Leonardo DiCaprio über Hochzeit, Kinder & Luxus

Der US-Schauspieler im Interview

Leonardo DiCaprio spricht offen über Hochzeit, Kinder und Luxus. Für Hollywoods ewigen Junggesellen sind andere Dinge im Leben wichtiger geworden, aber den Kick braucht er immer noch.

Er spielt gerade seine anspruchs­vollste­ Rolle. In dem Polit-Thriller „Der Mann, der niemals lebte“ mimt Leonardo DiCaprio so grandios einen getriebenen Terroristen-Jäger, dass der Oscar für den 34-Jährigen in greif­bare Nähe rücken dürfte. Und auch im richtigen Leben ist der Hollywood-Star reifer geworden. Im Interview mit OK! spricht er erstmals über seine Zukunftspläne …

In Ihrem neuen Film „Der Mann, der niemals lebte“ standen Sie nach über zehn Jahren wieder gemeinsam mit Russell Crowe vor der Kamera. Hand aufs Herz: Ist er tatsächlich so ein Raubein?
Russell ist einer der liebenswertesten Menschen, die ich kenne. Und ein fantastischer Schauspieler dazu. Natürlich ist er durch und durch ein Mann, der zu seinen Ansichten steht und sie auch zu verteidigen weiß. In Russells Gegenwart schlägt der Puls immer etwas schneller. Wenn man ihn nicht reizt, ist er sanft wie ein Lamm.

Haben Sie damals, bei den Dreharbeiten zu „Schneller als der Tod“, nicht beide um die Gunst von Sharon Stone gebuhlt? Wer hat gewonnen?
(lacht) Das ist schon so lang her. Und solche Gerüchte habe ich noch nie kommentiert.

Aber Sie haben sich doch schon mal beim Drehen in eine Kollegin verliebt, oder?
Auch das bleibt Ihrer Fantasie überlassen. Sie werden es nicht glauben, aber wenn ich vor der Kamera stehe, konzentriere ich mich vor allem auf meine Rolle. Da bleibt für Flirts keine Zeit.

Auch nicht bei Ihrer „Titanic“-Partnerin Kate Winslet? Mit der standen Sie vor Kurzem doch auch wieder vor der Kamera …
Der Film heißt „Zeiten des Aufruhrs“ und spielt in den 50er-Jahren in Amerika. Kate und ich spielen ein Ehepaar, bei dem es gehörig kriselt!

Und Sie haben bei den Liebesszenen mit Kate wirklich kein Prickeln gespürt?
Oh doch! (lacht) Aber nicht das Prickeln, an das Sie jetzt denken! Kate und ich haben uns gegenseitig richtig Feuer unterm Hintern gemacht. Mit so großartigen Kollegen wie Kate, da fetzt es vor der Kamera gewaltig.

Sie beide wurden 1997 von dem „Titanic“-Mega-Erfolg regelrecht überrollt. Damals sahen Sie des Öfteren richtig blass um die Nase aus …
Das ist noch harmlos ausgedrückt. Mir ging es zeitweise richtig schlecht. Auf so eine Publi­city-Explosion kann man sich beim besten Willen nicht vorbereiten. Das lief stellenweise total aus dem Ruder. Ich habe mein Leben damals nicht nur 24 Stunden lang im grellen Scheinwerferlicht verbringen müssen, sondern auch noch unter einem riesigen Vergrößerungsglas. Ich bin sehr froh, dass meine Zeit als Teenie-Idol vorbei ist.

Aber sucht man als Schauspieler nicht eigentlich das Rampenlicht?
Ja, sicher. Auf der Bühne, im Film. Aber doch nicht rund um die Uhr. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin mir bewusst, dass meine Probleme im Vergleich zu anderen Menschen, die zum Beispiel Existenzsorgen haben, Kleinigkeiten sind. Ganz abgesehen davon glaube ich, dass ich ziemlich auf dem Teppich geblieben bin.

Lag das an Ihrer Erziehung?
Meine Erziehung hat mich stark geprägt. Obwohl meine Eltern geschieden sind, habe ich zu beiden eine sehr gute Beziehung. Und zu meiner Oma aus Deutschland, die leider vor Kurzem gestorben ist, sowieso. Ich kann mich auch noch gut an meinen Opa erinnern. Beide waren einfache, herzensgute Menschen, die ich nie vergessen werde.   

Sie sind in Hollywood aufgewachsen. Da haben Sie wahrscheinlich auch schon früh gemerkt, dass dort nicht alles Gold ist, was glänzt.
Ehrlich gesagt hat das eine ganze Weile gedauert, bis ich endlich hinter die schönen Fassaden blicken konnte. Denn ich bin zwar in Holly­wood aufgewachsen, aber nicht etwa dort, wo die roten Teppiche ausgerollt werden, sondern in Echo Park, einem Stadtteil, der auch heute noch schmutzig und gefährlich ist.

Stimmt es, dass Sie als Kind mal von einem Drogen-Junkie bedroht wurden?
Nicht nur einmal. Er stürmte in ­einem Hinterhof auf mich zu und hatte noch seine Spritze in der Hand. Drogen waren damals in meinem Viertel weit verbreitet. Doch wenn man mit eigenen Augen sieht, wie die Leute dadurch vor die Hunde gehen, will man nie was mit Drogen zu tun haben.

Wovon haben Sie als Kind geträumt?
Eigentlich hatte ich immer nur einen Traum. Als ich mit 13 meinen ersten Werbe­spot drehte, fühlte ich dieses gewisse Kribbeln im Bauch. Und da wusste ich, dass ich es unbedingt schaffen muss, den Rest meines Lebens von dieser Arbeit leben zu können. Das hat dann allerdings noch ein paar Jahre gedauert … Übrigens Dank meiner Mutter! Sie ist immer wieder mit mir zu Castings gefahren und hat mich getröstet, wenn ich eine Rolle mal wieder nicht bekommen hatte.

Sie haben sich also aus dem Kellergeschoss von Hollywood bis nach ganz oben gekämpft!
(lacht) Das kann man so sagen. Als Kind dachte ich, dass die meisten Hollywood-Stars fürchter­lich eingebildet und superreich wären. Und natürlich ständig Drogen nehmen und jedes Wochen­ende bei Hugh Hefner „Playboy“-Bunnys vernaschen. Die ganzen Klischees eben.  

Jack Nicholson hält Sie als Schauspieler für sehr mutig. Sind Sie das auch im richtigen Leben?
Mutig? Das müssen andere beurteilen. Doch ich bin ganz sicher kein Feigling. Aber auch kein Draufgänger. Ich glaube nicht, dass Lebenslust gleichbedeutend ist mit Selbstzerstörung. Jedenfalls will ich steinalt werden und als ­Tattergreis im Schaukelstuhl sterben.  

Kann es sein, dass Sie etwas ruhiger geworden sind? Als Frauenheld haben Sie jedenfalls schon länger keine Schlagzeilen mehr gemacht …
Zum Glück! Diese Phase habe ich hinter mir. Ich will damit nicht sagen, dass ich ein Kind von Traurigkeit gewesen wäre …

Immerhin haben Sie Gisele Bündchen gegen das ­israelische Fotomodell Bar Refaeli eingetauscht …
Was auch immer. Das ist meine Privatsache.  

Wann sind Sie das letzte Mal richtig ausgerastet?
Ich versuche schon lange nicht mehr auszurasten. Von Zeit zu Zeit gibt es leider immer noch Gründe, wütend und aggressiv zu werden. Ich kann mir schließlich nicht alles gefallen lassen.

Mit welchem Luxus tröstet sich ein Multimillionär?
Multimillionär – was soll das sein?

Jemand der sehr, sehr reich ist? Jemand, der sich fast alles kaufen kann, was er will?
Mir bedeuten Luxusartikel nichts. Okay, ich habe mir mal eine sündhaft teure Uhr gekauft, und habe hier und da ein paar Häuser. Und eine kleine Insel in der Karibik.

Was sind Ihre Ziele im Leben?
Ich gehe auf Mitte 30 zu, und da verändern sich gewisse Dinge auf natürliche Art und Weise.

Dinge wie „heiraten“ und „eine Familie gründen“?
(lächelt) Zum Beispiel. Ich weiß, dass ich noch vor Kurzem getönt habe, dass ich nicht an die Ehe glaube. Aber ich würde mir schon wünschen, dass mein Leben mehr Bedeutung hat als ausschließlich meine Karriere. Das sind aber ganz generelle Überlegungen. Ich hoffe, dass man daraus jetzt keine falschen Schlüsse zieht. Nirgendwo klingeln irgendwelche Hochzeitsglocken! Verstanden?!

Stimmt es, dass Sie ein Adrenalin-Junkie sind?
(grinst) Ich bekomme definitiv einen Kick beim River Rafting, Tauchen und Sky-Diving …

… wo sich einmal Ihr Fallschirm erst in letzter Sekunde geöffnet haben soll.
Die Reißleine klemmte, und ich fiel buchstäblich wie ein Stein vom Himmel. Zum Glück hat mich der Reserveschirm sicher zur Erde gebracht. Das Seltsame war, dass ich keine Angst hatte, sondern nur unendlich deprimiert war.

Hatten Sie jemals richtig Angst?
Als ich mit meinem Vater vor Australien getaucht habe. Dort waren viele Haie. Aber die haben sich zum Glück nicht für uns interessiert.  

Verraten Sie uns Ihr größtes Laster?
Ich gebe Unsummen für alte Original-Film­poster aus. Und ich lasse mich gern zu Modenschauen einfliegen.

Um dort mit Models zu flirten?
Nein. Ich bekomme da immer so tolle Klamotten geschenkt!

Ulrich Lössl