Hugh Jackman - OK! traf den Superstar in Berlin

Zu gut, um wahr zu sein!

Hugh Jackman - Er ist groß, sexy, extrem charmant. Mit anderen Worten: zu gut, um wahr zu sein! Wir haben den Australier in Berlin getroffen und uns davon selbst überzeugt.

Da kommt dann doch ein klein wenig Neid auf. Hugh Jackman, 40, betritt den Raum, und alles verstummt. Da steht er vor einem – 1,90 Meter groß, Drei­tagebart, etwas schmaler als erwartet und ein strahlendes Lächeln im Gesicht. „Hey, how are you“, schnarrt er mit tiefer Stimme und australischem Akzent. So schön kann doch kein Mann sein! Und so zufrieden, so entspannt, so unglaublich höflich, und witzig ist er dann auch noch. Okay: zusammenreißen, vielleicht gibt es ja doch eine winzige, dunkle Seite, die es jetzt zu er­forschen gilt …

Warum sind Sie eigentlich stets so gut drauf und immer freundlich – sogar zu Journalisten?
(lacht) Mein Leben ist doch einfach nur toll! Da gibt es keinen Grund, schlechte Laune zu haben oder zu verbreiten. Und zu Journalisten bin ich deshalb so nett, weil ich selbst mal einer werden wollte. Doch während des Studiums hatte ich das Gefühl, dass ich nicht besonders gut sein werde in dem Job. (lacht) Und irgendwie macht es ja auch Spaß, in allen möglichen Ländern auf neue Menschen zu treffen und ein wenig Konversation zu üben. Hey, warum also sollte ich mich beschweren? Ich reise viel, wohne in luxuriösen Hotels und kann ununterbrochen reden…

Ist ein Traum wahr geworden?
Viele Träume: Als Teenager hingen bei mir nicht Poster von Rockstars an den Wänden, sondern eine Weltkarte. Na ja, um ehrlich zu sein, für kurze Zeit hing bei mir auch Olivia Newton-John, aber es ging immer nur darum, irgendwann zu reisen. Als ich 18 war, düste ich als Rucksacktourist durch Europa. Allerdings war ich die meiste Zeit betrunken! (lacht) Ich erinnere mich daran, dass in Salzburg ein McDonald’s-Schild stand, das nicht rot-weiß, sondern ganz edel aus Metall geschlagen und voll mit alten Ornamenten war. Was einem so im Gedächtnis hängen bleibt… Und dann bin ich auch noch Schauspieler geworden, verkörpere eine beliebte Comicfigur und…

… durften die Oscar-Verleihung moderieren!
Das war wirklich das Größte. Dabei war ich anfangs nicht mal nervös. Aber der Typ, der mich hinter der Bühne verkabelt hat und der für den minutiösen Ablauf zuständig war, hat es dann doch geschafft, mich darauf aufmerksam zu machen, dass die Oscar-Verleihung etwas ist, bei dem man nervös sein sollte. Irgendwann zählte er runter: „Noch eine Minute bis zu deinem Auftritt, noch 30 Sekunden …“ Dann legte er mir die Hand auf die Schulter, schob mich raus auf die Bühne und raunte: „Alter, du moderierst die Oscar-Verleihung, eine Milliarde Menschen schauen dir zu – viel Glück!“ Dann sah ich noch kurz Meryl Streep in der ersten Reihe, und mir wurde fast schwarz vor den Augen!

Hat man Ihnen nicht angemerkt. Kneifen Sie sich manchmal, bei all dem offensichtlichen Glück?
Klar, manchmal kneife ich mich, weil alles so gut läuft. Besonders dass ich eine tolle Familie habe und gut im Geschäft bin. Aber in meinem Beruf gibt es nie so etwas wie hundertprozentige Sicherheit. Wenn also etwas Tolles passiert, bin ich glücklich und dankbar. Als ich zum Beispiel meine Frau Debbie vor 14 Jahren getroffen habe – das war wohl mein größtes Glück. Und natürlich als dann meine beiden Kinder Oscar und Ava dazukamen. Das Motto lautet also: Genießen, denn alles kann ganz schnell vorbei sein.

Haben Sie denn manchmal Angst, alles wieder zu verlieren?
Sagen wir mal so: Ich versuche nicht zu sehr über Horrorszenarien nachzudenken. Ich bin ein typisches Kind der Mittelklasse. Mein Vater war Buchhalter, wir hatten nie richtige Geldsorgen, und meine Kindheit war relativ sorgenfrei. Allerdings bin ich mit einigen Werten groß geworden, die mich auch heute noch prägen: Ich hasse Verschwendung oder wenn jemand mit seinem Geld prahlt. Ich lebe gut, und mein Geld ist sicher angelegt. Ich versuche also nicht panisch zu werden, wenn die Umstände mal nicht mehr ganz so stimmig sind wie im Augenblick.

Fühlen Sie sich denn als Star?
Mit dem Berühmtsein ist das so eine Sache. Ich bin auf jeden Fall selbstsicherer als früher und mittlerweile in einer Situation, in der ich mir die Drehbücher oder Regisseure aussuchen kann. Ich will aber nicht, dass der Erfolg mich verdirbt oder ich Fans vor den Kopf stoße. Als ich jung war, hätte ich mir so einen Erfolg nicht mal ausmalen können. Für meine Rolle als Wolverine in den „X-Men“-Filmen habe ich extrem viel Geld bekommen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so pervers viel Geld verdiene. Ich bin immer noch überrascht und dankbar. Ich fahre auch noch völlig entspannt mit der ­U-Bahn. Die Leute tuscheln zwar und sagen „Hey, der sieht ja aus wie Hugh Jackman“, sie denken aber nicht, dass ich es wirklich bin. (lacht) Das funktioniert.

Der „Sexiest Man Alive“ fährt U-Bahn?
Klar, ich will so normal sein wie möglich. Und sexy … Wie spät ist es jetzt? Zehn Uhr morgens. Neee, nie vor 12 Uhr mittags. (lacht) Der Trick mit dem Sexappeal geht so: Schau nie vor zwölf Uhr mittags in den Spiegel und nie nach 19 Uhr. Dazwischen fühl dich einfach sexy!

Sie sehen etwas schmaler aus als in den Filmen „Australia“ und „Wolverine“.
Ich trainiere gerade wieder ab. Ich habe ein ganzes Jahr gebraucht, meinen Körper so aufzupumpen, dass Wolverine glaubhaft wird. Das war ein echter Kraftakt: morgens um halb vier aufstehen. Und dann saß ich da im Halbdunkel, machte mir ein Omelett aus Eiweiß, schob ein trauriges Vollkorntoast in den Toaster, aß es ohne Butter, ging wieder schlafen, um nach einer Stunde wieder aufzustehen, um zu trainieren. Ein ganzes Jahr lang! Aber um all die Muskeln wieder loszuwerden, dauert es nur wenige Wochen. Ich kann es kaum erwarten, einen guten, fettigen Hamburger zu essen.

Ihre Frau hat sich bestimmt über die sexy Muskelberge gefreut…
Ging so … Irgendwann fand sie, dass ich zu gut aussah. Sie meint, ein Mann sollte seine Ehefrau sexy aussehen lassen und nicht umgekehrt. Ich schätze daher mögen Frauen uns Männer erst, wenn wir fett und alt sind!

Klingt ganz nach dem Rezept für eine glückliche Ehe!
Ich muss mich zurückhalten: Sehen Sie meinen Ehering? Das ist bereits mein vierter! Durch das Ab- und Zunehmen für die Filmrollen habe ich schon drei Ringe beim Schwimmen verloren, die jetzt alle auf dem Meeresboden liegen. Meine Frau hat mir daraufhin diesen schweren, dicken Goldring anfertigen lassen. Der wiegt gefühlte zehn Kilo. Ich glaube, sie will, dass ich beim nächsten Schwimmausflug mitsamt dem Ring untergehe! (lacht)

Alex Siemen