Angelina Jolie exklusiv im Interview

Keine Geheimnisse

Angelina Jolie - die Schauspielerin ist die erfolgreichste Frau Hollywoods - beruflich, aber auch privat. OK! entdeckte die andere Angelina und sprach mit ihr über die traurigsten Momente ihres scheinbar perfekten Lebens. Und darüber, wie schwer

Wie schafft man es bloß, mit sechs Kindern so umwerfend auszu­sehen? Und nicht nur das: Angelina Jolie, 33, wirkt im exklusiven Interview mit OK! auch noch unglaublich entspannt und ausgeglichen. Während auf dem Hotelflur ihre Jungs Maddox, 7, und Pax, 5, lautstark toben, redet sie mit uns über ihre Qualitäten als Mutter, von denen sie selbst übrigens nicht besonders viel hält. Und über die großen Schwierigkeiten, die sie und Brad Pitt, 45, bei weiteren Adoptionen haben, weil sie immer noch nicht verheiratet sind. Aber zuerst möchte sie uns ihren neuen Film „Der fremde Sohn“ (ab 22.01. im Kino) ans Herz legen …
 
Sie gelten nicht gerade als Frau, die ihre Meinung für sich behält. Wie schwer war es da, in „Der fremde Sohn“ die stille, eingeschüchterte Mutter eines entführten Kindes zu spielen?
Ich musste all meine Instinkte ignorieren und mich fürchterlich zusammenreißen, obwohl ich persönlich lieber gekämpft und gewütet hätte. Der Gedanke, dass dem eigenen Kind etwas zustoßen könnte, ist für Eltern der denkbar größte Horror. Ich hätte den Film fast nicht gedreht, weil mich das Schicksal dieser Frau so tief berührte. Ich hatte Albträume, war nach jedem Drehtag ein emotionales Wrack und brauchte jeden Abend die Nähe meiner Familie, um wieder Kraft zu schöpfen. Es ging meinen Kindern schon richtig auf die Nerven, wie verschmust ihre Mami in dieser Zeit war.

Warum haben Sie sich den Job dann überhaupt angetan?
Obwohl ich ursprünglich abgesagt hatte, bekam ich die Rolle nicht mehr aus dem Kopf und ertappte mich dabei, Brad oder Freunden ständig von dem Projekt zu erzählen. Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll – aber ich trauerte zu dieser Zeit noch sehr um meine Mutter und hatte es in den Monaten nach ihrem Tod noch nicht einmal fertiggebracht, auch nur ein Foto von ihr anzuschauen. Indem ich mich aber trotz meiner Vorbehalte für „Der fremde Sohn“ entschied, kam ich ihr wieder etwas näher und konnte meine Wunden ein wenig heilen lassen. Es war eine komplizierte Erfahrung, die mich aber auch befreit hat. Und zugleich der schwerste Job, den ich je zu bewältigen hatte.

Welche Ähnlichkeiten zwischen Ihrer Filmfigur und  Ihrer eigenen Mutter haben Sie bemerkt?
Meine Mutter Marcheline war eine sehr sanftmütige Frau, die sich selbst „Marshmallow“ nannte und nie laut wurde oder fluchte, wenn sie in meiner Kindheit mit mir schimpfte. Was selten vorkam, ob Sie es glauben oder nicht! (lacht) Sie war so liebenswert, dass ich immer alles daransetzte, um sie glücklich zu machen. Gleichzeitig brachte sie ungeheure Kraft auf, wenn es darum ging, mich vor schlechten Einflüssen zu schützen. All dies erinnerte mich stark an die Frau in „Der fremde Sohn“, und als Brad den Film sah, ging es ihm nicht anders.

Sie selbst werden oft als Supermutter bezeichnet …
Entschuldigung, da muss ich unterbrechen. Ich lese zwar seit Jahren kein Wort von dem, was über mich geschrieben wird. Aber ich habe mich in meinem ganzen Leben garantiert noch nie als eine Supermutter bezeichnet, sondern weiß genau, dass ich ohne den wundervollen Vater meiner Kinder und die Hilfe einiger ­anderer Menschen verloren wäre.

Was würden Sie gern mal von anderen Müttern wissen oder lernen?
Ich könnte so viele Ratschläge gebrauchen! Wo soll ich anfangen? Derzeit zerbreche ich mir den Kopf, wie ich meinen Kindern die unterschiedlichen Religionen auf der Welt erklären soll. Oder welches Schulsystem das beste ist. Es sind im Grunde alles Fragen nach der besten Balance – wie viel kann man Kindern zumuten, und wann verwöhnt man sie zu sehr? In unserem Fall dreht sich natürlich viel um die Abstammung unserer adoptierten Kinder. Das können ganz simple Sachen sein, wenn meine afrikanische Tochter Zahara etwa Märchenfilme sieht und fragt, wo denn all die afroamerikanischen Prinzessinnen seien. Weil es bei Disney noch nie welche gab! Aber wie erklärt man das Kindern?

Stimmt es, dass Sie gern noch ein Kind adoptieren möchten?
Wir haben noch nichts entschieden, sind aber offen für alles. Grundsätzlich ist es auch viel schwerer, Waisen ein neues und sicheres Zuhause zu ermög­lichen, als die meisten Leute denken. Es gibt bei Adoptionen keine internationalen Standards. Auf dem Papier sind Brad und ich beide Singles – viele Länder vermitteln aber nur an Ehepaare. Dann gibt es wieder Länder, die nur geschlechtsspezifische Adoptionen erlauben – wer etwa schon einen Jungen hat, darf nicht noch einen Jungen adoptieren. Es ist sehr kompliziert und oft frustrierend, glauben Sie mir.

Zu unserem Gespräch hier in New York sind Sie eigens mit der ganzen Familie aus Berlin eingeflogen. Ist die ganze Reiserei gut für Ihre Kinder?  
Wir achten sehr darauf, dass ihre Bio- und Schlafrhythmen nicht gestört werden – die Alternative wäre, dass unsere Familie immer wieder getrennt wird oder Brad und ich unsere Arbeit radikal einschränken müssten. Zu Hause diskutieren wir oft, wie wir die Kinder vernünftig aufziehen und zugleich unsere berufliche Erfüllung finden können. Die Schauspielerei werden wir mittelfristig beide reduzieren. Doch unsere Reisen in die Herkunftsländer unserer Kinder – Afrika, Vietnam und Kambodscha – bleiben sicher essenziell, weil die Kinder ihre kulturellen Wurzeln nie verlieren sollen.

Was war die brenzligste Situation, die Sie auf Ihren Reisen in Krisen­regionen je erlebt haben?
Ich bin eigentlich nicht leicht einzuschüchtern. Doch einmal musste ich mich im hintersten Winkel eines Hauses verkriechen, weil Kontrolleure der korrupten Regierung meinen Reisepass einsammeln und offenbar zerreißen wollten. In welchem Land? Das verrate ich nicht – ich muss dort sicher wieder hin.

Warum entschieden Sie sich bei der Wahl Ihres europäischen Wohnsitzes eigentlich dauerhaft für Frankreich – und nicht etwa für Berlin, wie vielfach spekuliert wurde?
Wir wollten, dass die Kinder neben Englisch eine zweite gemeinsame Sprache lernen und entschieden uns für Französisch. Ich habe immer bereut, die Zweitsprache meiner Mutter nicht selbst gelernt zu haben. Zudem schätzen wir die Lebensqualität und familienfreundliche Atmosphäre in der Provence sehr.

Roland Huschke