Sonya Kraus über Botox, Beauty-Tricks und Nacktfotos

Ohne Tusche sehe ich aus wie Boris Becker

Nach „Baustelle Mann“ jetzt der nächste Bestseller? Sonya Kraus baut munter weiter an ihrer Buchkarriere. „Baustelle Body“heißt ihr neuestes Werk. „Ein Mutmach-Buch“, sagt die 35-jährige Mode­rato

Auf dem Buchcover posieren Sie links ungeschminkt, rechts mit Make-up: Welche Hälfte gefällt Ihnen denn besser?
Die linke Seite begrüße ich jeden Morgen vor dem Spiegel. Der Anblick ist zu ertragen. Ich weiß ja, dass ich mich innerhalb kurzer Zeit von einem Mädchen mit dreckig-grünen Augen zu einer Wow-Frau verwandeln kann.

Welche Beauty-Fehler machen Frauen häufig?
Gegenfrage: Welcher Hirni hat die ¾-Hose erfunden? In der Büx werden selbst Gazellenbeine zu Krautstampfern! Und wer hat weiße Jeans zum absoluten Muss deklariert? Es ist doch bekannt, dass helle Farben den Blick ausgerechnet auf die größte weibliche Problemzone richten – Po und Hüfte!  

Sie geben offen zu, Push-ups, Extensions und fasche Nägel zu tragen. Wie viel Tuning ist erlaubt?
Ich arbeite fürs Fernsehen. Optisch nicht hundert Prozent zu geben, halte ich für res­pektlos dem Zuschauer gegenüber. Ich will den Leuten doch einen Augenschmaus servieren! Auf dem roten Teppich werde ich oft gefragt: Frau Kraus, was haben Sie denn heute wieder angeklebt und hochgepuscht? Gähn! Schnarch! Dass an mir nicht alles echt ist, ist doch ein alter Hut! (lacht) Es gibt so viele ungeschminkte Menschen, die in ihrer Art extrem künstlich sind. Da bin ich doch lieber umgekehrt: künstlich in der Optik, natürlich im Wesen.

Sie schreiben ganz offen über Schönheits-operationen. Haben Sie Botox oder chemische Peelings mal selbst probiert?
Man kann heute keinen Beauty-Ratgeber schreiben und dieses Kapitel ausblenden. Das wäre wie ein Buch über Männer ohne Sex. Aus Neugierde habe ich mir mal die Lippen aufspritzen lassen – ein traumatisches Erlebnis! Alter Falter, hatte ich Schmerzen! Im Dreiminutentakt verwandelte sich mein zartes Oberlippchen zu einer Schimpansenschnute. Selbst mein Freund war zu entsetzt, um Witze zu reißen.

Eine allergische Reaktion?
Ja, am nächsten Morgen war zum Glück nichts mehr zu sehen. Die Erfahrung habe ich aber teuer bezahlt: 400 Euro! Das Geld habe ich mir aber zurückgeholt. Danach dauerte es 13 Jahre, bis ich mich wieder an Spritzchen rantraute.

Botox?
Ja. Ich muss doch wissen, wo­rü­ber ich schreibe! Also habe ich mir einen Schuss geholt. Aber ich war wahrscheinlich zu zaghaft, denn ich konnte danach immer noch die Stirn runzeln. (lacht)  Bevor mit Mitte fünfzig ein blutiges Facelifting nötig wird, lasse ich mich doch lieber jetzt zweimal jährlich anpiksen. Ich habe diese Botox-Geschichte als völlig unproblematisch und harmlos erlebt. Was natürlich auch Suchtpotenzial in sich birgt: Zuerst legt man sich die Denkerstirn lahm – und was kommt danach?

Sie räumen mit der Hoffnung auf, Wundermittelchen würden etwa
gegen Falten helfen. Haben Sie keine Angst, es sich mit potenziellen Werbepartnern zu verscherzen?

Ja, ich laufe tatsächlich Gefahr, mir alle Deals in der Kosmetikindus­trie zu vermiesen. Aber bislang hat mich noch keine Creme so vom Hocker gehauen, dass ich dafür meinen Namen hergebe wollte.

Wie anders fühlen Sie sich an einem Tag ohne Schminke?
Ganz ehrlich? Überhaupt nicht anders. Ich trage Make-up wie andere ihre Arbeitsuniform. Wenn ich nicht im Job bin, genieße ich es durchaus, ein Fettköpfchen spazierenzutragen. Die einzige Sache, die ich mir immer antue, ist Wimperntusche. Sonst sehe ich aus wie Boris Becker…

Wurden Sie früher gehänselt?
Oh ja! Ich war auf dem Konservatorium für klassisches Ballett. Da sollte man im Idealfall 1,62 Meter groß und knabenhaft sein. Ich explodierte aber mit 14 in alle Richtungen. Über jede Rundung wurde mies gelästert, sodass ich mich irgendwann fühlte wie ein Elefantenmädchen! Aber als ich merkte, dass sich groß und kurvig gut verkauft, habe ich aus der Not eine Tugend gemacht und bin Model geworden.

Schon mal eine Diät probiert?
Ja, und zwar direkt nach dem Abi­tur. Es war Kate-Moss-Zeit. Alle wollten superdünn sein. Ich auch. Also habe ich mich auf Mailand-Maße heruntergehungert – was super funktioniert hat. Meine italienische Model-Agentur hat mich für jedes verlorene Kilo gelobt. Jede Woche brachte ich weniger auf die Waage – und mehr Aufträge an Land. Nur in Deutschland waren die Kunden von meinem Äußeren geschockt. Um hier weiter im Geschäft zu bleiben, musste ich zunehmen. Ich wiege heute 15 Kilo mehr als damals.

Was ist Ihre problematische Körperzone?
Der Hintern, wie bei so vielen Frauen. Hollywoodstar Sandra Bullock hat mal gesagt: „Wer keine Zellulitis hat, ist nicht menschlich!“  Sehr sympathisch, oder?

Bei welchem Grad von Nacktheit setzt Ihr Schamgefühl ein?
Eins steht fest: Der Bikini bleibt an! Sieht man eine Brustwarze, beginnt mir die Röte ins Gesicht zu steigen. Das muss auch der „Playboy“ akzeptieren, der mich seit zehn Jahren aufs Charmanteste anbaggert. Aber solange ich eine Einnahmequelle und keine horrenden Schulden habe, werde ich mich für kein Magazin der Welt ausziehen. Obwohl die kleinen Be­stechungsgeschenke wie etwa Blümchen, ­T-Shirts und Pralinen echt lieb gemeint sind …

Maren Gäbel