Exklusiv: Hugh Jackman im Interview

Er weiß, was er will

Exklusiv im Interview mit OK!: Hugh Jackman! Er wurde gerade zum "Sexiest Man Alive" gekürt, doch für den zweifachen Adoptivvater, der seit zwölf Jahren verheiratet ist, zählen andere Dinge.

Eigentlich ist er ruhig und bodenständig. Bekannt wurde Hugh Jackman, 40, aber als Verführer im Wolfspelz in „X-Men“. In seinem neuen Film „Australia“ (ab 25. Dezember im Kino) gibt er den romantischen Viehtreiber Drover an der Seite von Nicole Kidman. Eine Rolle, die besser zu ihm passt. Das bewies der gelassene Australier auch im Telefongespräch mit OK! …

Wo erwischen wir Sie gerade?
Ich bin bei mir zu Hause in Sydney und habe gerade meinen Sohn vom Tennis und meine Tochter von der Schule abgeholt. Wir sind eben erst zur Tür rein – wundern Sie sich also nicht, wenn Sie Kindergeschrei im Hintergrund hören.

Oft konnten Sie Ihre Kinder in letzter Zeit nicht sehen – „Australia“ drehten Sie monatelang fernab der Zivilisation.
Deshalb holte ich meinen Sohn auch für einige Wochen zu mir, und wir erlebten unsere erste gemeinsame Expedition unter Männern. Wir waren in einer Gegend Australiens, die so verlassen wie der Mars und so heiß wie die Sonne ist. Wenn ich arbeitete, wurde mein Sohn von einem Lehrer unterrichtet oder von Aborigines, den australischen Ureinwohnern, betreut. Ansonsten verbrachten wir jede Minute miteinander. Wir haben geangelt und saßen nachts am Lagerfeuer. Ich glaube nicht, dass man mit seinem Sohn etwas Schöneres unternehmen kann, als eine Weile in der freien Natur zu leben. Ich war selbst ein Stadtkind und wusste fast nicht mehr, wie es ist, unter freiem Sternenhimmel zu liegen und nur zu schweigen. Von diesen Erinnerungen werden wir beide ein Leben lang zehren.

Haben Sie durch den Dreh genug gelernt, um notfalls allein in freier Wildnis überleben zu können?
Das hängt von der Gegend ab. Dort draußen in Australien wäre ich ohne Hilfe binnen 24 Stunden tot, so brutal sind die Bedingungen. Doch wahrscheinlich würde ich einen passablen Cowboy abgeben. Ich habe acht Monate für die Rolle trainiert – vom Umgang mit der Peitsche über das Viehtreiben mit 1 500 Rindern und 200 Pferden bis hin zum Zigarettendrehen mit einer Hand.

Was fiel Ihnen am schwersten?
Wie jeder Schauspieler hatte ich zu meinen Anfängen im Lebenslauf geschrieben, dass ich ein exzellenter Reiter sei – was natürlich gelogen war. Bis ich vom Autofahrer zum  Reiter wurde, bin ich etliche Male vom Pferd gefallen.

Eine schmerzhafte Erfahrung?
Halb so wild, ich hatte gute Trainer und war gut gepolstert. Sorgen machte mir etwas anderes: In Australien ist es Brauch, dass man jedem Mitglied der Crew eine Flasche Whiskey kaufen muss, wenn man vom Pferd fällt. Es sei denn, man schafft es rechtzeitig, „Ich muss mal“ zu schreien.

Sie sind im Oktober 40 geworden – war das ein traumatischer Einschnitt für Sie?
Mir bedeuten solche Zahlen nichts, weil ich mich von Jahr zu Jahr glücklicher fühle und dem Altern keine negativen Seiten abgewinnen kann. Zudem habe ich zwei ältere Brüder und zwei Schwestern, die ihre 40. Geburtstage allesamt unfallfrei hinter sich gebracht haben. Auch meine Frau ist älter als ich, und sie erzählte den Leuten schon seit fünf Jahren, dass ich 40 sei. Also fühlte ich mich längst so.

Sie gelten als ausgeglichenster und höflichster Schauspieler der Branche. Haben Sie auch mal  schlechte Laune?
(lacht) Auch mir platzt leider schon mal der Kragen, da können Sie meine Familie fragen. Aber wenn ich arbeite, will ich mich von meiner besten Seite zeigen, und dazu muss ich mich auch nicht sonderlich bemühen. Ich betrachte mich dank meines Jobs als absoluten Glückspilz. Und im Gegensatz zu vielen Kollegen gehe ich offen und neugierig zu Interviewterminen, denn ich wollte selbst Journalist werden.

Wie ist es Ihnen gelungen, den Verlockungen des Ruhmes zu widerstehen und nicht mal einen klitzekleinen Skandal auf dem Kerbholz zu haben?
Ich kam erst spät nach Hollywood und war charakterlich bereits gefestigt – anders als ein 20-Jähriger, der über Nacht zum Star wird. Es hilft ungemein, in Anonymität erwachsen zu werden und nicht vom normalen Leben isoliert zu sein. Ich glaube nicht, dass man ein verantwortungsvoller Mann sein kann, bevor man sich selbst gut kennt, seiner inneren Stimme zu vertrauen lernt und seine Prioritäten sortiert hat.

Wie gut kennen Sie sich selbst?
Ich fühle mich wohl in meiner Haut und kann über mich selbst lachen. Das hilft enorm gegen Egotrips und selbstzerstörerisches Verhalten. Aber wer ich im Kern meiner Persönlichkeit bin, und was ich vom Leben will, das begann ich erst mit 25 zu begreifen. Bis dahin hatte auch ich meine Fehler gemacht – nur eben abseits der Öffentlichkeit. Nicht auszudenken, wäre ich als junger Mann berühmt gewesen. Dann könnten Sie mich heute von der Straße aufkratzen! (lacht)

Roland Huschke