OK! spricht mit Leonardo DiCaprio

Zwischen Jetset und Normalität

OK! spricht exklusiv mit Leonardo DiCaprio. Mit 23 machte ihn "Titanic" zum Weltstar. Ruhm, mit dem Leo nicht fertig wurde. Elf Jahre später ist er erfolgreicher denn je, aber auch reifer?

Seit „Titanic“ ist viel passiert. Leonardo DiCaprio, 34, hat sich seit dem oscarprämierten Blockbuster von 1997 zu einem der besten Schauspieler Hollywoods entwickelt. Und sein neuester Film „Zeiten des Aufruhrs“ verspricht wieder ein Erfolg zu werden. Nicht zuletzt, weil er mit der Frau dreht, mit der alles begann: Kate Winslet, seiner „Titanic“-Filmpartnerin. Doch das Traum-Duo ist nur vor der Kamera ein Paar. Seit über zwei Jahren turtelt der Amerikaner mit deutschen Wurzeln mal mehr, mal weniger mit dem israelischen Topmodel Bar Refaeli, 23. Über sie will er im Interview mit OK! aber nicht so recht sprechen. Dafür aber über eine andere schöne Frau …

„Zeiten des Aufruhrs“ ist Ihr erster Film mit Kate Winslet seit „Titanic“. Gab es Erwartungsdruck?
Nein, überhaupt nicht. Wir sind in all den Jahren extrem gute Freunde geblieben und fassten immer wieder mal gemeinsame Projekte ins Auge. Einem Vergleich mit „Titanic“ könnte ohnehin kein anderer Film standhalten. Dieser Film war so ein einzigartiges Event, dass schon der Versuch sinnlos wäre, daran anschließen zu wollen. Und um schauspielerisch ganz sicher nicht in die Traumpaar-Schublade gesteckt zu werden, wählten wir mit „Zeiten des Aufruhrs“ auch bewusst das genaue Gegenteil: einen Anti-Liebesfilm, der mit der messerscharfen Präzi­sion eines Theaterstücks zeigt, wie Eheleute trotz bester Absichten scheitern können.

Milde formuliert! Der Film zeigt eine Ehehölle – oder hätten Sie nach dem Film
noch Lust zu heiraten?

Ich werde mich hüten, meine private Haltung zur Ehe zu kommentieren, weil mich sonst jeder Satz auf Ewigkeiten verfolgt. Aber die beiden Figuren im Film sind sicher dazu geboren, nicht miteinander klarzukommen. Das machte den Dreh ungeheuer spannend. Kate und ich genossen es, uns vor der Kamera einen regelrechten Kleinkrieg zu liefern. Wir vertrauen uns blind und konnten darum weiter gehen, als es mit anderen Kollegen möglich gewesen wäre.

Galt das auch für die Liebesszenen? Kates Mann Sam Mendes führte schließlich Regie 
Für mich waren diese Szenen Routine. Die Knutscherei haben wir  schon vor Jahren hinter uns gebracht, und in diesem Film geht es ja auch eher um Leiden als um Leidenschaft.

War Kates Mann nicht eifersüchtig?
Das müssen Sie ihn fragen, aber ich würde auf das Gegenteil wetten, der Mann ist doch Profi. Was uns hier schauspielerisch reizte, waren die Grenzüberschreitungen im Streit. Wie nah neben dir darf ich den Stuhl zertrümmern? Wie laut darf ich dich anschreien? Das waren Fragen, die ich Kate nicht stellen musste, weil ich instinktiv weiß, dass sie in einer Szene alles erlaubt. Für solche Momente lebe ich!

Warum harmonieren Sie auf der Leinwand und privat so gut mit Kate?
Wir sind uns wahnsinnig ähnlich. Auch wenn es nach außen vielleicht nicht so wirkt, weil sie diesen britischen Akzent hat! (lacht) Wir verstehen uns nach all der Zeit sogar wortlos und können vor allem ehrlich zueinander sein, ohne dass einer beleidigt wäre, wenn die Meinungen mal auseinandergehen. Trotz ihrer Erfolge und ihres unverschämten Talents kann man gar nicht bodenständiger und menschlich aufrichtiger bleiben als Kate Winslet. Ich bin wirklich stolz, sie zu meinen wenigen engen Freunden zählen zu dürfen.

Kate sagte uns, dass sie jetzt endlich ihren verdammten Oscar gewinnen will. Hand aufs Herz: Hoffen Sie das nach drei vergeblichen Nominierungen auch?
Da möchte ich es lieber etwas diplo­matischer halten und finde, dass keine Nominierung vergeblich ist, sondern ein Zeichen größten Respekts. Mehr Gedanken mache ich mir zu dem Thema nicht. Meine Arbeit kann ich bis zu einem gewissen Grad kontrollieren, und das ist schon viel Macht für einen Schauspieler. Doch was die Reaktionen angeht, darauf habe ich null Einfluss.

Können Sie gut mit Kritik umgehen?
Im Gegensatz zu vielen meiner Kollegen lese ich ab und zu tatsächlich, was über meine Filme geschrieben wird. Ich finde es interessant zu erfahren, wie ein Job bewertet wird, von dem der Zuschauer ja nicht weiß, wie schwer er war oder wie viele Probleme es zu bewältigen gab.

In „Zeiten des Aufruhrs“ geht es um Fluchten aus dem Alltag. Wo liegt Ihr liebstes Rückzugsgebiet?  
Garantierte Ruhe hätte ich wohl im Garten meines Hauses. Ansonsten lehrt mich die Erfahrung, dass ich auch in afrikanischen Dörfern oder im Amazonasdschungel auf Leute treffen kann, die mein Gesicht kennen. Worüber ich mich gar nicht beschweren will. Es wäre nur schwer, einen öffentlichen Platz zu finden, an dem ich nicht mit dem Fotohandy abgeschossen würde.

Mal angenommen, Sie wären einen Tag unsichtbar. Wo würden Sie ihn verbringen?
Obwohl ein Tag sicher zu kurz wäre, würde ich einfach nur durch Rom oder Paris schlendern und die Sehenswürdigkeiten abklappern wie ein stinknormaler Tourist. Besonders Rom liebe ich sehr. Ich kenne keine schönere Stadt. Doch wenn ich mal ins Kolosseum will, geht das nur bei Nacht. Oder ich kann mich für wenige Minu­ten mit Baseballmütze und Sonnenbrille hineinschleichen, bevor ich erkannt werde und mich Security-Leute ins wartende Auto schubsen. Nicht sehr romantisch, fürchte ich. (lacht)

Was ist das Verrückteste, was Ihnen mit Fans je passiert ist?
Das Verrückteste? Das habe ich vermutlich verdrängt. Ich erinnere mich nur daran, dass ich nach „Titanic“ mal durch den Pariser Flughafen lief, nach unten schaute und sich dort plötzlich ein Mädchen an mein Bein klammerte. Sie wollte mich einfach nicht mehr loslassen! In dem Moment wurde mir klar, dass sich mein Leben radikal geändert hatte.

Für eine gewisse Zeit schienen Sie den Erfolg zu genießen und wurden häufiger auf Partys als vor Kameras gesichtet.
Ich war jung und begriff zunächst nicht, was um mich herum geschah. Wenn man plötzlich nur noch Komplimente bekommt und mehr Macht hat als je zuvor in seinem Leben, wird man zwar nicht automatisch zu einem arroganten Sack, aber man bekommt einen verfälschten Sinn der eigenen Wichtigkeit. Man benimmt sich dementsprechend. Es war gefährliches Gebiet, das ich aber auch längst verlassen haben.

Wie verbringen Sie heute Ihre Freizeit?
Freizeit? Ich habe in den letzten zwei Jahren drei Filme gedreht und war fast ausschließlich auf Reisen. Das ist nach wie vor der sonderbarste Aspekt meines Berufes: Man kommt von einer langen Reise zurück und muss erst mal auf den neuesten Stand kommen: Freunde, Familie – alle haben sich weiterentwickelt, während man selbst in einer Fantasiewelt lebt und das Persönliche zurückstellt. Am besten nehmen Sie die Drehzeit all meiner Filme und ziehen sie von meinem Alter ab, dann wissen Sie, auf welcher Reifestufe ich tatsächlich stehe. (lacht)

Roland Huschke