebte mit einer Lüge. Nach dem Brustkrebs-Drama kam das Glück, die Sängerin heiratete ihren Bodyguard, der ihr die Kraft gab, endlich die Wahrheit zu sagen.

Sie ist Vorbild für viele. Anastacia, die Powerfrau mit der Ausnahme­stimme, die sich von der kleinen Tänzerin zum Superstar hochboxte. Und die 2003 den Brustkrebs besiegte, anderen Mut machte – auch, weil sie so ehrlich war. Bis auf eine Sache: Anastacia schummelte sich sechs Jahre jünger, wie sie jüngst zugab. Dieses Geständnis mag viele Fans der US-Sängerin verwirrt haben. Im Interview mit OK! verrät uns die 39-Jährige, warum sie
jahrelang gelogen hat.

Fühlen Sie sich zu alt?
Ganz und gar nicht. Ich bin stolz darauf, demnächst 40 zu werden. Das ist doch ein großes Geschenk.

Aber warum haben Sie sich dann jahrelang jünger gemogelt?
Nicht unbedingt eine Heldentat, ich weiß. Aber das hatte sich damals so ergeben. Meine Plattenfirma schlug mir am Anfang meiner Karriere vor: Sag doch, dass du erst 24 Jahre alt bist. Das passt gut zur Musik, gut zu MTV. Du bekommst mehr Fans und so weiter.

Und Sie haben sich sofort darauf eingelassen?
Ich war bereits 30, trotzdem aber noch unerfahren im Business und auf eine Weise auch naiv. Verstehen Sie mich nicht falsch, mich hat niemand unter Druck gesetzt. Doch wenn einem gesagt wird: „Das gehört dazu, das machen alle, das ist normal im Showgeschäft“, dann lässt man sich überreden.

Auch zu Schönheitsoperationen?
Das sollte man immer für sich selbst entscheiden. Ich finde es grundsätzlich in Ordnung, Botox zu benutzen oder sich unters Messer zu legen. Genauso okay ist es, wenn man zu seinen Falten oder Speckröllchen steht. Hauptsache, man fühlt sich wohl.  

Und wie haben Sie sich bei Ihrer kleinen Alterslüge gefühlt?  
Ehrlich gesagt, habe ich mich am Anfang recht schwer damit getan. Auch weil ich manchmal noch in Interviews durcheinanderkam, wie alt ich denn nun bin.

Sie hätten die Sache aufklären können.
Wollte ich auch, aber ich wusste nicht recht, wie. Und dann kam der Krebs.

Welchen Einfluss hatte Ihre Brustkrebs-Erkrankung darauf?
Ich wurde noch unsicherer, wie ich mich verhalten sollte. Auf der einen Seite habe ich in Interviews ganz offen über meine Krankheit gesprochen. Andererseits war da diese Lüge. An erster Stelle stand für mich jedoch, den Krebs zu bekämpfen. In so einer Situation hat man andere Sorgen, als sich um Unwahrheiten zu scheren. Aber nachdem ich meine Plattenfirma gewechselt und ein neues Album aufgenommen hatte, kam jetzt endlich die Gelegenheit dafür.

Wie hat die Krankheit Ihre Sicht auf das Leben verändert?
Klar, man lernt das Leben mehr zu schätzen und intensiver zu genießen. Dennoch war es nicht nur der Krebs, es sind viele Dinge, die da zusammengekommen sind und mir eine neue Perspektive eröffneten. Ich bin in einem Alter, in dem die innere Uhr lauter tickt. Und obendrein habe ich den Mann meines Lebens getroffen und ihn geheiratet.

Sie haben lange ein Geheimnis aus der Liebe zu Ihrem Bodyguard gemacht. Wie wichtig war es Ihnen nun zu heiraten?
Das war etwas, was wir beide unbedingt wollten. Ich bin in dieser Hinsicht schon sehr traditionell eingestellt, ohne besonders religiös zu sein. Eher romantisch. Das Ja-Wort haben wir uns am Strand in Mexiko gegeben.

Warum gerade Mexiko?
Die Zeremonie sollte an einem exotischen Ort stattfinden. Uns schwebte zuerst eine kleine karibische Insel vor. Also haben wir uns informiert und dabei festgestellt, dass eine Feier auf so ­einem Eiland viel zu teuer ist.

Ernsthaft?
Nicht unbedingt für uns. Aber für viele un­serer Gäste. Es wäre einfach nicht fair gewesen, Freunden und Verwandten diese ­astronomisch hohen Hotelpreise zuzumuten. Natürlich haben wir einen Teil der Leute auch einge­la­den. Aber insgesamt waren es an die 80 ­Gäste. Außer­dem hat Mexiko für uns eine ­besondere Bedeutung.

Was meinen Sie damit?
Wir haben dort unseren ersten gemeinsamen Urlaub verbracht. Mein Mann hatte das damals organisiert und mir vorher nicht verraten, wohin die Reise geht. Ich sollte nur meinen Pass einstecken. Eine sehr süße Idee von ihm. Und übrigens auch das erste Mal, dass ich überhaupt mit einem Mann in die Ferien gefahren bin.

Sie scherzen!
Wirklich. Vorher hatte mich noch nie ein Freund gefragt, ob ich mit ihm verreisen möchte.

Was lieben Sie an Ihrem Mann?
Nur so viel: Durch ihn habe ich wieder zu mir selbst gefunden und gelernt, wie man einen Gang zurückschaltet.

Sie meinen Ihre kleine Karrierepause?
Eine Pause, die ich dringend nötig hatte. Nach sechs Jahren auf der Bühne, den Tourneen, meiner Krankheit musste ich verschnaufen und mir viele Fragen stellen: Was willst du eigentlich noch erreichen? Was bekommen? Wohin soll es gehen im Leben? Und ich denke, ich bin auf einem guten Weg.

Inwiefern?
Jahrelang hatte ich meine besten Freunde vernachlässigt, war oft zu Weihnachten nicht zu Hause bei meiner Familie. Es war also an der Zeit, mal wieder eine richtig große Party mit allen Leuten zu machen, die mir wirklich etwas bedeuten. Die Feier habe ich dann in Las Vegas geschmissen …

Was ist Ihnen neben Freundschaft noch wichtig im Leben?
Dass man glücklich ist, zufrieden mit sich selbst. Und das ist bei mir jetzt endlich der Fall.

Dennis Kayser