'Last Vegas' - Michael Douglas im OK! Online-Interview

'Amerikas Jung-Schauspieler sind schrecklich!'

Entspannter Typ: OK! traf Michael Douglas im Crosby Street Hotel in New York und sprach mit ihm über das Älterwerden, Freundschaft und Fitness Der notorische Playboy Frauen, Party und Geld: In der Wüstenmetropole ist (fast) alles erlaubt Robert De Niro und Morgan Freeman in Eine Komödie, nicht nur für älteres Publikum

Du sitzt in einem edlen Hotelzimmer, alles ist verwüstet. Neben dir eine sauteure Flasche Schampus. Die Tür geht auf, zwei  Stripperinnen kommen rein. Und kurz bevor du deine Augen schließt fällt dir ein: Du heiratest morgen! Aber: Du bist in Las Vegas und hier gilt ein Ehrenkodex – ein Versprechen unter Freunden: „What happens in Vegas, stays in Vegas!“ Auf dieses Gebot können sich auch die vier alternden Freunde in "Last Vegas" verlassen. Doch während sich das feiernde Quartett als Ensemble warmherziger Gentlemen mit Benehmen präsentiert, schlägt so manch anderer gehörig über die Strenge.

Zum ersten Mal treten die vier Hollywood-Ikonen Michael Douglas, Robert De Niro, Morgan Freeman und Kevin Kline gemeinsam in einem Film auf. Vier Freunde in ziemlich bestem Alter für die Pensionierung wollen in Las Vegas einen etwas verspäteten Junggesellenabschied der Extraklasse feiern. Der notorische Playboy Billy (Michael Douglas) möchte endlich heiraten. Dies ist der Auftakt zu einer überraschenden und  turbulenten Party in der Glücksspielmetropole. 

OK! traf Hauptdarsteller Michael Douglas, 69, in New York und sprach mit ihm über das Älterwerden, die Hürden der Film-Castings und wieso er von amerikanischen Jung-Stars so gar nichts hält.

In "Last Vegas" schmeissen Sie eine irre Party. Haben Sie selber auch eine verrückte Las-Vegas-Story?
Ich war vor Jahren in Las Vegas mit Kerry Packer. Er war ein grosser Multimillionen-Dollar schwerer Australier, der ins Filmgeschäft involviert war. Ich habe versucht ihn davon zu überzeugen, Geld in meinen Film zu investieren. Ich sah ihm 45 Minuten beim Kartenspiel 'Black Jack'  zu. In dieser Zeit gewann er über 3 Millionen Dollar. Er gab der Bedienung 'Sarah' 45.000 Dollar Trinkgeld, als sie ihm eine Cola Light brachte und er sie nach ihren Schulden fragte ...

Hat er Ihr Filmprojekt denn dann finanziert?
Nein, leider nicht…(lacht)

"Last Vegas" ist ein sehr lustiger Film, aber es geht auch ums Verzeihen. Glauben Sie, dass es für einen Mann härter ist zu verzeihen, als für eine Frau? 
Da bin ich mir sogar ziemlich sicher. Männer haben den größeren Trotzkopf…(überlegt)…obwohl, ich kenn auch ein paar Damen, die ziemlich stur sind. Natürlich kommt es aber immer darauf an, was man verzeihen muss. Vielleicht ist es möglich zu verzeihen – aber nicht zu vergessen.

Bedeutet Ihnen das Wort 'Freundschaft' heute mehr als in jüngeren Jahren?
Ich glaube in jüngeren Jahren ist man mehr mit seiner Karriere beschäftigt. Damit möchte ich nicht sagen, dass einem Freunde nichts bedeuten, sondern lediglich, dass die Prioritäten eben anders sind. An erster Stelle steht deine Karriere. Dann wird man älter und damit ändern sich die Prioritäten. Auf einmal werden einem die Freundschaften, die man aus Zeitgründen vernachlässigt hat, wichtiger und man ist so glücklich und dankbar, diese Freundschaften im Alter zu haben.

Arnold Schwarzenegger hat erst kürzlich gesagt, dass älter werden "scheisse" ist. Was halten Sie davon?
Als Action-Held ist es natürlich noch mal 'ne Nummer schlimmer. Aber es ist sehr hart, was Positives im Altern zu sehen….(denkt nach). Das einzig Gute was mir einfällt ist, dass ich Kinder habe, denen ich weise Sachen erzählen kann. Mein Ratschlag also ist: Viel Zeit mit Kindern zu verbringen ...(lacht).  Außerdem versucht man, im Alter die Welt zu verändern, damit alles besser wird. Jeder will noch schnell sein Stück dazu beitragen, bevor man sich für immer verabschiedet. 

Viele sagen, früher war alles anders. Sagen Sie das auch?
(Zögert) Es war einfach eine andere Zeit. Nehmen wir nur mal die 60er oder 70er Jahre. Bevor Aids und HIV unser Leben verändert haben. Wir hatten sexuellen Freiraum. Die Musik war besser. Ich sehe das an meinem 13-jährigen Sohn, der sich fast nur 'Klassik-Rock' anhört. Wir haben miteinander geredet und uns dabei in die Augen geschaut – nicht wie heutzutage, wo jeder nur noch per Textnachrichten oder Emails miteinander spricht. 

Was halten Sie von den amerikanischen Jungschauspielern?
Oh je, hören sie bloß auf. In den letzten vier Filmen, die ich produziert habe, kümmerte ich mich um das Casting. Ich brauchte 18-jährige Schauspieler, männlich und weiblich. Es war schrecklich! In allen vier Fällen habe ich dann britische und australische Schauspieler angeheuert. Irgendetwas stimmt mit den Amerikanern nicht. Ich weiss nicht was... vielleicht schauen sie alle zu viel schlechtes Fernsehen? Ich glaube, es liegt an den ganzen Reality-TV-Shows, dass unsere Schauspieler so schlecht sind!

Wirklich?
Ja, schlimm. Nur zwei Beispiele: Carey Mulligan in "Wall Street 2" oder Imogen Poots in "Solitary Man" - in beiden Fällen spielen diese britischen Schauspielerinnen eine Amerikanerin. Ich weiss nicht was los ist, aber diese Schauspieler tauchen auf, sprechen mit einem perfekten US-Akzent, sind diszipliniert und bekommen dann die Rolle. 

Stichwort Casting. Sie müssen sicherlich nicht mehr für ihre Rollen vorsprechen. Aber erzählen Sie doch mal: Wie war das früher?
Ich war immer schrecklich beim Vorsprechen. Ich war super nervös. Ich hab immer gebetet, dass meine Vorsprechzeit morgens, anstatt nachmittags ist. Denn wenn sie nachmittags war, wusste ich, dass vor mir schon 60 andere Kandidaten vorgesprochen haben. Und wenn ich dann als 61. um 16.00 Uhr vorspreche, schlafen die Produzent fast schon ein und können ihren Blick gar nicht mehr auf mir halten. Ebenso sollte man sich beim Vorsprechen quasi "verkaufen". Doch ich war immer sehr verunsichert. Mein Ratschlag an alle Schauspieler ist: Zeig denen wer du bist und was du kannt. Du kannst nicht erwarten, dass sie dich entdecken, wenn du das nicht zeigst. 

Was machen Sie, um sich fit zu halten?
Eine halbe Stunde Ausdauertraining und eine halbe Stunde Dehnübungen. Dann für eine weitere Stunde Bauchmuskel-Übungen und Gewichte stemmen. Und dieses Programm ziehe ich vier mal pro Woche durch. Außer, wenn ich lange Drehtage habe …

Und wie sieht Ihre Ernährung aus?
Abends versuche ich keine Kohlenhydrate mehr zu essen. Dafür esse ich ein großes Frühstück, wenn's geht mit Eiern, Käse, Avocado und Speck…(lacht). Ebenso versuche ich meinen Alkoholkonsum sehr niedrig zu halten. 

Und wenn Sie sich einen Cocktail erlauben, was trinken sie dann?
Wodka oder Martinis. Aber Cocktails haben wirklich viele Kalorien. Und wie wir alle wissen: Kalorien abzubauen wird schwerer, je älter man wird…(lacht)

In "Last Vegas" sind Sie wirklich auffällig mit Selbstbräuner eingecremt. Verwenden Sie den auch privat?
Oh ja! Bevor ich im Urlaub fahre, schmiere ich Selbstbräuner auf meine Beine. Ich will meine weißen Beine nicht verstecken müssen…(lacht). Ich will so aussehen, als ob ich schon immer in der Sonne war. Doch diese Bräune hält leider nur drei Tage… (lacht)

Interview: Rachel Kasuch

"Last Vegas" mit Michael Douglas, Robert DeNiro, Morgan Freeman und Kevin Kline - ab 14. November in den deutschen Kinos.