Keira Knightley im Exklusiv-Interview

Über Bulimie- und Babygerüchte

Keira Knightey, sie ist einer der geheimnisvollsten Hollywood-Stars, gilt als extrem verschlossen, fast schon unnahbar. Im Exklusiv-Interview mit OK! gewährte sie jetzt ganz private Einblicke...

Sie sieht aus wie ein unschuldiges Reh – mit ihren großen, kugelrunden,  scheuen braunen Augen.  Aber Achtung! Kinostar Keira Knightley kann auch schimpfen wie ein Rohrspatz. Bei unserem Exklusiv-Interview überraschte die 24-Jährige, deren aktueller Film „Die Herzogin“ jetzt startet, allerdings mit ungewohnter Offenheit – und intimen Details aus ihrem Leben.

„Die Herzogin“ ist einer von vier Filmen, die Sie am Stück in England gedreht haben. Ein Zufall?
Nein, ich habe davor lange im Ausland gearbeitet und am Ende unter schrecklichem Heimweh gelitten. Es war absurd – von meiner ersten großen Gage habe ich mir ein wunderschönes Haus auf dem Land gekauft und dann in über zwei Jahren fast keinen Tag darin verbracht! Deshalb wurde es höchste Zeit, eine Weile zu Hause zu sein. Jetzt kann ich, selbst wenn ich arbeite, wenigstens am Wochenende meine Freunde und Familie sehen.

Sie gelten als sehr verschlossen …
Das ist Quatsch. Ich halte nur lieber kate­gorisch meine Klappe. Aus guten Gründen: Man braucht über intime Beziehungen nur einen Nebensatz zu verlieren, und schon öffnen sich die Pforten zu tausend Fragen der nächsten tausend Journalisten.

Zurück zu Ihren Wochenenden auf dem Land. Wie sehen die denn konkret aus?
Sehr langweilig und zurückgezogen. Der Höhepunkt ist ein Ausflug in den örtlichen Pub, wo ich in der Ecke sitze und mir ein Bier genehmige. Besser gesagt: ein Gemisch aus Bier und Cola – ich trinke wie ein gottverdammtes Mädchen. (lacht)

Bleiben Sie bei Ihren Dorf-Exkursionen unbehelligt?
Na klar, das sind ja alles Nachbarn. Erst beäugen sie Neulinge misstrauisch, wie ich es auch machen würde. Heute interessieren sie sich längst nicht mehr für mich.

Sie sagten mal, dass Sie die Schauspielerei beenden müssten, wenn Ihnen der ganze Ruhm zu anstrengend wird. Besteht diese Gefahr noch?
Letztlich kann mir keiner sagen, wie gut ich den Wahnsinn auf Dauer in Schach halten kann. Stellen Sie sich vor: Sie gehen in London eine Straße entlang und fühlen sich die ganze Zeit beobachtet oder verfolgt. Sie hören, wie man ­Ihren Namen flüstert. Als Normalsterb­licher ginge man in dieser Situa­tion wegen akuter ­Paranoia zum Psychiater. Nur mir hilft das nichts: Ich bilde mir nichts ein. Das geschieht wirklich .

Waren Sie sich über die möglichen Folgen nicht im Klaren, als Sie Ihren Job wählten?
Von wegen! Natürlich wollte ich erfolgreich sein und eine Arbeit abliefern, die die Menschen mögen. Aber Erfolg ist nicht gleich Ruhm. Letzteres ist eine unkontrollierbare Maßeinheit, die nur in den Köpfen der Leute existiert.

Aber Sie füttern doch diesen Ruhm, indem Sie etwa Werbung für Kosmetika machen.  
Nein – meine Arbeit als Model ist nur ein Teil meines Jobs. Ich werde gebucht, fotografiert. Was dann anschließend mit den Bildern passiert, liegt nicht in meiner Hand, sondern ist Teil einer von Werbeleuten künstlich kreierten Fantasiewelt. Es wäre interessant darüber zu diskutieren, warum unsere Gesellschaft so etwas anscheinend braucht. Doch diese Diskussion müssen Sie mit den Machern führen und nicht mit mir als Gelegenheits-Mannequin.

Wie sehr nervt Sie das regelmäßige Gerede über Ihr Gewicht?  
Das Thema ist so grässlich abgekaut, dass ich darüber eigentlich nur lachen kann. Mal bin ich zu dünn, dann wieder zu kurvig, zu knabenhaft, zu sehr Lady, zu klein oder zu groß. Was denn nun, zum Teufel? Ich bin ich – das sollte doch inzwischen nicht mehr so schwer zu akzeptieren sein.

Unbestritten ist dagegen Ihre große Vorliebe für Kostümfilme. Woher stammt
dieses Interesse?

Ich mag es, mich im Kino in andere Zeiten transportieren zu lassen und finde das auch schauspielerisch extrem spannend. Denn wir werden nie ganz genau wissen, was vor 300 Jahren los war – dementsprechend kann man die Vorstellungskraft noch mehr auf Touren kommen lassen.

Gibt es eine historische Periode, in der Sie gern gelebt hätten?
Nein, ich bin von der Gegenwart verwöhnt und brauche meine tägliche Dusche. In früheren Jahrhunderten hätte es mir entschieden zu streng gerochen. Auch Korsetts würden mich dauerhaft wohl in die Knie zwingen. Oder was glauben Sie, warum Frauen einst als schwaches Geschlecht bezeichnet wurden? Weil sie ganz offensichtlich nie genug Luft zum Atmen bekamen! Ich lese aber mit Leidenschaft histo­rische Biografien, auch wenn mir der voyeuristische Aspekt der Lektüre etwas unangenehm ist. Aber da die Personen ja schon sehr lange tot sind, geht das wohl in Ordnung. (lacht)

In „Die Herzogin“ spielen Sie eine lebenshungrige und charismatische Lady, die zur Trendsetterin ihrer Zeit wurde und die Ururtante von ­Prinzessin Diana war. Was ist an dem Historiendrama aktuell?
Ich dachte immer, die Promi-Kultur sei ein Phänomen der modernen Mediengesellschaft. Das ist falsch. Offenbar hat es schon immer Menschen gegeben, die Normen gesprengt und die Fantasien der Menschen beflügelt haben. Nicht selten sind sie daran zugrunde gegangen. Doch die Parallelen zwischen der Gräfin von Devonshire aus dem Film und Lady Di sind mir zu reißerisch und an den Haaren herbeigezogen. Alles nur Marketing-Tricks. Beim Drehen haben wir jedenfalls keinen Moment an Lady Di gedacht.

Haben Sie es irgendwann einmal bereut, dass Sie zugunsten der Karriere die Schule geschmissen und nicht studiert haben?
Sicher, manchmal fühle ich mich schon etwas ungebildet. Doch dass ich die Schule geschmissen habe, heißt ja nicht automatisch, wirklich etwas versäumt zu haben. Die Filmwelt wimmelt nur so von interessanten Persönlichkeiten. Das gibt einem für das Erwachsenwerden womöglich mehr als stupides Lateinbüffeln in einer Schule. Ich sage nicht, dass nun jedes englische Kind seine Erziehung in die eigene Hand nehmen sollte. Ich weiß nur, dass es für meine Persönlichkeitsstruktur das Beste war, was mir passieren konnte.

In jüngster Zeit spielten Sie auch mehrfach Mutterrollen. Haben Sie schon mal über
Ihre eigene Familienplanung nachgedacht?

Wie bitte? Eigene Kinder? Nein, ich will keines. Wer weiß – vielleicht eines Tages mal. Man soll niemals nie sagen. Jetzt trage ich aber zunächst Verantwortung für mich selbst, und es geht mir sehr gut dabei.

Roland Huschke