OK! trifft Ben Kingsley - der unsere Frage ignoriert

Mit Video! Der Oscar-Preisträger im Mini-Interview zu 'Ender's Game - Das große Spiel'

Im Hotel am Brandenburger Tor in Berlin versammeln sich die geladenen Journalisten auf der ersten Etage und warten auf ihr siebenminütiges Interview mit Sir Ben Kingsley, 69, anlässlich seines neuen Films "Ender's Game - Das große Spiel". Nach einiger Zeit des Wartens werde ich von der Pressedame aufgerufen und zu einem Vorraum begleitet. Auf dem Weg über die Flure des Luxushotels erkundige ich mich nach dem Gemütszustand des Oscar-Preisträgers: “Wie ist er [Ben Kingsley] gelaunt?" Langes Schweigen, bis sie zögernd antwortet: “Mhh, wie soll ich sagen, bisher hat es keiner geschafft, mehr als eine Frage zu stellen."

Mir werfen sich unzählige Fragen auf, bis wir plötzlich in dem Vorraum ankommen, wo bereits andere Presse-Kollegen warten. An der dunklen massiven Holz-Tür ist in großen Buchstaben "Bitte Ruhe - Interview" zu lesen.

Nach weiterer Zeit des Wartens und vielen Fragen in meinem Kopf geht die Tür auf und ich werde in das Zimmer gebeten. Der Raum ist auffällig abgedunkelt. Zwei PR-Agentinnen sitzen rechts im Raum. Auf der anderen Seite die Kamerafrau und ihr Assistent. Und vor einem schwarzen Hintergrund sitzt er - Sir Ben Kingsley.

Doch obgleich ich ihn sofort mit den Augen erfasse, zeigt er keine Regung auf mein Hereinkommen - auch nicht, als seine Agentin mich ihm vorstellt. Seine Blicke bleiben starr auf seine Agentin gerichtet. Er schüttet sich ein Glas Wasser ein, während ich mich gefühlt unbemerkt ihm gegenübersetze. Als seine Wasseflasche leer ist und keine Neue bereit steht, sagt er in Richtung seiner PR-Frau: "Welcher Kopf wird rollen?"

Ich bin kurz überrascht über diesen Kommentar, tue ihn jedoch mit dem britischen Humor ab und lasse mich davon nicht beeindrucken.

Die Kamera-Frau hinter mir wirft "Kamera läuft" ein - und los geht's.

"Also Sir Ben Kingsley, was hat Sie an der Rolle des Oberst 'Mazer Rackham' gereizt?"

Was dann passiert, dokumentiert die Kamera. Der Schauspieler umgeht zwar meine Frage, holt aber umso weiter aus und gibt Satz für Satz den kompletten Film wieder. Ich weiß nun, was die Pressedame meinte. Ich sehe meine sieben Minuten Interviewzeit dahinrinnen und denke an die anderen Fragen, die ich unbedingt anbringen möchte. Doch jeder Satz wird von dem 69-Jährigen akkurat aneinandergepresst.

Während ich mir überlege, ob ich gerade Kandidat bei "Versteckte Kamera" bin, muss ich schmunzeln und suche zugleich Augenkontakt mit ihm. Doch Kingsley denkt gar nicht erst daran, mich eines Blickes zu würdigen. Gekonnt schaut er an mir vorbei. Er lässt seine Blicke nach rechts und links schweifen und spricht mit der Kamera, als würde sie ihm wie ein faziniertes Kind zuhören.

Sekunden, Minuten vergehen. Seine Agentin streckt zwei Finger in die Luft, um die verbleibende Zeit zu signalisieren. Ich überlege mir, wie ich noch eine Frage unterbringe. Kingsley lässt sich nicht beirren, erläutert gefühlt jedes Detail des Films.

Die Zeit ist um. Die Agentin beendet den Monolog. Ich bedanke mich brav und taumele verdutzt aus dem Raum - ein Interview mit Sir Ben Kingsley.

Seht hier das ungeschnittene Eine-Frage-Interview mit Sir Ben Kingsley:

Seht hier den Trailer zu "Ender's Game - Das große Spiel". Kinostart: 24. Oktober 2013:

Seht hier Ben Kingsley in seiner Rolle als "Mazer Rackham" in "Ender's Game - Das große Spiel":