Verona Pooth: Das vollständige Interview

Exklusiv für OK!

Verona Pooth: Ihr vollständiges Interview für OK! - Die Insolvenz ihres Mannes Franjo hatte im Januar einen dunklen Schatten auf Veronas Leben geworfen, sogar von Beziehungsproblemen war die Rede. OK! hat jetzt exklusiv mit ihr über Krise,

Der Spiegel muss bitte ein Stückchen mehr nach rechts gestellt werden, noch etwas, Stopp! Verona Pooth streift sich eine Pyjamahose über die schlanken Beine, rückt ihr Dekolleté zurecht, zupft hier, zuppelt da, mustert sich von oben bis unten – bis sie schließlich optimal herausgeputzt ins Bett krabbelt und den Anwesenden zuflötet: „So, kann losgehen!“ – das entscheidende Kommando für die Fotografin. Einen Tag lag steht uns Verona in einer Suite des Berliner „Schlosshotel Vier Jahreszeiten“ Modell. Wobei die 40-jährige Werbe- und Show-Fachfrau keinen Faltenwurf, keine Pose und keinen Ausdruck dem Zufall überlassen möchte. Sie sagt, dass sie „ein echter Kontrollfreak“ sei.

Für den akkuraten Lidstrich saß Verona zuvor drei Stunden in der Maske. Alles in allem: die perfekte Inszenierung – so lange, bis irgendwann ihr Sohn San Diego das Zimmer entert! Wie ein Wirbelwind fegt der Fünfjährige durch den Raum, springt auf Mamas Schultern, die plötzlich Frisur Frisur sein lässt und die Kontrolle über ihre Kontrolle verliert. Sie juchzt auf, rauft mit ihrem Sohn, nennt ihn lachend „Mosquito“, weil San Diego so flink, klein und gefährlich ist, wie sie sagt.

Gefährlich süß. Und nur mit Smarties zu bändigen, die von Veronas Assistentin eiligst aufs Bett gestreut werden. Während er Schokolade isst, erzählt der Kleine von seiner Geburtstagsparty: dass er ein Baumhaus bekommen hat und eine Gitarre. Verona streicht ihm zärtlich durchs Haar. Man spürt: Nichts ist Verona wichtiger als ihr kleiner „Mosquito“. Besonders jetzt will sie für ihn da sein, ihn beschützen in Zeiten, wo es für seine Mutter alles andere als lustig zugeht. Die Insolvenz ihres Mannes Franjo hatte im Januar einen dunklen Schatten auf Veronas Leben geworfen, sogar von Beziehungsproblemen war die Rede. OK! hat mit ihr über Krise, Kind und Karriere gesprochen …

Hat die Millionenpleite Ihres Mannes Franjo Sie auch in eine private Krise gestürzt?  
Im Gegenteil. Letztlich hat uns die Situation noch enger zusammengeschweißt. Franjo hat gemerkt, dass ich hundertprozentig zu ihm stehe. Auch wenn uns stets bewusst war, dass uns nichts trennen kann, war es eine sehr harte Zeit für uns. Ich habe selten so eine schwere Krise in meinem Leben gemeistert, weil meine ganze Familie betroffen war.

Wissen Sie schon, wie es in dieser Angelegenheit weitergeht?
Ich bin sehr zuversichtlich, dass das Thema „Maxfield-Insolvenz“ bis zum Ende des Jahres abgeschlossen ist.

Hat Franjo sich für Ihre Unterstützung bedankt?
Und wie. Wenn alles durchgestanden ist, möchte er mich noch mal heiraten. Er meinte: „Ich werde dich irgendwo auf der Welt mit einer zweiten Hochzeit überraschen. Und du brauchst dich um nichts kümmern.“ Das hat mich total berührt, besonders, wie er es zu mir gesagt hat. Es ist einfach so aus ihm herausgesprudelt.

Hört sich äußerst leidenschaftlich an …
Unsere Beziehung ist eben auch nach acht ­Jahren alles andere als langweilig.

Meist geben Sie sich öffentlich als starke Frau. Aber was sind denn Ihre Schwächen?
Ich bin sehr sensibel und wenn es um meine Familie geht, sehr verletzlich. Ich bin auch recht nah am Wasser gebaut, wenn es um Kinder geht, die sich in schlechten Situationen befinden. Sie sehen also, es ist nicht schwer, mich zu verletzen. Aber wenn es um meinen Job geht, bin ich, wie mein Manager sagt, eine „harte Nuss“.

Haben Sie nie Ihren Promi-Status verflucht?
Nein, dafür bin ich einfach schon zu lange ­bekannt und zu stolz auf meine Karriere, für die ich hart gearbeitet habe. Gedanken in diese Richtung hatte ich höchstens vor einigen ­Jahren, als mein Sohn San Diego etwa sechs Monate alt war und uns im Urlaub ständig ­Leute mit ihren Handykameras fotografierten. Da wurde sofort mein mütterlicher Beschützer­instinkt geweckt.

Was für eine Mutter sind Sie?  
Ich bin eine starke Mutter und habe hohe ­Ansprüche an San Diego, die er aber auch erfüllt.

Nämlich?
Ich möchte, dass er folgsam ist und ein Gefühl für Disziplin entwickelt. In seinem kleinen Leben soll er schon etwas aus sich machen. Seit Kurzem besucht San Diego die internationale Vorschule. Dort wird nur englisch gesprochen. Und zu Hause rede ich mit ihm ausschließlich spanisch. Aber ich überfordere meinen kleinen Mann natürlich nicht.

Kommt San Diego mehr nach Ihnen?
Wenn man ein Kind bekommt, wird man ja sozusagen neu geboren. Da lebt etwas von einem weiter. San Diego ist halb Verona, halb Franjo. Das ist schon eine interessante Kombination.

Das kann ich mir gut vorstellen. Wir haben Sie ja heute beim Shooting beobachten können. Da stellt sich die Frage: Lassen Sie sich auch mal etwas von anderen sagen?
(lacht) Wie darf ich denn das verstehen? Ich habe gelernt, meinen Ehrgeiz offen zu zeigen. Es ist nicht einfach, Chefin zu sein. Den höchsten Anspruch stelle ich an mich selbst. Ich reiße mir jeden Tag aufs Neue ein Bein aus, um eine gute Mutter zu sein und sexy für meinen Mann auszusehen. Ich arbeite hart an meiner Karriere, diszipliniere mich beim Essen und Sport.

Und wer hat bei Ihnen zu Hause die Hosen an?
Sie meinen bei wichtigen Entscheiden wie der Einrichtung des Hauses?

Zum Beispiel.
Mein Mann hat die Frauen jahrelang studiert und herausgefunden, dass wir dazu neigen, jede freie Fläche zu dekorieren und der Mann dagegen machtlos ist. Bei uns ist es nicht anders. Aber Franjo hat da eine Taktik entwickelt: Er lässt mich erst machen, und nach und nach reduziert er alles wieder. So sind wir letztlich beide zufrieden.

Teilen Sie sich die Hausarbeit?
Nein, ich stehe auf direkte Männer und nicht auf zarte Hinweise. Und als ich Franjo kennengelernt habe, hat er zu mir gesagt: „Schatz, du kannst alles von mir haben, was du willst, und bist das Beste, was mir passiert ist. Aber ich bin kein Hausmann.“ Damit war die ­Sache geklärt.

Aber der Haushalt allein reicht Ihnen offenbar nicht …
Das ist bei mir ähnlich wie bei einer Heidi Klum oder Claudia Schiffer und vielen anderen Müttern in Deutschland. Sie wollen gut aussehen, sie gehen aufs Laufband, sie arbeiten hart, und gleichzeitig wollen sie gute Mütter sein. Ich habe übrigens gerade San Diegos fünften Geburtstag gefeiert.

Und wie war es?
Zehn Tage habe ich diese Party geplant. Ich habe die Einladungskarten gebastelt, die Mütter angerufen, einen Clown bestellt, kleine Geschenke gekauft und Turnbeutelchen mit Namen beschriftet. Ich habe sogar den Clown vorher interviewt, ob er auch wirklich gut ist. Dann tanzten 20 Kinder um mich herum, ich war schweißnass, aber am Ende auch stolz auf mich, dass ich das alles geschafft habe.

Wie erholen Sie sich vom Stress?
Ich liege mit San Diego im Bett, und wir ­kuscheln.

Was bedeutet Luxus für Sie?
Jeden Tag selbst entscheiden zu können, was ich tue oder lasse.

Glauben Sie, dass Sie für einige Frauen ein Vorbild sind?
Ich weiß es nicht – vielleicht. Auf jeden Fall wäre es schön, denn es würde mir beweisen, dass ich eine Menge in meinem Leben richtig gemacht habe.

Das wäre?
Seit 17 Jahren engagiere ich mich für die SOS-Kinderdörfer. Mein ganzer Stolz ist mein SOS-Kinderdorf in Bolivien, das meinen Namen trägt. Es ist mir ein Herzenswunsch, Kindern, die unverschuldet in Not geraten sind, zu helfen. Das sehe ich als meine persönliche Mission.

Dennis Kayser