Charlize Theron redet Klartext

Jede Frau kann so aussehen wie sie

Charlize Theron redet Klartext: "Jede Frau kann so aussehen wie ich." In Hollywood ist längst nicht alles so, wie es scheint. Die Oscar-Preisträgerin klärt auf...

Sie sieht aus wie eine Göttin – und sie kann fluchen und Bier trinken wie ein ganzer Kerl. Dass Charlize Theron, 33, nicht nur in ihren Filmen extrem wandlungsfähig ist und immer wieder alle überrascht, beweist sie im Interview mit OK! Da offenbart sie auch ihre romantische Seite …

Was für ein prächtiger Ring, den Sie da tragen.
Ein Geschenk von meinem Freund Stuart. Es ist ein alter viktorianischer Ring. Er hat ein winziges Fach am Boden. Da kann man Liebesbriefe hineinstecken. Stuart ist ein richtiger Romantiker. Ich bin total froh, dass ich diesen Mann gefunden habe. Den gebe ich nicht mehr her.

Ihr Freund Stuart Townsend hat Sie auch schon als Regisseur dirigiert. Sorgt so etwas für Stress in der Beziehung?
Stuart und ich haben uns bei Dreharbeiten kennengelernt, und wir hatten sofort Respekt voreinander. Auch wenn man dann miteinander ins Bett geht, verliert man den nicht. Ich bewundere sehr, wie er denkt und arbeitet. Ich hätte bei „Battle in Seattle“ aber auch mitgemacht, wenn der Regisseur nicht mein Freund gewesen wäre.

Gibt es auch mal Situationen, wo bei Ihnen kein Einklang herrscht?
Die gibt’s doch in jeder Beziehung!

Haben Sie ein Beispiel?
Ich bin bei Sportübertragungen völlig aus dem Häuschen. Dabei bin ich kein Fan eines bestimmten Teams oder Spielers. Aber wenn der Kommentator erzählt, dass die Mutter einer Tennisspielerin gerade an Krebs gestorben ist, flippe ich aus. Ich kenne die Betreffende nicht, aber ich will, dass sie gewinnt. Ich liebe sie. Ähnlich war es bei der Fußballweltmeisterschaft. Da war ich total für Ghana. Als das Team ausgeschieden ist, habe ich geweint. Und Stuart meinte: „Du bist furchtbar. Was stimmt bloß nicht mir dir?“

Was für Macken haben Sie sonst noch?
Für manche Leute bin ich ein wenig zu derb. Die erwarten immer, dass ich mich wie ein braves Mädchen verhalte. Und ich liebe es nun mal, Bier zu trinken, über Fußball zu reden und zu fluchen. Da sind viele erst mal baff.

Aber sonst sind Sie brav und höflich?
Das hängt von der Situation ab. In „The Burning Plain“ gibt es eine Szene, in der ich mir eine Zigarette auf dem Arm ausdrücke. Dafür hatte man ein spezielles Make-up angefertigt, damit ich mich nicht verletzen konnte. Aber die Glut fraß sich bis auf meine Haut durch. Ich schrie und Regisseur Guillermo Ariaga, der nicht begriffen hatte, was los war, meinte: „Deine Figur fühlt keinen Schmerz.“ Ich brüllte los: „Sie vielleicht nicht, du Idiot, aber ich habe mich gerade verbrannt.“ Das war aber nicht persönlich gemeint, wir haben uns sonst wunderbar verstanden.

Ihre Figur im Film hat als Jugendliche Schlimmes durchgemacht – wie Sie, als Ihre Mutter Ihren Vater in Notwehr erschoss. Wie stark war diese Belastung in Ihrer Teenagerzeit?
Wenn man Teenager ist, dann ist alles eine Belastung. Man brauchst dafür nicht unbedingt eine traumatische Erfahrung. Es gibt so viele Fragen: Wer bin ich? Wann bin ich eine Frau und kein Kind mehr? Wie alle Teenager war ich damals ultrasensibel. Als mein erster Freund mit mir Schluss machte, war ich am Boden zerstört. Viele Teenager haben Schwierigkeiten – die einen bekommen einen klaren Blick für Dinge, andere nicht.

Warum haben Sie einen klaren Blick auf die Dinge?
Das hat viel mit meiner Mutter zu tun. Sie hat mich ermutigt, ein Individuum zu sein. In Sachen Religion hat sie mir zum Beispiel gesagt: „Finde selbst für dich heraus, was dir guttut.“ Also ging ich erst mal wie besessen in die Kirche, und eines Tages hatte ich keine Lust mehr. Daraufhin kam der Priester zu uns nach Hause und sagte: „Wir müssen über Ihre Tochter sprechen.“ Meine Mutter entgegnete: „Warum reden Sie dann mit mir? Meine Tochter ist doch im Zimmer.“ Dabei war ich erst acht Jahre alt.

Wollen Sie Ihre Kinder auch so erziehen?
Klar. Es ist auch wichtig, dass sie ihre Träume nicht aufgeben. In jungen Jahren träumen wir ständig, als Erwachsener entwickeln wir einen gewissen Zynismus und vergessen das alles.

Einer Ihrer Träume hat sich ja mit dem Oscar erfüllt. Haben Sie den Preis gewonnen, weil Sie in „Monster“ Mut zur Hässlichkeit zeigten?
Ich habe eine gute Leistung gezeigt. Bloß weil man jemand eine Maske aufklebt, bekommt er noch keinen Oscar.

Finden Sie sich schön?
Ich lade Sie ein: Kommen Sie morgen früh in meine Suite – dann erleben Sie mich in echt. Für Termine wie diesen bekomme ich vier Leute an die Seite gestellt – die eine macht mein Make-up, die zweite mein Haar, die dritte zieht mich an, und Nummer vier bringt mir Diamanten von Bulgari. Das ist lächerlich. Jede Frau, die das gleiche Programm verpasst bekommt, wird genauso aussehen wie ich.

Haben Sie manchmal das Bedürfnis, aus dieser Welt auszubrechen?
Natürlich träume ich ab und an davon, alles hinter mir zu lassen. Das tun wir doch alle. Es gibt so viele Sachen, die nerven. Aber wenn man sie überwindet, wird man stärker.

Giovanna Festa