Nicole Kidman im Interview

Sie ist nicht arrogant

Schauspielerin Nicole Kidman im Interview: "Ich bin nicht arrogant." Im Gespräch mit OK! räumt die Oscar-Gewinnerin mit Vorurteilen auf und verrät, warum sie es in Hollywood nicht länger aushalten kann.

Es ist erstaunlich. Bevor man ­Nicole Kidman, 41, zum ersten Mal sieht, erwartet man eine gro­ße, kühle, vielleicht etwas ernste Frau. Groß stimmt, sie misst beeindruckende 1,80 Meter (ohne High Heels!). Der Rest ist Unsinn. Nicole, zurzeit im Kinofilm „Austra­lia“ zu sehen, ist humorvoll, offen – und total entspannt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie heute mit ihrem Leben vollkommen zufrieden ist …  

Sie sind während der Dreharbeiten zu „Australia“ schwanger geworden …
Was für mich völlig überraschend kam. Natürlich haben Keith und ich uns nichts sehnlicher gewünscht. Aber als ich dann tatsächlich feststellte, dass ich schwanger war, waren wir vor Glück ganz aus dem Häuschen. In einem ruhigen Moment während dem Dreh habe ich es dann auch dem Regisseur Baz Luhrmann und meinem Kollegen Hugh Jackman gesagt. Alle hatten Tränen in den Augen.

Aber Sie haben die beiden auch darum gebeten, es niemandem zu verraten.
Ziemlich lange war es auch das bestgehütetste Geheimnis am Set. Aber irgendwann ist es doch durchgesickert. Eine Zeit lang hatte ich mit der berühmten „Morgenübelkeit“ zu kämpfen. Aber ich wurde von allen sehr zuvorkommend behandelt, vor allem von Hugh.

Mit ihm sind Sie ja schon ewig befreundet.
Er war auch auf unserer Hochzeit und hat für Keith und mich eine wunderschöne Hochzeitsrede gehalten.

Fast Ihr halbes Leben wohnen Sie in den USA, fühlen Sie sich immer noch als Australierin?
Bis ans Ende meiner Tage! Ich empfinde es immer noch als ein großes Glück, dass ich nicht in Kalifornien aufgewachsen bin. Ich glaube, ich hätte eine schwere Zeit in „Silicon Valley“ gehabt. (lacht)

Warum?
Weil ich als Mädchen wie ein Junge aussah! Ich war einen Kopf größer als meine Klassenkameraden – und vorne flach wie ein Brett. Mein ganzes Leben wollte ich Kurven wie Marilyn Monroe. Ich kann essen wie ein Scheunendrescher und nehme nicht zu. Nun, seit ich meine Tochter habe, hat sich da einiges getan.

Sie hat Ihr Leben verändert, oder?
Komplett. Es ist fast so, als ob ich durch ihre Geburt ein neuer Mensch geworden bin. Ich lebe nicht nur jeden Tag viel intensiver und bewusster, ich bin auch viel emotionaler und offener geworden. Und durch Rose sind wir jetzt eine richtige Familie. Und das ist für mich alles, was zählt. Der Rest kommt viel später.

Stimmt es, dass Sie langsam aus dem Filmgeschäft aussteigen wollen?
Wer weiß? Ich werde sicher sehr viel kürzer treten. Ich habe nach „Australia“­ nur noch eine kleine Rolle in dem Musical-Film „Nine“ angenommen. Oberste Priorität hat eindeutig meine Familie. Und von Hollywood als Lebensmittelpunkt habe ich mich schon vor einiger Zeit verabschiedet.

Sie leben auf einer 200 000-Quadrat­meter-Farm im US-Bundesstaat Tennessee und haben sich erst vor Kurzem eine weitere Farm in Australien zugelegt. Wollen Sie zurück in die Natur?
Warum nicht? Die Farm in Australien ist in der Nähe von Sydney, wo ich viele Verwandte, Bekannte und Freunde habe. Wenn man weit weg vom Schuss ist, lebt es sich viel leichter. Da gibt es keine Paparazzi, und niemand wühlt in meiner Mülltonne. Die Farm ist toll für meine Adoptivkinder Connor und Isabella, die uns oft besuchen.

Sie haben nach wie vor ein gutes Verhältnis zu Ihrem Ex-Mann Tom Cruise?
Sicher, schon wegen der Kinder. Er hat seine Familie, und ich habe Keith und Rose. Das Leben geht weiter.

Seit zwei Jahren sind Sie mit dem Country-Musiker Keith Urban verheiratet. Ist er Ihr Traummann?
Wir sind Seelenverwandte. Er hat Ecken und Kanten und kann mich überraschen. Er hat Sinn für Humor und ist immer noch geheimnisvoll für mich. Als wir uns vor fast vier Jahren in Los Angeles begegnet sind, waren wir beide Singles. Da hat es gefunkt. Keith ist der Mann meines Lebens.

Man hat das Gefühl, dass Sie sehr glücklich sind, Hollywood hinter sich gelassen zu haben.
Das habe ich in gewisser Weise doch schon lange. In den Jahren, als ich viel gearbeitet habe, war das Filmemachen eine Art Überlebensstrategie. Ich war allein – übrigens ganz bewusst, denn lieber in gar keiner Beziehung als in einer schlechten – und musste mich eben beschäftigen. (lacht) Und davor …

… als Sie noch Mrs. Cruise waren?
Das ist schon so lange her. Als ich mit 22 in Hollywood ankam und ein Jahr später mit Tom verheiratet war, fühlte ich mich sehr unsicher. Ich hatte damals noch keine tollen Filme gemacht, und so fühlte ich mich im Scheinwerferlicht deplatziert. Aber ich habe den Rummel mitgemacht, weil ich Tom unterstützen wollte.   

Damals hat man Sie noch unterschätzt?
Kann sein. Neider gibt es überall. Aber sich darüber aufzuregen, ist pure Energieverschwendung. Wenn ich nur halb so arrogant, eiskalt und berechnend wäre, wie viele von mir denken, wäre ich vor lauter Frust längst aus dem Fenster gesprungen! (lacht) Ich bin – wie meine Freunde bestätigen können – spontan, offen und sehr warmherzig.

Auch Ihre Kollegen Hugh Jackman, Russell Crowe, Naomi Watts sind voll des Lobes.
Das sind alles liebe Freunde von mir. Wenn es hart auf hart geht, zeigt sich schnell, wer Charakter hat. So gute Freunde zu haben, welch ein Glück!

Woher nehmen Sie Ihre Antriebskraft?
Ich bin hungrig nach Leben. Und ich bin optimistisch. Ich bin der festen Überzeugung, dass man durch Schicksalsschläge, so schwer sie auch sind, geläutert und gestärkt hervorgeht. Und die Liebe ist die Antwort auf alle Fragen, die uns das Leben stellt. Gerade in diesen Wochen empfinde ich große Dankbarkeit gegenüber dem Leben. Ich klopfe dreimal täglich auf Holz, dass das noch lange so bleibt.

Gemma Bailey