Richard Gere im Interview

Sein Sohn ist seine größte Leistung

Richard Gere im großen Interview: Mit OK! spricht der Schauspieler über Hollywood-Exzesse, Konkurrenzkämpfe und sein Leben, das bei allem Geld und Erfolg verblüffend normal geblieben ist.

Der ewige Womanizer ist wieder bereit, Frauen den Kopf zu verdrehen – aber nur auf der Leinwand. In seinem neuen Kinofilm „Das Lächeln der Sterne“, versucht Richard Gere, 59, sich als Vater mit seinem Sohn zu versöhnen und findet dabei die Liebe seines Lebens. Die hat er privat schon gefunden. Seit 2002 ist er mit der Schauspielerin Carey Lowell, 47, verheiratet. Im Interview mit OK! erzählt er von ihrem gemeinsamen Sohn Homer, 8, und verrät das Geheimnis seines Erfolges.

Sie sind seit über 30 Jahren im Geschäft. Wissen Sie etwas, was andere Schauspieler nicht wissen? Oder wie erklären Sie sich die Langlebigkeit Ihrer Karriere?
30 Jahre! Danke, dass Sie mich an mein Alter erinnern! (lacht) Wenn ich Betriebsgeheimnisse hätte, sollte ich sie besser nicht preisgeben. Aber die Wahrheit ist: Ich arbeite mich auch nur von einem Film zum nächsten. Wenn Leute fragen, ob man sich nicht zwangsläufig wiederholt, antworte ich immer, dass ich mich schließlich persönlich zwischen zwei Jobs verändere und jeden neuen Film darum auch wie ein neuer Mensch beginne.

Gab es in diesen Jahren je einen Zeitpunkt, an dem Sie den Atem jüngerer Konkurrenten im Nacken spürten?
Ich halte so ein Denken für negativ und somit unnötig, weil es sich bei anderen Schauspielern nicht um Konkurrenten, sondern um Kollegen handelt. Da ist die Solidarität unter Künstlern vielleicht größer als in anderen Berufen. Zudem finde ich zunehmend Gefallen daran, der Älteste im Raum zu sein. Ich erinnere mich noch genau an das nervöse Gefühl, als ich damals der Jüngste war. Einem Alten hört man wenigstens zu! Und innerlich fühlt man sich ohnehin immer wie ein 30-Jähriger. (lacht)

Ihre größten Erfolge feierten Sie mit Liebesfilmen. Und auch Ihr nächster Film, „Das Lächeln der Sterne“, handelt von großen Gefühlen. Sind Sie privat auch ein hoffnungsloser Romantiker?
Ich denke, dass jeder von uns in seinem Herzen ­große Sehnsucht nach Liebe in sich trägt. Manche zeigen das offener als andere. Doch selbst bei Freunden, die restlos verzweifelt waren und sogar schon mit dem Gedanken an Selbstmord spielten, habe ich noch immer diesen Funken gefunden, dieses Suchen nach Liebe. Das hört nicht auf, solange das Herz schlägt, und macht uns zu einer ausgesprochen romantischen Spezies.

Gibt es für Sie einen Platz, den Sie mit besonders romantischen Erinnerungen verbinden?
Ich könnte jetzt ein paar traumhafte Orte auflisten, von denen gibt es viele. Aber für mich ist es immer dort romantisch, wo sich meine Frau aufhält.

Sie scheinen mit Ihrer Frau und Ihrem gemeinsamen Sohn Homer wahnsinnig glücklich zu sein. Weiß er eigentlich schon genau, was sein Vater beruflich macht?
Er beginnt langsam zu fragen, aber er ist erst acht Jahre alt. Da ist es für einen Jungen eher von elementarer Bedeutung, dass er seine Lieblingssendung sehen oder abends länger wach bleiben darf. (lacht) Der Zeitpunkt, an dem ich ihm die Filmwelt und vor ­allem die wahre Welt mit all ihren Problemen erklären muss, wird leider noch früh genug kommen.

Nun sieht die wahre Welt für Homer vielleicht doch etwas anders aus als für seine Schulkameraden. Wie vereinen Sie das normale Leben mit dem eines millionenschweren Hollywood-Stars? Besonders, weil Sie als bekennender Buddhist materialistischen Dingen eher enthaltsam gegenüberstehen sollten …
Meine Schauspielerei ist ein Job, der mich deshalb aber nicht verantwortlich macht für gewisse Exzesse in meiner Branche. Ich kann nur für mich selbst Verantwortung übernehmen und hoffen, dass meine Mühen für andere Menschen einen Wert darstellen.

Sind Sie dennoch stolz auf Ihre beruflichen Erfolge?
Stolz? Das Wort klingt in Bezug auf die eigene Lebensleistung zu arrogant in meinen Ohren. Aber ich verrate Ihnen gern, wie sich meine Gegenwart anfühlt: Ich bin glücklich, wenn ich bei meiner Familie bin und Zeit mit meinem Sohn Homer verbringen kann. Er ist ein fröhlicher, smarter, liebenswerter Junge – und was immer ich dazu beisteuere, ist die mit Abstand größte Leistung meines Lebens.

Roland Huschke