Hugh Jackman - 'Mein Sohn hasst es, dass ich berühmt bin!'

OK! traf den Hollywood-Star zum Interview in Toronto

Hugh Jackman begibt sich in Dramatisch: Jake Gyllenhaal (Polizisten Prisoners

Hugh Jackman, 44, und Jake Gyllenhall, 32, sind in ihrem neuen Thriller "Prisoners" auf der Jagd nach einem skrupellosen Killer. Jede Sekunde zählt. Jackman erlebt in der Rolle des "Keller Dover" den schlimmsten Albtraum, den ein Vater haben kann, als seine sechsjährige Tochter "Anna" spurlos verschwindet. Wie weit dürfen Eltern gehen, um ein entführtes Kinder zu retten? Wie weit würden Sie gehen?

OK! traf den sympathischen und gutaussehenden Australier Hugh Jackman in Toronto, Kanada, im Shangri-La Hotel zum Interview. Er trägt einen dunklen Anzug mit weißem Hemd. Die oberen Knöpfe trägt er lässig offen. Auf eine Krawatte verzichtet er. Er begrüßt uns mit einem strahlenden Lächeln. Star-Allüren? Keine Spur. Im Interview spricht er offen und ehrlich ...

Sie sind Vater. War es nicht schwer für Sie, sich in die Rolle von "Keller Dover", dessen Tochter verschwindet, zu versetzen?
Um ehrlich zu sein, kann und mag ich an so etwas gar nicht denken. Aber der Schauspieler in mir will daran denken. Genau nach so etwas suchen wir Schauspieler: eine Rolle, die nicht einfach ist. Das ist eine Herausforderung. Ich fühlte mich zu dieser Rolle hingezogen, aber es war schwer, das Drehbuch zu lesen, geschweige denn das zu spielen. Seit hunderten von Jahren werden dramatische Geschichten erzählt - ob sie uns gefallen oder nicht. In einem jedem schlummert die Angst. Die Angst, dass einem etwas passieren könnte. Dass man ein Kind verliert, oder es entführt wird. Ganz egal, ob man ein Elternteil ist oder nicht. Es hat ganz einfach damit etwas zu tun, ob man sich geborgen fühlt. Gibt es jemanden, der auf einen aufpasst? All diese Fragen schwirren in unserem Unterbewusstsein herum. Und genau das ist der Grund, wieso ich eine solche Rolle spiele und wir uns solche Filme im Kino anschauen.

Es muss ziemlich emotional für Sie sein, mit diesem Ärger, dieser Wut, zu drehen. Wie können Sie da am Abend nach den Dreharbeiten wieder entspannen?
(Überlegt) Ich würde es mal so sagen: Wenn ich die Rolle richtig spüre, ziehe ich sie durch. Man braucht eine gewisse Entspannung zum Schauspielern und eine enge Verbindung mit deinen Schauspiel-Kollegen und deinem Regisseur. All das zusammen ist ausschlaggebend, wie ich mich Abends nach den Dreharbeiten fühle. Wenn ich eine Rolle gut spiele, gehe ich Abends nach Hause und es geht mir blendend. Wenn aber nicht, dann komme ich mit Kopfschmerzen nach Hause.

Dann könnte ich ja die Schauspielerei mit einer Art Selbsttherapie vergleichen?
Ja genau! Aber um diese Erfahrung zu machen, muss ich kein Schauspieler sein. Ich kann sie auch haben, wenn ich mir einen Film anschaue. Sicherlich können wir alle sagen, dass wir einen Film gesehen haben, der unser Leben verändert hat, oder? Dafür muss ich kein Schauspieler sein.

Als Sie erfahren haben, dass Sie für einen Oscar nominiert sind, waren Sie am Set von "Prisoners". Wie war das für Sie?
Schizophren! Wir fingen gerade zu drehen an. Ich hatte eine normale Szene. Dann am Abend stand ich am roten Teppich und trank Champagner und am nächsten Tag war ich am Set in einen der total verrückten Szenen ... das war total crazy.

Haben Sie etwas gelernt von diesem Film?
Ich habe viel über schlafen gelernt. Normalerweise passe ich total auf mich auf. Ich darf nicht mal eine Erkältung bekommen, denn dann hört sich z.B. meine Stimme anders an und wir müssen die Dreharbeiten verschieben. Aber "Prisoners" war ein Film, wo ich mir darüber keine Sorgen machen musste. Ich verbrachte super viel Zeit mit Recherche über Schlafentzug. Was passiert nach den berüchtigten drei Tagen ohne Schlaf? Wird man wirklich verrückt? All diese Fragen gingen in meinem Kopf um. Mittlerweile weiß ich alles über Schlaf. Lasst es euch von mir gesagt haben: die Lebenserwartung ist um einiges höher, bei acht Stunden Schlaf pro Nacht. Doch ich schlafe trotzdem weniger (lacht).

Im Film sind Sie auf das Schlimmste vorbereitet. Wie sieht das in Ihrem eigenen Haus aus? Haben Sie einen Erste-Hilfe-Kasten?
(Lacht) Ich muss ihnen was total peinliches gestehen: Ich war schon ein Jahr lang in meinem neuen Haus und wusste nicht mal wo der Sicherungskasten war. Und ich habe das auch nur herausgefunden, weil eine Sicherung durchgebrannt ist und ich sie ersetzen musste (lacht). Ich glaube ich werde als Schauspieler zu stark verwöhnt, dass solche Dinge in meinem eigenen Leben einfach nur peinlich sind (lacht).

Sie haben bereits einen Tony, einen Emmy und einen Oscar. Was bedeutet das für Sie?
Die haben einen Ehrenplatz bei mir Zuhause. Mein Oscar ist bereits 13 Jahre alt. Meine Lebens-Philosophie ist: Erwarte nichts, dann ist alles ein Bonus. Ich fühle mich total geehrt und dachte nie, dass ich eines Tages die Oscar-Verleihung moderieren werde. Geschweige denn, dass ich einen Oscar gewinnen werde. Ich bin unendlich stolz.

Sie haben gerade Erfolg auf der ganzen Linie. Tolle Filmprojekte, eines nach dem anderen. Bekommen sie dadurch nicht Ärger mit ihrer Familie?
Ich habe gerade vier Filme hintereinander gedreht. Zuvor war ich noch nie für Dreharbeiten von zu Hause weg. Doch für drei von diesen vier Filmen musste ich meine Familie verlassen. Ich reiste ständig zwischen Filmset und Heimat hin und her. Doch jetzt mache ich erstmal bis Weihnachten gar nichts mehr um meine Familie zu beruhigen (lacht). Die sind ganz schön sauer auf mich.

Und was sagen Sie zu ihren Kindern wenn Sie einen Thriller drehen wie diesen hier?
Na ja, ich sag ihnen nicht viel. Nur, dass es kein Film für sie ist. Sie kommen mich natürlich am Set besuchen, schauen mir dann aber nicht bei den Dreharbeiten zu. Meine Tochter ist acht Jahre alt und fängt langsam an sich dafür zu interessieren, dass ich Schauspieler bin. Mein Sohn dagegen hält sich sehr zurück und spricht kaum mit mir darüber. Er möchte einfach seinen Papa haben. Er mag es nicht, dass ich berühmt bin. Er mag gar nichts daran (lacht).

Sie haben gesagt, dass Sie jetzt erstmal bis nach Weihnachten eine Pause einlegen. Was ist, wenn morgen Ihr Lieblingsregisseur anruft und Ihnen eine Traumrolle anbietet, die Dreharbeiten aber bereits im Oktober beginnen?
Dann sag ich 'Nein'.

Was haben Sie denn in Ihrer Pause alles so geplant?
Meine Kinder in der Schule zum Mittagessen treffen, sie zur Schule bringen und wieder abholen. Mit ihnen ihre Hausaufgaben machen. Mit ihnen lesen, Monopoly spielen, kochen, Fußball-Training - alles was ein 'normaler' Papa auch machen würde.

 Haben sie Pläne wieder zum Broadway zurück zu kehren?
Ja. Ich werde den Workshop zu Houdini, ein Broadway Musical, beenden und wenn alles klappt dann Ende nächstes Jahr damit zum Broadway zurück kehren.

Interview: Rachel Kasuch

"Prisoners" mit Hugh Jackman und Jake Gyllenhaal - ab dem 10. Oktober in den Kinos.