Interview mit Daniel Brühl

So uncool findet er sich nicht...

Daniel Brühl im Interview: Deutschlands letzter Romantiker träumt von seiner großen Liebe, von Familie und davon, für einen Tag unsichtbar sein zu können. Warum nur ist der Schauspieler seit zwei Jahren Single?

Er hat falsche Zähne und Dreck im Gesicht. „Krabat“ heißt der Fantasyfilm, in dem sich der sonst so smarte Daniel Brühl von seiner hässlichen Seite zeigt.  „Eitelkeit hat in meinem Job nichts verloren“, findet der 30-jährige Schauspieler. Privat sieht er das anders: Im OK!-Interview spricht der Schauspieler über seine Macken und erklärt, warum man sich erst selbst mögen muss, bevor man einen anderen Menschen lieben kann.
 
In „Krabat“ spielen Sie einen Beschützer. Sind Sie privat auch so ein Gutmensch?
Ja, schon. Allerdings habe ich immer Angst, in die Schmuseschublade gesteckt zu werden. Mit so einem Stempel auf der Stirn fühle ich mich missverstanden, denn ich habe auch eine andere, dunkle Seite. Die lebe ich in den Filmen nur nicht so häufig aus. Meine Mutter lacht sich immer schlapp über meine Rollen. Scherzhaft nennt sie mich auf Spanisch „Schmeißfliege“, weil ich ihrer Meinung nach in den Filmen penetrant anbiedernd bin. Aber ganz ehrlich: Mit dem Image eines Softies lässt es sich leben.

Auch wenn andere Sie für uncool halten?
Das ist okay. Denn alle, die mich kennen, wissen: So uncool bin ich gar nicht!

Gilt das auch in Liebesdingen?
Bei meinem Lieblingsschriftsteller Gabriel García Márquez heißt es: „Die Liebe ist das Einzige, wofür es sich zu sterben lohnt.“ Ich sehe das genauso. Die Liebe ist der beste Grund, etwas zu riskieren. Sie ist für mich das Wichtigste im Leben, eine treibende Kraft. Für die Liebe würde ich sogar eine Freundschaft aufs Spiel setzen.

Nach der Trennung von Jessica Schwarz sind Sie jetzt schon seit zwei Jahren Single …
Diese Beziehungspause brauchte ich. Ich wollte mir ganz bewusst Zeit für mich nehmen, um mein Leben wieder neu zu sortieren. Mir hat das sehr gut getan, weil ich jetzt wieder ein bisschen verliebter in mich bin. Ich finde es ganz wichtig, dass man sich selber mag. Denn nur wer mit sich selbst im Reinen ist, kann sich auf andere einlassen und eine gesunde Beziehung eingehen. Das klingt abgedroschen und simpel. Aber ich tue mich schwer damit, das umzusetzen. Es gibt oft Phasen, in denen ich mich selbst nicht leiden kann.

Was genau können Sie an sich nicht leiden?
Körperlich: dass ich extrem kleine Hände und Füße habe – das ist irgendwie unmännlich. Und charakterlich: dass ich meinen Frust bei anderen ablade, wenn ich mit mir selbst unzufrieden bin. Ich neige dazu, Kleinigkeiten persönlich zu nehmen, werde schnell beleidigend und ungerecht zu anderen Leuten. Dann bin ich blind für alles Schöne, was mir widerfährt. Ich sehe nur noch das Negative und hänge mich daran auf.

Wie kommen Sie aus dem Tief wieder raus?
Meist aus eigener Kraft. Aber es gibt auch Situationen, in denen man merkt: Das schaffe ich nicht allein! Gerade dann weiß ich die Hilfe von Freunden und der Familie zu schätzen.

Was ist mit dem Wunsch, eine eigene Familie zu gründen?  
Mit Mitte 20 hat mich allein der Gedanke daran in Panik versetzt! Jetzt bin ich 30 und denke anders darüber. Für mich steht fest, dass ich irgendwann Vater werden und heiraten will. Aber wann es passiert, kann ich noch nicht sagen, weil ich die Richtige noch nicht gefunden habe.

Wann sind Sie das letzte Mal körperlich an Ihre Grenze gestoßen?
Ich habe noch nie in einer Fabrik geschuftet oder andere schwere Leistung erbringen müssen. Aber dennoch kann auch mein Beruf ziemlich kräftezehrend sein. Zum Beispiel wenn man ständig herumreisen muss, in einem fremden Land arbeitet, sich entwurzelt fühlt. Ich war im letzten Jahr für Dreharbeiten vier Monate in China. Einerseits war es ein großes Abenteuer. Aber andererseits habe ich mein Zuhause auch ganz schrecklich vermisst und hatte nur noch den Wunsch: schnell zurück nach Hause. Heimweh geht an die Substanz. Es ist genauso lähmend wie Liebeskummer.

Was machen Sie in solchen Situationen – außer sie auszuhalten?
Ich bin Optimist und versuche, allem etwas Gutes abzugewinnen. Das Schöne an Liebeskummer ist, dass man sich mal wieder so richtig spürt. Erst recht, wenn man schon ganz träge ist vom Einerlei. Dann ist es besser, Schmerz zu fühlen als überhaupt nichts. Und ich glaube: Kummer zu durchleiden macht stark.

Heißt stark sein so viel wie kaltherzig sein?
Nein, ich habe mir kein dickes Fell wachsen lassen, nur um in der Liebe weniger verletzbar zu sein. Ich will auf kein Gefühl verzichten. Und mich auch das nächste Mal wieder hundertprozentig reinstürzen.

Wenn Sie sich einen Wunsch erfüllen könnten …
… dann würde ich mich unsichtbar machen und die Frau, für die ich schwärme, belauschen, wenn sie sich mit ihrer Freundin trifft. Das ist doch die beste Möglichkeit herauszufinden, was sie von mir hält! Die Ehrlichkeit ist sicher schonungslos. Aber besser so, als nicht zu wissen, woran man ist!

Maren Gäbel