Exklusiv: Jana Pallaske im OK!-Interview

Der Star aus Phantomschmerz

Jana Pallaske liebt das Extreme: Im OK!-Interview spricht sie über ihre Zerrissenheit zwischen dem fatalen Hang zum Leiden und der großen Sehnsucht nach Glück.

Ein Termin mit ihr kann anstrengend sein. Nicht, dass Jana Pallaske, 29, die Filmfans aus „alaska.de“ oder „Berlin am Meer“ kennen, eine Megazicke mit Star­allüren wäre, im Gegenteil. Aber auf ein Gespräch mit Jana muss man sich einlassen. Vor allem aber braucht man Zeit. Jana sagt, und das meint sie ernst, sie will die Welt retten. Die ganze Ungerechtigkeit regt sie auf, dass die Menschen in Armut leben, die falsche Weltpolitik, die Umweltprobleme. Aber da sind so viele lose Enden, klagt sie. „Ich hätte gern so viele Leben, würde gern so vieles machen, so vieles lernen, so viel wissen.“ Jetzt strahlt die Berlinerin voller Optimismus. „Es gibt so viele Orte, die ich noch sehen möchte, und Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten will …“

Woher kommt Ihre Sehnsucht, die Welt zu erobern?
Jeder Ort, an den ich reise, bringt eine andere Seite von mir zum Ausdruck. Das liebe ich, und deswegen bleibe ich traditionell auch meist länger als geplant, verschiebe den Rückflug und komme selten pünktlich zurück. Allein im letzten Jahr war ich in Spanien, zweimal in Griechenland und New York, in Frankreich, England, Kalifornien und Thailand.

Gerade kehren Sie aus Los Angeles zurück. Welche Jana kam dort zum Vorschein?
Hollywood, Schmolliwood? Das ist nicht so mein Ding, aber in Kalifornien kann ich besser Musik machen als zu Hause. Ich brauche einen geschützten, fokussierten Raum, um meine Songs zu Ende zu bringen. Ich bin dort nicht so rastlos. Es ist warm, und man spürt den Wind vom Ozean. Das Licht und die Luft tun gut, der Horizont ist unendlich weit. Ich fühle mich, als könnte ich die Flügel ausbreiten und losfliegen.

Es zieht Sie auch regelmäßig an Thailands entlegene Strände…
Zuletzt bin ich nach Silvester in die Natur ausgerissen, als mir Ende des Jahres nach Dreharbeiten in Spanien und nach dem Tarantino-Dreh in Paris („Inglorious Basterds“ Anm. d. Red.) alles zu viel wurde. Dort ist es total friedlich und still. Manchmal bleibe ich wochenlang in „meiner“ Bucht und führe ein Leben ohne Elektrizität, ohne Autos, ohne Läden. Das brauche ich, um zu mir zu kommen und Frieden zu finden. Ich mache dann auch nicht viel: nur lesen, schwimmen, meditieren und Yoga.

Yoga und Meditation sind inzwischen wichtige Anker in Ihrem Leben. Warum?
Ich sehe, höre und fühle alles total intensiv. So war ich schon immer. Bevor ich Yoga entdeckt habe, habe ich andere Wege gesucht, diese Intensität, die ich überall spüre, zu kanalisieren.

Würden Sie sagen, Sie haben extrem gelebt?
Auf jeden Fall, immer noch! Damals vor sieben, acht Jahren, als ich mit der Band (Spitting Off Tall Buildings, Anm. d. Red.) angefangen habe, musste ich alles rausbrüllen. Ich wollte alles leben und fühlen, sein und schmecken. Ich habe Senf pur gegessen! Ich wollte nichts anderes als mit meiner Truppe jeden Tag durch die Welt zu ziehen und abends in dunklen, dreckigen Clubs zu spielen und überall runterzuspringen, wo man runterspringen konnte. Meine Knie mussten immer blau und zerschürft sein. Das war für mich ein Zeichen, dass ich gelebt habe. Das war schon krass, was für eine Kraft da rausmusste.

Klingt nach wilder rebellischer Phase…
Ständig alles bekämpfen zu wollen und sich wehzutun hört sich vielleicht romantisch an, und es sieht im Film auch schön aus, wenn Menschen traurig und deprimiert sind oder sich was antun wollen. Aber in Wirklichkeit ist es echt mies zu leiden. Es muss einen besseren Weg geben.

Wie lange haben Sie das durchgehalten?
Ein paar Jahre. Aber dann wollte ich die Menschen anders berühren, mit Wärme und Weichheit, Wahrheit und Direktheit. Ich wollte nicht mehr brüllen, ich wollte singen, damit die Texte, die mir viel bedeuten, auch gehört und verstanden ­werden.

Damals haben Sie sich von Ihrer großen Liebe Paul getrennt …
Es war die Hölle, die Entscheidung zu treffen, dass sich die Band trennt, dass ich mich von diesem Mann trenne. Aber weiter zusammenzubleiben hätte mich mehr unglücklich gemacht als glücklich. In mir war alles zusammengebrochen. Es war eine Wüste, ein Knoten in mir. Es tat so weh, mein ganzer Körper, alles. Mein Herz war in eine Eistruhe gestellt.

Hatten Sie richtig körperliche Beschwerden?
Schmerzen aus dem Leben, aus alten Beziehungen stecken in uns. Am Ende hatte ich einen Tinnitus, der ein Jahr in meinem Ohr gepfiffen hat. Aber das habe ich mit Yoga wegbekommen.

Wie ging das?
Die physischen Übungen helfen uns westlichen Menschen, aus unserer Gedankenmühle rauszukommen, aus dem ständigen kleinen Laufrad. Loszulassen und vergeben zu können sind wichtige Grundsätze, die ich erst lernen musste. Ohne Yoga und Meditation hätte ich mir längst die Pulsadern aufgeschnitten.

Kann ein gebrochenes Herz lieben?
Ich liebe es zu leben. Ich liebe es zu lieben – und deswegen kann ich es auch.

Und vertrauen?
Ich komme schon wieder dahin, dass ich anderen wieder vertrauen kann. Wenn mein Gefühl Ja sagt, und ich lache, und ich fühle mich gut und aufgehoben, dann genieße ich einfach den Moment. Ich bin schon so oft gefallen, ich habe mich schon so oft aufgerappelt, dann falle ich halt noch mal.

Was wünschen Sie sich von einer Beziehung?
Dass man das Bestmögliche aus sich herausholt, sich gegenseitig zu den besten Menschen macht. Wenn einer gut zu dir ist und auch zulässt, dass du ihn lieben darfst, dann wirst du selbst ein besserer Mensch. Man findet, man verbindet, man inspiriert sich.

Wünschen Sie sich manchmal, einfach nur da anzukommen?
Natürlich! Mein größter Traum ist, mein Leben mit dieser einen Person zu teilen. Und meine Kinder sollen in einem Haus aufwachen, wo ­gelacht wird.

Die starke Jana hat also doch eine weiche Seite?
Manchmal bin ich einfach nur müde und will, dass einer sagt: „Ach komm, Baby, mach dir keine Sorgen. Es wird schon alles gut. Komm mal her, ich regele das und passe auf dich auf.“ Und andererseits vertraue ich dem Schicksal, dass es vielleicht von mir will, dass ich mich noch eine Weile allein durchkämpfe. Ich soll halt noch ein bisschen allein powern.

Kati Degenhardt