Anne Hathaway: Exklusiv-Interview

Hollywoods Liebling

Anne Hathaway im großen OK! Exklusiv-Interview: Von ihrem Ex-Freund wurde sie bitter enttäuscht. Seitdem ist die Schauspielerin vorsichtig geworden. Wählerisch war sie aber schon immer...

Sie ist bildschön, hochtalentiert und hat ein Lächeln, auf das selbst Julia Roberts neidisch werden könnte. Nach privaten Turbulenzen ist Anne Hathaway, 26, wieder fest entschlossen, jeden Tag zu genießen. Beim OK!-Interview zu ihrem neuen Film „Bride Wars – beste Feindinnen“ bezauberte sie mit ihren großen braunen Augen, den kirschroten Lippen und einer porzellanweißen Haut. Aber schnell wurde uns klar: So süß und nett wie in „Plötzlich Prinzessin“ oder „Der Teufel trägt Prada“ ist Anne gar nicht. Vor allem ist sie sehr smart, selbstironisch und unglaublich geheimnisvoll …

Was hat Sie dazu bewogen, in „Bride Wars – Beste Feindinnen“ mitzuspielen?
Zunächst, dass diese Komödie so ziemlich das Gegenteil von dem Filmdrama „Rachels Hochzeit“ war, das ich davor abgedreht hatte. Darin spiele ich Rachels suchtgefährdete Schwester Kym, die – frisch aus der Entzugsklinik – unerwartet bei den Hochzeitsfeierlichkeiten auftaucht und für gehörigen Wirbel sorgt. Meine Rolle in „Bride Wars“ ist viel leichter: Ich bin Emma, die dermaßen hochzeitsbesessen ist, dass sie mit ihrer Freundin, die ebenfalls am selben Tag heiraten will, einen regelrechten Hochzeitswettstreit anzettelt. Sehr witzig. Und außerdem: Wer würde jemals einen Film mit Kate Hudson absagen?

Tatsächlich? Es heißt, Sie hätten sich während der Dreharbeiten ganz schön gefetzt!
Das sind doch die üblichen dummen Gerüchte, die gewisse Journalisten in die Welt setzten, weil sie in Wirklichkeit keine Ahnung haben. (lacht) Manche von denen tun sich ja schon bei der korrekten Bestimmung von Kates oder meiner Haarfarbe schwer.

Aber hat Kate Hudson Sie vor laufender Kamera nicht tatsächlich heftig geohrfeigt?
Ach, das meinen Sie … Ja, das stimmt, das stand allerdings so im Drehbuch. Aber jetzt, wo Sie es ansprechen: Kate hätte tatsächlich weniger fest zuschlagen können. Zumal wir die Szene mehrmals wiederholen mussten.

Sie haben zwei Filme am Start, in denen es um Hochzeiten geht – dabei haben Sie sich selbst vor ein paar Monaten von Ihrem langjährigen Freund, dem Geschäftsmann Raffaello Follieri, getrennt …
Ist das nicht die Ironie des Schicksals? Als ich die Filme gemacht habe, hatte ich natürlich keine Ahnung, wie sich die Dinge in meinem Leben entwickeln würden.

Können wir trotzdem noch kurz über das spektakuläre Ende Ihrer Beziehung mit Follieri sprechen?
Lieber nicht!

Sie sind mittlerweile wieder in einer festen Beziehung, oder?
…über die ich sicher auch nichts ausplaudern werde!

Träumen Sie nicht davon, irgendwann einmal zu heiraten?  
Absolut nicht. Mir ist es überhaupt nicht wichtig, zu heiraten oder verheiratet zu sein.

Dann glauben Sie wohl nicht mehr daran, dass Sie den Richtigen noch finden werden, oder?
Wenn ich ehrlich bin, nein. Ich weiß aber, dass es Menschen gibt, die daran glauben und es sich sogar wünschen, dass sie ihr ganzes Leben mit ein und derselben Person verbringen werden. Und das ist für mich auch völlig in Ordnung. Aber ich schwöre: Ich habe noch nie ans Heiraten gedacht. Allerdings finde ich die Idee, mich voll und ganz auf einen Partner einzulassen, durchaus wünschenswert.

Könnten Sie sich vorstellen, mit Ihrer Film­figur Emma aus „Bride Wars“ befreundet zu sein?
Warum nicht? Aber wir wären grundverschieden. Emma ist ein richtiges Herzchen. Sehr lieb, sehr mädchenhaft. Das bin ich überhaupt nicht. Ich hatte beim Dreh allerdings viel Spaß daran, mit diesem femininen Konzept herumzuspielen.

Hat der Film auch eine moralische Botschaft?
Nein, „Bride Wars“ ist eher ein Popcorn-Movie, der Spaß machen sollte. Na ja, vielleicht könnte man bei näherem Hinsehen sagen, dass er zeigt, wie wichtig echte Freundschaft im Leben ist. Es ist ein großes Glück, wenn man Freunde hat, die mit einem durch dick und dünn gehen, koste es, was es wolle.

Wie viele echte Freunde haben Sie?
Mehr, als ich geglaubt habe – und weniger, als Sie denken. Das letzte Jahr war – wie Sie sich vorstellen können – ziemlich hart für mich. Und gerade in solchen Lebenskrisen sind Freunde Gold wert. Für mich ist das Wichtigste, dass ich einem Menschen rückhaltlos vertrauen kann. Ich meine damit nicht nur, dass er mich nicht belügt, sondern auch, dass ich bei ihm so sein kann, wie ich bin. Ohne Maske, ohne Selbst­zensur. Das verstehe ich unter echter Freundschaft. Und die kann man mit einem Mann haben oder mit einer Frau. Da ist das Geschlecht egal. Da zählt nur der Mensch.

Sie erleben gerade einen beneidenswerten Karriereschub. Haben Sie eigentlich noch Zeit, Freundschaften zu pflegen?
Da sprechen Sie einen sehr wichtigen Punkt an, über den ich in den letzten Monaten viel nachgedacht habe. Ich will nämlich tatsächlich mehr Zeit mit meinen Freunden verbringen, denn es sind die Menschen, die zählen – nicht die Filme, die man macht.

Stellen Sie sich vor, Sie würden sich in jemanden verlieben, dem sich nicht zu 100 Prozent vertrauen können.
Das wäre schlicht unmöglich. Nie im Leben würde ich das tun! Im Idealfall kommt ja doch alles zusammen: Liebe, Freundschaft, Vertrauen … (lacht) Aber, hey – bin ich hier etwa beim Psychologen? Sprechen wir doch lieber wieder über „Bride Wars“.
Im Film legen Sie eine ziemlich heiße „Dirty Dancing“-Einlage in Hotpants hin. Das hätten Sie nicht von mir erwartet, richtig? Niemand würde mir das im richtigen Leben zutrauen. Dabei habe ich jede Menge alkoholvernebelte Erinnerungen an gewisse College-Partys, über die ich hier besser den Mantel des Schweigens lege. Es macht mir aber einen Höllen­spaß, in Filmen schamlos zu sein.

Nur in Filmen?
(lacht) Nicht nur, aber sicher nicht in der Öffentlichkeit. Man sollte aber nie den Schauspieler mit seinen Rollen verwechseln. Aber so viel sei verraten: Privat bin ich nicht gerade die wilde Draufgängerin oder Rebellin.

Sondern?
Ach, ich hoffe immer auf das Beste. Tief in meinem Herzen gehe ich meist davon aus, dass es ganz schlimm kommen wird, aber gleichzeitig wünsche ich mir, dass es dann doch nicht passiert. Wie Sie sehen, bin ich ziemlich neurotisch.

Ambivalenz ist sexy. Vielleicht sind Sie ja auch nur noch nicht so völlig festgefahren wie die meisten Menschen, sondern offen für die Wechselfälle des Lebens …
Das auf jeden Fall. Und in puncto neue Filmrollen bin ich geradezu wagemutig. Ich stehe total auf Rollen, vor denen ich regelrecht Angst habe. Nichts wäre für mich schlimmer, als wenn man mich in eine Schublade stecken würde. Das ist auch einer der Gründe, weshalb ich versuche, so viele verschiedene Filme wie möglich zu machen. Ich habe zwar, wie gesagt, vor jeder neuen Herausforderung ziemlich große Angst, aber das ist immer noch besser, als wenn man zu bequem wird und sich nur noch hinter dem versteckt, was man schon kann. Routine ist der Tod jeder künstlerischen Leistung.

Wie erholen Sie sich von den anstrengenden Dreharbeiten? Malen Sie, machen Sie Musik, schreiben Sie Gedichte?
Ja, genau das mache ich. Und zwar alles. Und noch einiges mehr. Ich verstehe mich selbst als Künstlerin. Wenn ich male, dann große abstrakte Bilder, wobei ich Acrylfarbe wild und frei auf der Leinwand verteile. Was für eine Lust! Ich hänge sie allerdings nicht auf, sondern werfe sie nach einiger Zeit wieder weg oder stapele sie in der Garage. Das Wichtigste für mich ist die Action beim Malen. Aus demselben Grund schreibe ich übrigens auch Gedichte: nicht, weil ich sie veröffentlichen will, sondern weil ich das Gefühl mag, das ich habe, während ich sie schreibe.

Wenn man also Ihren Abfall durchwühlen würde, könnte man einen „echten Hathaway“ finden?
(lacht) Sie können meinen Abfall gern durchwühlen und alles behalten, was Sie da so finden. Ich habe nichts zu verbergen. Wenn ich Leuten etwas vorspielen will, dann mache ich einen Film. Im richtigen Leben will ich die sein, die ich bin. Mit all meinen Fehlern und – vielleicht auch – Vorzügen.

Welche Charaktereigenschaft hat Ihnen im Leben am meisten genützt – und welche am meisten geschadet?
(denkt lange nach) Es ist beides Mal dieselbe: meine Großzügigkeit. Sie macht mich entgegen­kommender, als ich eigentlich bin, und verletzlicher, als ich eigentlich sein will.

Ist es tatsächlich wahr, dass Sie einmal Nonne werden wollten?
(lacht) Das ist schon lange her, aber das wäre dann wohl doch nichts für mich gewesen. Obwohl mich Menschen, die sich mit Leib und Seele einer einzigen Sache hingeben, nach wie vor sehr faszinieren.

Sollten Hollywood-Stars eigentlich Vorbild für die Jugend sein?
Ich glaube nicht, dass das tatsächlich funk­tioniert. Ich würde so eine Vorbildfunktion gar nicht haben wollen. Ich bin doch selbst noch auf der Suche und habe alles andere als ein gefestigtes Weltbild. Natürlich bewundere ich auch Frauen wie zum Beispiel Emma Thompson oder Meryl Streep. Oder – um in meiner Altersklasse zu bleiben – Maggie Gyllenhaal, die ich als Schauspielerin ganz fantastisch finde. Aber jemanden anzuhimmeln – damit allein ist es ja nicht getan. Man muss aus seinen Fähigkeiten selbst etwas machen. Und das ist harte Arbeit.

Warum leben Sie eigentlich nicht in der Film­haupt­stadt Los Angeles, sondern in New York?
Abgesehen davon, dass ich nicht gerade in das L.A.-Baywatch-Nixen-Schema passe, finde ich New York viel spannender, ehrlicher und in gewisser Weise menschlicher. New York will mich auch nicht verbiegen, sondern nimmt mich als der Mensch, der ich bin.

Interessant. Beschreiben Sie sich doch bitte einmal mit drei Sätzen.
Ich stehe mit beiden Beinen auf der Erde. Ich bin manchmal etwas verkopft, dann wieder sehr kindisch und linkisch. Außerdem sehr wählerisch – was meine Agentin gelegentlich zur Weißglut treibt –, begeisterungsfähig, und ich habe einen guten Sinn für Humor. Hoffe ich zumindest.

Muss Ihr Traummann Ihnen sehr ähnlich sein oder eher Ihr Gegenteil?
Darüber mache ich mir keine Gedanken. Wenn man sich verliebt, dann ist alles andere egal.

Wo sehen Sie sich mit 30? Haben Sie dann eine Familie, Kinder?
Sie geben wohl nie auf! (lacht) Ich amüsiere mich immer köstlich, wenn Leute versuchen, ihr Leben zu planen. Wie naiv muss man eigentlich sein, wenn man glaubt, dass man das auch nur ansatzweise könnte? Gut, ich kann meinen nächsten Urlaub planen oder meinen nächsten Shopping-Trip. Aber viel weiter als das? Familie, Kinder … natürlich ist das etwas, was ich mir wünschen würde, wenn es einmal so weit ist. Meine Eltern sind über 25 Jahre glücklich verheiratet. Es kann also durchaus funktionieren. Aber wie heißt es so schön: Jeder ist seines Glückes Schmied …

Apropos Shopping-Trip: Die Oscar-Verleihung steht vor der Tür – haben Sie Lieblingsdesigner?
Ich habe mit „Der Teufel trägt Prada“ gleich einen Crash-Kurs in Sachen Mode bekommen. Und es versteht sich von selbst, dass ich wie jede Frau ab und zu gern tolle Kleider anziehe.

Wenn Sie die Wahl hätten, wofür würden Sie sich entscheiden: für einen höheren IQ oder mehr Sexappeal?
Abgesehen davon, dass das eine ziemlich unverschämte Frage ist: Was meinen Sie wohl?

Noch mehr Sexappeal wäre nicht auszuhalten!
(lacht) Das war eine sehr kluge Antwort.

Ulrich Lössl